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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Schädlinge in SH : Ratten werden zur Plage im Land

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Kieler Rathaus ordnete bereits „Notstandsmaßnahmen“ an. Kammerjäger kritisieren Sparmaßnahmen der Kommunen.

Kiel | Ein Überangebot an weggeworfenen Lebensmitteln verwandelt unsere Städte in ein Schlaraffenland für Ratten: In Lübeck bauen sie ihre Nester neuerdings im Holstentor. Das Kieler Rathaus ordnete bereits „Notstandsmaßnahmen“ an, und in Glückstadt wurden jetzt alle Haushalte per Brief aufgefordert, Rattenbestände umgehend zu melden. „Die Ratten vermehren sich rasant“, klagt der dortige Bauamtsleiter Lüder Busch.

Weil in Innenstädten immer mehr Fast-Food-Reste herumliegen, Bürger Essensreste in der Toilette entsorgen und Komposthaufen falsch beschickt werden, finden die Nager zunehmend bessere Lebensbedingungen vor, erklärt Armin Leyendecker, Chef des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes (DSV). „Das Tier lebt in der Kulturfolge der Menschen“, und der Mensch mache so viele Fehler, dass die Ratte einen reich gedeckten Tisch vorfinde. „Hier fliegt ein halbes Butterbrot aus dem Auto, dort landet ein angekauter Döner neben dem Mülleimer“.

Schuld seien auch Städte und Kommunen, die sich nicht mehr ausreichend um die Freihaltung der Kanalisation kümmerten, klagt Stefan Schöneck, Kammerjäger und Verbandsvorstand aus Lübeck. „Das ist ein hausgemachtes Problem.“ Weil Kämmerer überall kräftig sparen, werde es „noch ein böses Erwachen geben“, fürchtet er. Schon jetzt berichteten Fußgänger und Fahrradfahrer immer häufiger von unliebsamen Zusammenstößen mit den Tieren, die das Kanalisationssystem als Schnellstraße zur nächsten Futterstelle nutzen und plötzlich aus den Gullis kommen. „Wegen des Sparzwanges haben die meisten Kommunen die früher obligatorischen Rattenbekämpfungsaktionen eingestellt und verzichten heute auf die Hilfe von Fachleuten“, so Schöneck.

Hinzu komme die Verunsicherung der Bevölkerung durch das Verbot, selbst Köder auszulegen. „Das Verbot besteht zwar, aber niemand kontrolliert es, und in jedem Baumarkt und im Internet gibt es ein großes Angebot von Ködern schon ab zehn Euro“, so Schöneck. Offiziell müssen Betroffene, denen beim Grillen die Ratten über die Füße laufen, heute einen Fachmann bestellen, der den Tieren den Garaus macht, so fordert es der Gesetzgeber seit 2012.

Städte in Wasserlage – von denen es im Norden naturbedingt zahlreiche gibt – sind besonders betroffen. Hier kommt es laut Leyendecker häufig zu illegalen Tierfütterungen. Gerade dort, wo Enten, Schwäne oder Möwen gefüttert werden, bleiben häufig Nahrungsreste übrig, die die Nager anziehen. Zudem sind die gelben Säcke für sie im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 18:40 Uhr

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