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Schleswig-Holstein

30. Juni 2016 | 19:45 Uhr

Niederschlag : Regen ohne Ende: Schleswig-Holstein säuft ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verdichtete Böden und Entwässerungsprobleme: Schleswig-Holstein kann selbst normale Niederschlagsmengen kaum noch verkraften.

Sein täglicher Weg zwischen Burg in Dithmarschen nach Westerrönfeld bei Rendsburg führt über die Haaler Au. „Das ist kein Fluss mehr, sondern ich fahre  durch die reinste Seenlandschaft“, sagt Mathias Rohde, Geschäftsführer des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holstein

So wie entlang der Haaler Au sieht es derzeit in weiten Teilen des Landes aus: Äcker und Wiesen stehen unter Wasser. „Vor allem an der Westküste ist es kritisch“, sagt Kirsten Hess, Sprecherin des Bauernverbandes. Wenn dies so weitergehe, könnten die Felder nicht mehr beackert werden. Agrarpflanzen drohen zu ersticken.

„Die ersten Tage des Februars waren vergleichsweise niederschlagsreich“, sagt dazu Nicola Kabel, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. So seien  an der Niederschlagsstation  des Deutschen Wetterdienstes  in Haale im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den ersten Februartagen 64,6 Millimeter registriert worden. Der langjährige Mittelwert für den Februar liegt für diese Station bei 59 Millimeter.

In Kellinghusen sind Straßen und Felder überflutet - die Stör ist nach Dauerregen übergetreten.

In Kellinghusen sind Straßen und Felder überflutet - die Stör ist nach Dauerregen übergetreten.

Foto: Daniel Friederichs
 

„Aber wir haben auch keine richtigen Winter mehr“, sagt dazu Jörg Daniel, Verbandsbaumeister im Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen. Der Niederschlag sei nicht in Form von Eis und Schnee gebunden. „Die Böden sind  wassergesättigt. Jeder Tropfen bleibt auf der Oberfläche liegen oder fließt in die Gräben.“

Der Wissenschaftler Rainer Horn, Professor für Bodenkunde an der Uni Kiel, macht die „nicht standortangepasste Bodenbewirtschaftung“ verantwortlich. Zu schwere Maschinen in der Landwirtschaft verdichteten die Böden, die dann kaum noch Wasser durchlassen. Dem aber widerspricht Kirsten Hess. Seit Langem seien Raupenfahrzeuge und Maschinen mit weniger Reifendruck im Einsatz. Zudem werde die Ernte immer öfter mittels kleiner Pendelfahrzeuge übers Feld zu den an der Straße wartenden Transportern gefahren. Horn kontert: „Gerade Raupenfahrzeuge zerstören durch Schlupf die Bodenfunktion –  das Wasser bleibt an der Oberfläche stehen, weil es nicht versickern kann.“   

Zumindest müssten Bauern stärker Gräben ausheben dürfen, damit  das Wasser  besser abfließt, so Horn. Laut Hess bestehe hier in der Tat „ein Zielkonflikt zur EU-Wasserrahmenrichtlinie“, wonach Gewässer schonend unterhalten werden müssen. 

Auch der Klimawandel fordert seinen Tribut. In Zukunft rechnen das Umweltministerium in Kiel und der Marschenverband  mit häufigeren Starkregenfällen bei gleichzeitigem Meeresspiegelanstieg. Die Entwässerung der Niederungsgebiete – ein Fünftel des Landes – wird damit noch schwieriger. Bereits 2014 wurde vom Verband daher die Expertise der Arbeitsgruppe „Niederungen 2050“ vorgelegt. Neben weiteren Schöpfwerken kommen dabei sogar Polder und Überschwemmungsflächen in Betracht, um den Druck des Wassers im Binnenland zu nehmen.

Aktuell indes ist im Norden keine Besserung in Sicht: Der Wetterdienst sagt für Donnerstag und Freitag Regen voraus. Freitag kann kurzzeitig sogar Schnee dabei sein. 

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erstellt am 11.02.2016 | 06:30 Uhr

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