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Schleswig-Holstein

06. Dezember 2016 | 18:55 Uhr

Robert Habeck : Schleswig-Holstein bekommt neues Wolfsmanagement

vom

Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland bereitet vielen Menschen Sorgen. Das Wolfsmanagement soll das Zusammenleben mit den Tieren regeln.

Kiel/Flintbek | Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat sich mit Schafhaltern, Naturschützern und Jägern auf den künftigen Umgang mit Wölfen verständigt. Sie beschlossen bei einem Runden Tisch neue Regeln für Entschädigungen und für das Verhalten gegenüber verletzten Wölfen.

Der Wolf ist 150 Jahre nach seiner Ausrottung nach Deutschland zurückgekehrt. In Schleswig-Holstein wurden seit 2007 in 29 Fällen Wölfe nachgewiesen. Dauerhaft hat sich hier bisher noch kein Wolf niedergelassen.

Neun Mal stand außer Zweifel, dass ein Wolf ein oder mehrere Tiere gerissen hat. In 22 Fällen konnte das nicht sicher ausgeschlossen werden.

Was soll sich ändern?

Entschädigungszahlungen

Ein Schwerpunkt war die Frage von Entschädigungszahlungen, die bislang aufgrund des EU-Wettbewerbsrechts (Deminimis-Beihilfen) auf maximal 15.000 Euro pro Betrieb innerhalb von drei Jahren begrenzt sind. Diese Höhe wurde in jüngster Vergangenheit überschritten beziehungsweise nahezu erreicht. Um für solche Fälle gewappnet zu sein, wird das Ministerium hier eine Aufhebung der Grenze beantragen und dafür bei der EU die Förderrichtlinie notifizieren lassen. „Das heißt auch, dass bestimmte Kosten, wie Tierarztkosten nach einem Wolfsübergriffe, nur noch 80 Prozent durch das Land ersetzt werden können. Aber alles in allem ist es aus Sicht der Beteiligten beim Runden Tisch dennoch die bessere Lösung“, sagte Habeck.

Die Schäden berechnen sich künftig nach einem von allen Seiten akzeptierten Kalkulationsverfahren. Zudem werden bestimmte Mitwirkungspflichten der Tierhalter und Tierhalterinnen festgelegt. So müssen sie Fälle von potentiellen Wolfsrissen spätestens am Tag nach dem Vorfall melden oder dürfen getötete Tiere beispielsweise nicht bewegen, bevor ein Wolfsbetreuer sie untersuchen konnte. „Nach jedem Riss müssen wir die Bisspuren untersuchen und Proben nehmen. Nur dann lässt sich herausfinden, ob ein Wolf angegriffen hat oder ein anderes Tier“, sagte der Koordinator der Wolfsbetreuer, Jens Matzen. 

Umgang mit verletzten Wölfen nach Unfällen

Intensiv diskutiert wurde, wie mit Wölfen umzugehen ist, die bei Unfällen verletzt werden und unter welchen Rahmenbedingungen eine Nottötung möglich ist, um die Tiere aus Gründen des Tierschutzes von ihren Leiden zu erlösen. Dies ist insbesondere deshalb anspruchsvoll, weil Wölfe nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem EU-Recht streng geschützte Tiere sind und grundsätzlich ein Tötungsverbot gilt.

Der Runde Tisch hat nun gemeinsam mit den Veterinärbehörden des Landes und der schleswig-holsteinischen Tierärztekammer einen rechtsicheren Weg für eine Nottötung abgestimmt. So sollen die Polizei und Tierärzte eine vorweggenommene Ausnahmegenehmigung erhalten, um dann einen Wolf von seinen Leiden zu erlösen, wenn er so schwer verletzt ist, dass er sich nicht mehr von der Unfallstelle entfernen kann. Ein Tierarzt muss nicht zwangsläufig vor Ort sein.

Mehr Wolfsbetreuer

Die Zahl der sogenannten Wolfsbetreuer steigt von 40 auf 70.

Bereits 2015 hatte das Land das Wolfsmanagement neu strukturiert und beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) angesiedelt und die Rolle des Koordinators der Wolfsbetreuer fest etabliert.

„Wir haben das Management behördlich verankert, um es zu stärken. Aber die Arbeit der ehrenamtlichen Wolfsbetreuer ist unentbehrlich. Ihr hohes Engagement und ihre Fachkunde sind gefragt. Es ist wertvoll, dass nun noch mehr Wolfsbetreuer uns unterstützen“, sagte Habeck. Zudem werden seit 2016 erstmals spezielle Haushaltsmittel in Höhe von 100.000 Euro in den Haushalt des zuständigen Umweltministeriums eingestellt – zuvor waren anfallende Ausgaben jeweils aus dem laufenden Haushalt des Naturschutzes finanziert worden.

Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

Es wurden im Rahmen der Runde-Tisch-Gespräche Empfehlungen für den Fall von Wolfsbegegnungen erarbeitet. Es wurde festgelegt, dass Wölfe unter keinen Umständen gefüttert werden dürfen, da an Menschen gewöhnte Wölfe in der Folge aufdringlich oder aggressiv einfordern könnten. Um solchen Entwicklungen entgegenwirken zu können, wurden entsprechende Fütterungen im Rahmen der Regelungen des Landesnaturschutzgesetzes auch rechtlich untersagt. Die Regeln sollen in einem Flyer veröffentlicht werden.

 

Habeck zeigte sich am Freitag sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Auf dem Speiseplan vom Wolf stehen vor allem Rehe, Hirsche und Wildschweine. Ein gesunder Wolf greift niemals einen Menschen an, denn der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum, heißt es. Die Gefahr, von einem Wildschwein attackiert zu werden, sei erheblich größer als ein Angriff eines Wolfes, sagen viele Experten. Es gebe bislang keine Belege, dass sich Wölfe aggressiv gegen Menschen verhalten haben. Es gibt viele Länder, wo Wolf, Mensch und Nutztiere seit Jahrhunderten zusammen leben, etwa in Italien und Spanien.

Der Vizepräsident des Landesjagdverbandes, Andreas-Peter Ehlers, ist jedoch skeptisch. Die Aussagen vom zurückgezogen lebenden und äußerst scheuen Wolf seien Erkenntnisse, die vor 150 Jahren gewonnen wurden. „Der heutige Wolf hat keine natürlichen Feinde mehr“, sagte Ehlers. „Demzufolge hat er sein Verhalten geändert. Er versteckt sich heute nicht mehr.“

Daher sei es letztendlich unerheblich, ob einzelne Tiere auf  Truppenübungsplätzen auch noch gefüttert werden. „Der Wolf heute ist nicht mehr das scheue Tier. Er tritt immer wieder in Erscheinung.“ Und das könne gefährlich werden, sagte der Jäger. Man kenne es unter anderem von Hunden: Wenn die sich in die Enge getrieben fühlen, werden sie aggressiv. „Diese Situation möchte ich nicht erleben, wenn sie beim Wolf auftritt.“

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erstellt am 12.Aug.2016 | 13:24 Uhr

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