zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

IQB-Bildungstrends 2015 : Schüler im Norden glänzen mit Top-Ergebnissen: Das ist kein Zufall

vom

Vor sechs Jahren schnitt Schleswig-Holstein in Deutsch und Englisch noch unterdurchschnittlich ab. Jetzt geht der Trend nach oben.

Kiel | Eigentlich wollten die Kultusminister erst am Freitag die Ergebnisse des alle drei Jahre stattfindenden Schul-Leistungsvergleichs der Länder veröffentlichen. Doch schon Donnerstagabend sickerten die ersten Ergebnisse durch – und die Überraschung war perfekt: In Deutsch und Englisch haben die Schüler aus Schleswig-Holstein deutlich besser abgeschnitten als erwartet und sind sogar in die Spitzenliga aufgestiegen. So gelten Sachsen und Schleswig-Holstein als die großen Gewinner beim bundesweiten Kompetenz-Vergleichstest im Fach Deutsch. Bayern behauptet sich wieder weit vorn, Baden-Württemberg fällt deutlich zurück.

Als die beiden Fächer Englisch und Deutsch vor sechs Jahren bereits einmal untersucht wurden, schnitten Schleswig-Holsteins Schüler unterdurchschnittlich ab – besonders in Deutsch: Im Leseverständnis und in der Rechtschreibung landeten sie nur auf Platz 12 der 16 Länder. Auffällig damals war das überraschend schlechte Abschneiden der Jungen im Vergleich zu den Mädchen. Vor drei Jahren waren die Schüler und Schülerinnen in den Naturwissenschaften und der Mathematik getestet worden, Schleswig-Holstein kam fast überall auf Rang 8.

Top-Ergebnisse schafften die Schüler aus Schleswig-Holstein und Bayern auch im Hör- und Leseverständnis im Fach Englisch. Sie landeten im Ranking des „IQB-Bildungstrends 2015“ – eine regionale Ergänzung zum internationalen Pisa-Test der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) – weit vorn. Der Report vergleicht aktuelle Daten mit dem ersten Neuntklässler-Test in Deutsch und Englisch von 2008/2009.

Während in der baden-württembergischen Landespolitik schon die ersten Negativ-Trends für Streit zwischen Regierung und Opposition über Versäumnisse und Fehlanreize in der Schulpolitik sorgten, hüllte man sich im Norden in Schweigen. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will sich erst Freitag nach der offiziellen Bekanntgabe zu den erfreulichen Ergebnissen äußern.

Das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) organisiert den Ländervergleich seit 2008. Dieses Mal nahmen mehr als 37.000 Mädchen und Jungen aus über 1700 Schulen teil, vor acht Jahren waren es ähnlich viele.

Leitartikel: Gutes Abschneiden muss Ansporn und Verpflichtung für die Politik sein

Von Henning Baethge

Das ist eine tolle Nachricht: Schleswig-Holstein ist zu den Top-Bildungsländern in Deutschland aufgestiegen. Im alle drei Jahre stattfindenden Schul-Leistungsvergleich der Bundesländer liegen die Jungen und Mädchen aus dem Norden diesmal weit vorn. Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, als die schleswig-holsteinischen Schüler in den diesmal getesteten Fächern Deutsch und Englisch vor sechs Jahren noch schlecht abgeschnitten haben.

Abgezeichnet hatte sich der Aufstieg der Schulen im Land allerdings dann beim letzten Vergleichstest vor drei Jahren, als die Kultusminister die Naturwissenschaften und die Mathematik prüfen ließen. Damals schafften die Neuntklässler aus dem hohen Norden es über den Bundesdurchschnitt und ließen das einstige Pisa-Musterländle und jetzige Verliererland Baden-Württemberg erstmals hinter sich. Kein Zufall, wie sich nun zeigt.

Für die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst ist das großartige Ergebnis der Schulen Ansporn und Verpflichtung zugleich. Sie selbst kann sich den Erfolg zwar nicht auf ihre Fahnen schreiben, denn getestet wurde schon im Frühjahr 2015 – da war sie gerade ein halbes Jahr im Amt. Zu kurz, um in der langsam wirkenden Schulpolitik etwas bewegen zu können. Vielmehr dürfte die von ihrer SPD-Parteifreundin Ute Erdsiek-Rave eingeleitete und von deren Nachfolgern fortgeführte Stärkung der Lehrerfortbildung ein wichtiger Grund für das gute Abschneiden des Landes sein.

Doch wenn Britta Ernst ihren eigenen ruhigen Kurs in der Schulpolitik fortsetzt und gleichzeitig die Ausbildung der Lehrer an den Universitäten – nicht zuletzt dank viel Bundesgeld –  weiter verbessert, wird auch sie in drei Jahren Erfolge für sich reklamieren können. Vielleicht schafft Schleswig-Holstein es dann ja sogar ganz an die Spitze.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2016 | 06:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen