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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

Schleswig-Holstein : Professionelle Diebe machen Jagd auf Schafe in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Schaf-Diebstähle nimmt zu. Es gibt die Vermutung, dass die Tiere noch in SH geschlachtet werden.

Oldenburg | Sie schlagen meist zu, ohne dass jemand etwas mitbekommt. In den vergangenen Wochen hat die Zahl der Schafdiebstähle in Schleswig-Holstein erneut zugenommen. „Und mir ist nicht bekannt, dass je ein einziges Tier wieder aufgetaucht wäre“, sagt Karl-Henning Hinz, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter. „Ich vermute, dass die Tiere irgendwo in Schleswig-Holstein geschlachtet werden.“

Gut möglich, dass auch die fünf Weißkopfschafe, die Unbekannte bei Oldenburg im Kreis Ostholstein von einer Weide im Naturschutzgebiet Oldenburger Bruch gestohlen haben, tot sind. Die Mutterschafe seien zwischen dem 18. und dem 21. November verschwunden, teilte die Polizei gestern mit. Alle Tiere tragen gelbe Ohrmarken. Es ist bereits der zweite Fall von Schafdiebstahl im Kreis Ostholstein innerhalb weniger Tage. Zwischen dem 17. und dem 19. November wurde im rund 25 Kilometer entfernten Süsel ein Lamm von einer abgelegenen Schafweide gestohlen. Das Tier wurde nach Polizeiangaben eingefangen, auf der Weide getötet und fachgerecht enthäutet.

Karl-Dieter Fischer (re.) im Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Karl-Henning Hinz und seiner Frau Inga.
Karl-Dieter Fischer (re.) im Gespräch mit dem Landesvorsitzenden Karl-Henning Hinz und seiner Frau Inga. Foto: ume
 

Für einen Zusammenhang beider Taten gebe es bislang keine Anhaltpunkte, so die Polizei. Doch es sind keine Einzelfälle, bereits Ende September fanden Polizisten in Pinneberg an Altkleidercontainern vier geschächtete Schafe in blauen Plastiksäcken. „Gerade Hobbyzüchter können ihre Tiere nicht schützen. Im Herbst wird meist zugefüttert, die Tiere sind eimer-zahm“, sagt Karl-Henning Hinz. „Meist werden die in einer Größenordnung gestohlen, die auf einen Anhänger passt.“

So auch im Kreis Nordfriesland, wo in Wittbek bei Husum am frühen Morgen des 12. November gleich 15 Tiere von der Weide in der Nähe der Nachbarortschaft Ostenfeld entwendet wurden. Ende September und Mitte Oktober stahlen Unbekannte mehrere Schafe in Delve (Kreis Dithmarschen). Anfang Oktober verschwanden mehrere Tiere aus Brunsbüttel. „Da scheinen Profis am Werk zu sein“, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes, Janine Bruser.

Der Schaden für die Halter sei enorm, sagt Hinz. Schlachtreife Lämmer, auf die es die Täter meist abgesehen hätten, kosteten mindestens 100 Euro pro Stück, Zuchtschafe noch mehr. „Und nicht alle Schäfer sind versichert“, sagt Stefan Voell, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände. Bislang seien ihm aber keine erhöhten Zahlen von Diebstählen aus anderen Bundesländern bekannt.

Die Polizei tappt bei der Suche nach den Tätern völlig im Dunkeln. „Ich möchte nicht Fahrräder und Schafe vergleichen, aber beide tauchen nur ganz selten wieder auf“, sagt etwa die für Steinburg und Dithmarschen zuständige Polizeisprecherin Merle Neufeld. Wie ihre Kollegen aus Flensburg und Lübeck will sie keine Mutmaßungen anstellen, wo die Tiere abbleiben. Sie seien auf Zeugenhinweise angewiesen.

Theoretisch sei es auch möglich, die Ohrmarken der Tiere zu entfernen, sagt Karl-Henning Hinz. Doch dass die Tiere in fremde Herden integriert werden, hält er kaum für möglich. „Jeder Schäfer kennzeichnet seine Schafe und erkennt jedes einzelne Tier wieder – auch ohne Marke.“

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erstellt am 29.Nov.2016 | 09:54 Uhr

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