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Schleswig-Holstein

29. August 2016 | 03:53 Uhr

Tourismus in Dänemark : "Rechte Politik hat deutsche Urlauber vergrault"

vom

Deutsche Urlauber kehren Dänemark den Rücken. Grund dafür sei neben den hohen Preisen auch der lange Einfluss der Rechtspopulisten auf die Politik, sagt ein dänischer Sozialdemokrat.

Tondern | Es seien nicht nur die hohen Preise, sondern auch der zehn Jahre lange Einfluss der Rechtspopulisten auf die dänische Regierungspolitik, die Dänemark bei deutschen Urlauben immer unbeliebter werden lässt. Das meint der Wortführer der Sozialdemokraten im dänischen Parlament, Benny Engelbrecht aus Sonderburg. Pia Kjaersgaard und ihre rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DVP) trügen die Schuld daran, dass die Deutschen Dänemark den Rücken kehrten. Entfielen im Jahr 2004 noch 32,9 Prozent aller Ausländer-Übernachtungen in Dänemark auf deutsche Gäste, waren es 2012 nur noch 28,3 Prozent.
Seinen Vorwurf äußerte der Abgeordnete auf einer Veranstaltung der Regionalzeitung "Jydske Vestkysten" in den Tondern-Hallen in Tondern. "Wir müssen uns auch darüber klar sein, dass unsere deutschen Nachbarn uns als Touristen den Rücken kehren, weil sie sich fragen: ,Wo zum Teufel ist die dänische Gastfreundschaft abgeblieben’" äußerte der Politiker dort.

"Die Symbolpolitik (...) hat die Deutschen vergrault"


Engelbrecht erinnerte daran, dass Dänemark bis zum Herbst 2011 eine rechtsliberal-konservative Regierung mit parlamentarischer Unterstützung der Dänischen Volkspartei hatte. "Die Symbolpolitik, die daraus entstanden ist, hat die Deutschen vergrault", sagt Engelbrecht - im Hinblick sowohl auf die rigide Ausländerpolitik als auch die kurzzeitige Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Sommer 2011.
Engelbrecht bekräftigte seine Einschätzung mit einem klaren "Ja", nachdem "Jydske-Vestkysten"-Chefredakteur Peter Orry nachgefragt hatte, ob seiner Ansicht nach die langjährige DVP-Vorsitzende Pia Kjaersgaard die Deutschen verschreckt hat. In einem darauf folgenden Interview mit der Zeitung verglich der Sozialdemokrat Dänemark unter der rechtsliberal-konservativen Regierung mit DVP-Tolerierung mit Österreich, als der mittlerweile verstorbene Jörg Haider mit seiner Partei FPÖ der dortigen Regierung angehörte.

"Schwer, dies wieder umzudrehen"


Er sei vielen Deutschen begegnet, die an der vor allem von der DVP an den Tag gelegten Rhetorik Anstoß genommen hätten, erklärte Engelbrecht. Der Parlamentarier meint: "Wenn die Leute sich bewusst entscheiden, nicht in Dänemark Ferien zu machen, ist es schwer, dies wieder umzudrehen." Das habe man auch vor Jahren gesehen, als viele französischen Wein aus Protest gegen Atomversuche des Landes boykottiert hätten. "Schließlich handelt es sich typischerweise um Leute, die sich genaue Gedanken über ihre persönlichen Wertvorstellungen gemacht haben. Nicht gerade selten sind es Menschen, die auch ein hohes Einkommen haben - also genau die Touristen, die wir in Dänemark besonders gerne haben wollen."
Nach Einschätzung Engelbrechts wurde in seinem Heimatland vor allem die Wirkung der Grenzkontrollen unterschätzt. "Damit hat sich Dänemark in der deutschen Presse völlig lächerlich gemacht. Es war nicht nur eine Frage der tatsächlichen Politik, sondern in hohem Grad der hasserfüllte und feindliche Tonfall, der aufgefallen ist." Auf die Frage, warum die Zahl deutscher Urlauber seit dem Wechsel zur jetzigen Mitte-Links-Regierung im Herbst 2011 nicht gestiegen ist, sagte der Sonderburger: "Es hat zehn Jahre gedauert, Dänemarks guten Ruf zu ruinieren. Deshalb wird auch der Wiederaufbau ein langer Kampf sein."

"Allergrößter Schwachsinn"


Pia Kjaersgaard nennt Engelbrechts Vorwurf "den allergrößten Schwachsinn". Zahlreiche deutsche Durchschnittsbürger hätten seinerzeit Verständnis für die Grenzkontrollen ausgedrückt. Die Sozialdemokraten befänden sich vielleicht auf Augenhöhe mit der EU und dem deutschen Bundestag, aber nicht mit dem normalen Wähler. Sie hält die hohen Preise und den höheren Mehrwertsteuersatz in Dänemark für die Gründe, die die Deutschen wegbleiben lässt.
Der langjährige Chefredakteur des "Nordschleswiger", Tageszeitung der deutschen Minderheit in Dänmark, Siegfried Matlok, meint ebenfalls: "Das Preisniveau und das sehr viel größer gewordene touristische Angebot in Deutschland sind die Ursachen für den großen Rückgang deutscher Touristen in Dänemark." Er verweist darauf, dass heute etwa 60 Prozent der Bundesbürger im Inland Urlaub machen. Matlok glaubt nicht an einen Einfluss dänischer Politik auf deutsches Urlaubsverhalten - und wenn doch, dann gebe es Schlimmeres als Schlagbäume und Ausländergesetzgebung: "Wenn wir über Politik reden wollen, die uns einen schlechten Ruf beschert, ist es viel schlimmer mit der Hundegesetzgebung. Wir erhalten viele Protestschreiben, und viele Deutsche nennen Dänen Hundemörder."
Der Direktor des Branchenvereins der Ferienhausvermieter, Carlos Vilaro Larsen, meint: Die Mitgliederunternehmen des Branchenverbands hätten seit Anfang diesen Jahres so viel mit Beschwerden und Sorgen über die Hundegesetzgebung zu tun, dass der Aufwand dafür sieben Vollzeitstellen entspreche. "Und das, weil die Bestimmungen auf eine Art formuliert sind, dass sie Verunsicherung schaffen."
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erstellt am 07.Mai.2013 | 09:23 Uhr

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