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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 09:18 Uhr

So geht Sanierung in SH : Schleswig-Holstein Stück für Stück an die Dänen verschenken

vom
Aus der Onlineredaktion

Schleswig-Holstein bröckelt und braucht Hilfe. Gott sei Dank hat der Däne uns auch nach 100 Jahren Einsamkeit nicht vergessen. Hinterm Danewerk geht's weiter.

Schleswig/Kopenhagen | Brücken, Autobahnen, Konzerthallen und dann auch noch mit Stil, Design, schnell und billiger als angekündigt: Die Dänen wissen, wie es geht. Sie lassen sich gute Pläne aber auch einiges kosten, jedenfalls dann, wenn ihnen wirklich etwas daran liegt. Den Kreis Schleswig-Flensburg stimmt diese noble Eigenschaft kreativ.

Das Danewerk mit der Waldemarsmauer ist eine Attraktion. Künftig soll die dänische Minderheit das Denkmal in Ordnung halten.
Das Danewerk mit der Waldemarsmauer ist eine Attraktion. Künftig soll die dänische Minderheit das Denkmal in Ordnung halten. Foto: grafikfoto.de

Die Wartung des Danewerk – für Dänen und die hier lebende dänische Minderheit eines der wichtigsten nationalen Symbole – reißt seit Jahren ein Loch in die Kasse des Kreises. Die sanierungsbedürftige Festungsanlage aus dem Mittelalter, die auf der Nominierungsliste für das UNESCO-Welterbe steht, soll weg von der Kostenliste, aber natürlich physisch irgendwie erhalten bleiben. Konsequenz: Die 1,5 Kilometer der Waldemarsmauer von der Thyraburg bis zur Schanze XIV werden dem Sydslesvigsk Forening (SSF), der kulturellen Organisation der dänischen Minderheit in Deutschland geschenkt. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der SSF-Vorstand getagt und dem Vorhaben zugestimmt, obwohl man ihnen die zu erwartenden Kosten offengelegt hat.

SSF-Chef Christiansen sieht das Danewerk als gemeinsames dänisch-deutsches Kulturerbe und die Übertragung des Geländes als „eine positive Geste der Minderheitspolitik von deutscher Seite“. Klingt toll. Wir sind der Meinung: Da geht noch mehr. Verschenken wir unser Schleswig-Holstein Stück für Stück zurück ans Reich unseres ehemaligen Herzogs, dem König seiner Majestät von Dänemark. Sanierungsfälle und Schandflecken haben wir genug, für die man keine Euros aus Berlin, Brüssel oder gar Kiel mehr anzapfen kann. Mut und Krone müssen her für den „Aufbau Syd“. Befürworten wie endlich Kopenhagener Entwicklungshilfe für unsere vergessene Zone der Republik, die Dänen haben uns auch fast 100 Jahre nach dem Schleswig-Referendum nie aus den Augen verloren. Vielleicht hättet ihr Dänen uns sogar gerne zurück, Schicht für Schicht, wie einen Hotdog.


Kanaltunnel nebst Brücke für lau

Durch die Oströhre (links im Bild) rollt vor den Sommerferien kein Auto. Solange verzögern sich die Arbeiten mindestens.
Durch die Oströhre (links im Bild) rollt vor den Sommerferien kein Auto. Solange verzögern sich die Arbeiten mindestens. Foto: Raschke

Da wäre der Kanaltunnel in Rendsburg - wir schenken ihn euch. Malt die Innenseite und die Einfahrt voll mit euren Dannebrogs und macht Dänemark ruhig ein Stückchen größer. Die Eider soll eure Grenze nicht mehr sein. Hauptsache, die Röhre wird befahrbar, bevor die Rader Hochbrücke einstürzt. Letztere könnt ihr auch haben – ihr wollt doch weiter nach Hamburg fahren können, wollt ihr nicht? Wenn ihr sowieso schon den Bagger dort stehen habt, könnt ihr gleich euer tolles Glasfasernetz statt der kaiserlichen Drähte dort verlegen. Euer zeitgemäßes Leben ist in SH bisher unmöglich.


Den Nordostseekanal gibt's oben drauf

Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal. /Archiv
Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal. /Archiv Foto: Carsten Rehder

Den Nordostseekanal könnt ihr eigentlich auch haben. Er erspart den gefährlichen Seeweg über Skagen, dafür wurde er ja auch gebaut. Hebt ihn aus, verpasst ihm schöne neue Schleusen, baut eine neue Brücke drüber, seid rigoros. Ihr werdet es hinbekommen, aber wir doch nicht.


