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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 08:51 Uhr

Kiel : „Qualität geht vor Beitragsfreiheit“: Bündnis fordert mehr Geld für Kitas

vom
Aus der Onlineredaktion

Man sehe akuten Handlungsbedarf: Viele Kitas hätten schon Gruppen schließen müssen.

Kiel | Mangel an Fachpersonal macht vielen Kindergärten und Krippen in Schleswig-Holstein zu schaffen. Deshalb verlangen Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften sowie Eltern- und Kirchenvertreter mehr Geld und Fachkräfte für die Kitas. „Wir sehen akuten Handlungsbedarf“, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses „Unsere Kinder - unsere Zukunft“, Markus Potten, am Donnerstag in Kiel.

Das Bündnis sieht sich in seinen Forderungen von einer Studie bestätigt, in der Angaben von mehr als 700 freien, nicht kommunalen Kitas ausgewertet wurden. Demnach sind in jeder fünften Kita nicht alle Fachkräfte-Stellen besetzt. Die regionalen Unterschiede sind groß: Die Kitas in Flensburg meldeten eine 100-Prozent-Besetzung, während Pinneberg nur auf 57 Prozent kommt. 44 Prozent der an der Studien beteiligten Kitas im Land gaben an, sie könnten nicht auf Vertretungskräfte zurückgreifen. Fachkräfte fallen durchschnittlich an 17 Tagen wegen Krankheit aus. Experten setzen 13 Tage als normal an.

Der Studie zufolge haben 23 Prozent der Kitas aus Personalnot schon einmal Gruppen geschlossen; fast 75 Prozent hätten das eigentlich tun müssen, schlugen sich aber mit Notplänen durch. „Wie lange können die Kitas das noch durchhalten?“, fragte Potten. Das von Experten empfohlene Verhältnis zwischen Fachkräften und Kindern werde im Norden deutlich verfehlt, sagte Studienautorin Petra Strehmel von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Hamburg). Sie sieht Schleswig-Holstein bei der Personalausstattung der Kitas in Deutschland im Mittelfeld.

Die Qualität in den Kitas sei trotz des hohen Einsatzes der Mitarbeiter gesunken, sagte der Landesvorstandschef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Günter Ernst-Basten. „Wir brauchen eine grundlegende Reform der Kita-Finanzierung im Land.“ Ernst-Basten plädierte angesichts des anhaltenden politischen Streits für einen „Kita-Frieden“.

Er setzte sich wie Potten im Gegensatz zum Koalitionskurs dafür ein, erst die Qualität zu verbessern und dann die Entlastung der Eltern anzuvisieren. „Qualität geht vor Beitragsfreiheit“, sagte Ernst-Basten. Letztere müsse aber ein Ziel sein. Den Einstieg macht die Koalition mit einem von der Opposition scharf kritisierten einkommensunabhängigen 100-Euro-Zuschuss, den Eltern von Krippenkindern ab 2017 monatlich bekommen.

Das Aktionsbündnis fordert ein geschlossenes Finanzierungskonzept für die Kitas, die bisher chronisch unterfinanziert seien. Es müsse festgelegt werden, wer sich in welcher Höhe an der Finanzierung beteiligt. Über einen Masterplan soll das Land dies verbindlich steuern.

„Die Neuordnung der Kita-Finanzierung ist mir seit Längerem ein wichtiges politisches Anliegen“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Dazu gebe es konstruktive Gespräche mit den kommunalen Spitzenverbänden. „Ziel sind mehr Transparenz und eine klare Lastenteilung zwischen Land und Kommunen“, sagte Alheit. „Wir bleiben beim Dreiklang: Qualität verbessern, Eltern entlasten, Finanzierung langfristig sichern.“ Die Landesregierung stelle bereits erheblich mehr Mittel zur Qualitätssicherung bereit und engagiere sich wie keine andere zuvor bei der Stärkung des Kita-Sektors. „Wir haben auch die Ausbildung von Fachpersonal erheblich ausgeweitet.“ Eine Offensive für den Erzieher- und Erzieherinnenberuf zur Gewinnung von mehr Fachkräften kündigte SPD-Fraktionsvize Serpil Midyatli an.

Die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann forderte die Koalition aus SPD, Grünen und SSW zum Kurswechsel und zu wirkungsvollen Maßnahmen auf. Die Studie zeige, wie dramatisch die Situation tatsächlich sei. „Wenn Erzieher und Mitarbeiter mehrheitlich erklären, dass sie ihren Auftrag nicht mehr erfüllen können, ist das ein deutliches Alarmsignal, das auch SPD, Grüne und SSW nicht länger ignorieren können.“

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erstellt am 20.Okt.2016 | 15:04 Uhr

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