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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 22:24 Uhr

Schifffahrt : Schweröl-Rückstände im Wasser: Kreuzfahrt-Schiffe werden sauberer

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Schweröl-Rückstände in Nord- und Ostsee gehen deutlich zurück. Gesünder sind die gefilterten Abgase aber kaum.

Kiel | Kreuzfahrtschiffe können Dreckschleudern sein. 7500 Kilo Schwefeldioxid am Tag – das ist die Bilanz eines der großen „Lustboote“, die mit Schweröl fahren und deren Abgase nicht durch Filter gereinigt werden. Seit 2015 dürfen deshalb alle Schiffe in Nord- und Ostsee nur noch mit Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent Schwefel enthält – ein Zehntel des bisherigen Werts. Alternativ müssen die Abgase über eine Anlage an Bord gereinigt werden.

Die Auswirkungen dieser neuen Regeln sind beachtlich: Um bis zu 80 Prozent hat die Konzentration von Schwefeldioxid in der untersten Schicht der Atmosphäre von Nord- und Ostsee abgenommen. „Die Luft ist sauberer geworden. Die Verschmutzung von Nord- und Ostsee durch Schwerölrückstände ist seit Anfang 2015 deutlich zurückgegangen“, erklärte gestern die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Monika Breuch-Moritz , beim Maritimen Sommertreff im Kieler Yachtclub.

Flüssiggas als Treibstoff ist keine abwegige Idee mehr

Die Messungen führt das BSH in Wedel an der Unterelbe und auf der Insel Neuwerk in der Elbmündung durch. Messungen in Rotterdam (Niederlande), Plymouth (Großbritannien), an der Brücke über den Großen Belt (Dänemark) sowie in Südostschweden bestätigten diese Ergebnisse. Ergänzt werden die Befunde durch Wasserproben aus Nord- und Ostsee.

„Regeln und ihre Überwachung stoßen Innovationen an“, zeigte sich die Präsidentin überzeugt. So sei das Flüssiggas LNG als Treibstoff keine abwegige Idee mehr. Die Abkürzung steht für „liquified natural gas“. LNG-betriebene Schiffe stoßen weder Feinstaub noch Schwefeloxide aus. Durch die zusätzliche Technik an Bord sind Schiffe, die neben den herkömmlichen Brennstoffen auch mit LNG fahren können, aber um bis zu 25 Prozent teuer.

Brunsbüttel steht in den Startlöchern, um eine LNG-Ladestation einzurichten. Vorbereitungen und erste Genehmigungsverfahren laufen bereits in den Häfen Hamburg, Southampton, Le Havre, Rotterdam und Zeebrügge.

Kaum gesundheitlicher Vorteile erwartet

Die Naturschutzverbände räumen zwar Verbesserungen durch die neuen Auflagen ein, sehen aber noch Verbesserungsbedarf, weil schon im Mittelmeer die strengen Umweltstandards nicht mehr gelten. Außerhalb der sogenannten SECA-Zone – Nord- und Ostsee sowie Ärmelkanal – sei Schweröl nach wie vor als Schiffstreibstoff Standard. Die zähe, bitumenartige Substanz ist ein Abfallprodukt der Benzin- und Dieselherstellung. Die Schwefelgehalte dieses Kraftstoffs liegen bis zu 3500 Mal so hoch wie der von Lkw-Diesel. Besonders bedenklich: Die giftigen Schiffs-Abgase werden durch Wind und Wetter bis zu 400 Kilometer landwärts geblasen.

Die Bedenken der Reeder, die wegen der schärferen Vorgaben vor erheblichen Kostensteigerungen und einer Verlagerung von Verkehren auf die Straße warnten, hätten sich auf jeden Fall nicht bestätigt, verkündete NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller kürzlich in Hamburg. Allerdings liegt das vor allem am Preisverfall des Öls: Der schwefelarme Schiffsdiesel ist heute nur unwesentlich teuerer als das dreckige Schweröl noch vor zwei Jahren.

Dennoch: Die Freude über den reduzierten Schadstoffeintrag in Nord - und Ostsee von dem Breuch-Moritz gestern berichtete, ist nicht ganz ungetrübt. Laut einer Mitte Juli vom Helmholtz-Zentrum München veröffentlichten Studie haben Feinstaubpartikel aus Schwerölemissionen zwar einen stärkeren Einfluss auf das Entstehen von Entzündungsreaktionen in den Lungen, dafür rufen die vom Diesel freigesetzten Schadstoffe offenbar starke zellbiologische Effekte hervor. „Der zurzeit propagierte und teilweise schon umgesetzte Verzicht auf Schweröl in der küstennahen Schifffahrt bringt für den Gesundheitsschutz der Menschen in den Küstengebieten daher wahrscheinlich weniger als erwartet“, erklärte Institutsleiter Ralf Zimmermann.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 16:01 Uhr

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