Am Geister-Stadion die Flagge tauschen

Gibt es hier demnächst Drittliga-Fußball zu sehen? Vertreter der Stadt und des ETSV Weiche haben sich bei ihren Gesprächen auf das Flensburger Stadion als mögliche Spielstätte verständigt.
Gibt es hier demnächst Drittliga-Fußball zu sehen? Vertreter der Stadt und des ETSV Weiche haben sich bei ihren Gesprächen auf das Flensburger Stadion als mögliche Spielstätte verständigt. Foto: Michael Staudt
 

Da wäre das Flensburger Stadion, es wurde uns 1925 von Berlin geschenkt für „deutsche Treue“ – wie das Deutsche Haus ein Propaganda-Klotz gegen die 1920 dänisch Gesinnten. Der HSV darf dort nicht mal in Freundschaft kicken, weil die Spielstätte 90 Jahre später ein Bruchbude ist. Ihr müsst die Hütte sowieso hassen, und wir empfinden heute eher deutsche Reue bei seinem Anblick. Wir wollen dieses Geschenk nicht mehr. Wie wäre es also mit einem Deal? Wir möchten es euch überschreiben als Zeichen unserer tiefsten Verbundenheit. Den Status „Kulturdenkmal“ dürft ihr dafür gerne aus den Geschichtsbüchern streichen. Bitte erkennt den ironischen Wink der Geschichte. Baut das Ding neu auf, denn die hiesigen Pläne zum Umbau werden sich eh im Sande verlaufen. Fußballspielen könnt ihr neuerdings ja auch besser, vielleicht reihen wir uns einfach in euren neuen Erfolgsclub mit ein.


Wir überlassen euch gern auch die ganze Stadt

Ihr liebt Flensburg nicht mehr nur als Discount-Paradies. Lange gehörte die schmucke Fördestadt zu euch, verbrachte mit euch die glücklichsten Jahre. So soll es denn auch wieder sein. Die Übernachtungen dänischer Gäste in der Stadt sind in den letzten Jahren ja ohnehin exorbitant in die Höhe geschossen und der Noch-Oberbürgermeister spricht eure Sprache. Denkt rational, darin seid ihr doch so gut. Um es zu verbildlichen: Ihr pumpt hier so viel Geld rein, dass die Miete auf Dauer schlichtweg zu hoch ist. Also werdet Eigentümer! Allein, dass ihr die Grenzstadt als Großstadt anseht, macht euch zu besseren Herrschern. „Flensburg, die fünftgrößte Stadt Dänemarks“, das klingt richtig gut. Auf dem Grund der ehemaligen Luftschlossfabrik könnt ihr euch gleich mal austoben mit eurem Danish Design.


Deutschlands längstes Radwegenetz für eine symbolische Krone

Schleswig-Holstein ist ja das Fahrrad-Paradies Deutschlands. Okay, das ist übertrieben formuliert. Wir haben das längste unbefahrbare Radwegenetz der Republik, das trifft es wohl besser. Bei der Bestandsprüfung vor der Schenkung würdet ihr wohl erstmal einen Archäologen oder einen Botaniker einberufen. Von wegen nur Kopenhagen: Jeder noch so abgelegene Zipfel eures bäuerlichen Südjütlands ist mit einem wahren Fahrrad-Highway-Netzwerk ausgestattet, das anders als hier der Nutzung und nicht der Abschreckung dient. Ihr wisst, worauf es ankommt, also: Geschenk annehmen, abreißen, verbreitern, neu bauen und diesmal – das wisst ihr auch so – keine Bäume zwischen Fahrbahn und Radweg pflanzen: Denn es bilden sich Wurzeln und die machen alles wieder kaputt.


Auch Fehmarn könnt ihr kriegen

<p>Die Computergrafik zeigt die Einfahrt des Tunnels, der zwischen der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gebaut werden könnte.</p>

Die Computergrafik zeigt die Einfahrt des Tunnels, der zwischen der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gebaut werden könnte.

Foto: Femern A/s/dpa

Richtig gehört, wir schenken euch Fehmarn. Zwar wollen wir bis heute nicht wahrhaben, dass wir die Beltquerung möglicherweise vielleicht doch irgendwie gutheißen könnten. Aber da wir wissen, dass gegen euren Dickkopf kein Kraut gewachsen ist: bitteschön. Damit euer Tunnel-Projekt klappt, müssen wir euch das Eiland einfach anvertrauen, es gehörte ja einst auch zum Herzogtum Schleswig, also euch. Ohne Übereignung wird es nie was mit der Anbindung von Straße und Schiene. Einzige Bedingung: Ihr müsst die Fehmarnsundbrücke auch nehmen, sonst macht das alles keinen Sinn. Deal?


Gesundheitsrisiken und Arbeitskampf ins Ausland verfrachten

<p>Lübeck-Blankensee als Ryanair noch flog.</p>

Lübeck-Blankensee als Ryanair noch flog.

Foto: Imago/sp
 

Flugplätze haben wir auch noch zwei unter unseren Ruinen: Kiel Holtenau und Lübeck Blankensee. Ihr hattet doch so viel Ärger mit Ryanair in Billund, wegen der Tarifverträge und so. Bei uns sind die Airlines nicht geflohen, weil die Gewerkschaften dicke Backen machen und auch nicht, weil die Löhne so verdammt hoch sind. Eher wegen Kuddelmuddel und Tüdeltaddel, oh pardon in eurer Sprache: pærevælling. Daher: Erspart euch den Lärm und die Abgase und schickt eure Landsleute von Schleswig-Holstein aus in die Lüfte. Eine schnelle Bahnanbindung müsste noch hergestellt werden, aber dafür baut ihr ja den Tunnel nach Fehmarn. In Berlin wird man staunen.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 17:53 Uhr

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