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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 11:09 Uhr

Telefon-Abzocke : Polizei in SH warnt vor neuem Betrüger-Trick

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landeskriminalamt registrierte 2016 schon 80 Fälle. Die Tricks werden immer raffinierter.

Kiel | Sie sitzen meist im Ausland und durchforsten deutsche Telefonbücher nach älteren Namen, die mit Anschrift verzeichnet sind. Dort rufen sie dann an und geben sich als Polizisten oder Staatsanwälte aus. Das Kieler Landeskriminalamt (LKA) hat allein für das vergangene halbe Jahr rund 80 Versuche registriert, Senioren mit einem neuen Trick zu betrügen, der Ermittler-Masche. „Glücklicherweise ist das nur in wenigen Fällen gelungen, trotzdem beträgt der Schaden mehrere hunderttausend Euro“, sagt LKA-Sprecher Uwe Keller. „Und das Dunkelfeld dürfte sehr viel höher sein.“

Und so funktioniert der Betrug

Akzentfrei stellt sich ein Anrufer als Beamter vor, berichtet von Einbrüchen in der Umgebung – und von einem festgenommen Täter, bei dem man Zettel mit Namen und Adressen (auch der Angerufenen) gefunden habe. Man mache sich Sorgen und fragt deshalb nach Vermögenswerten. Keller: „In der Mehrheit sollen ältere Frauen überzeugt werden, ihr Geld von Konten, aus Bankschließfächern oder aus Tresoren zu holen und den vermeintlichen Polizisten zu übergeben, die es angeblich sicher verwahren.“

In einer Variation der Masche wird erklärt, das Geld sei auf der Bank nicht mehr sicher. Ist es abgehoben, erfragen die falschen Polizisten einige Nummern von Banknoten. „Darauf folgt die Behauptung, es handele sich um Falschgeld, das die Polizei abholen müsse“, erklärt der LKA-Sprecher. Und warnt: „Die Täter bedienen sich modernster Telekommunikationsmittel, die es ermöglichen, jede beliebige Rufnummer im Display der Geschädigten erscheinen zu lassen. Auch die der zuständigen Kriminalpolizei.“ Die Anbahnung des Betrugs kann sich nach Erfahrung der echten Ermittler zum Teil über Tage hinziehen. Nicht selten werde den Geschädigten glaubhaft gemacht, konspirativ an der Arbeit der Polizei mitzuwirken. „Sie erschleichen sich das Vertrauen der Geschädigten, stellen sogar Fangprämien in Aussicht.“ Besonders perfide: Haben die falschen Ermittler erst einmal Zutritt zu den Wohnungen ihrer Opfer, versuchen sie als Fortsetzung der dreisten Lügengeschichten auch weitere Wertgegenstände zu stehlen. Keller: „Wir arbeiten mit Hochdruck und eng vernetzt an der Ermittlung der Täter, doch da es hochprofessionell agierende Gruppen sind, ist das schwierig.“

Die Tipps der Polizei

Den Vornamen im Telefonbuch abkürzen und die Adresse streichen lassen. Bei Anrufen vermeintlicher Polizisten Namen und Dienststelle notieren und unter 110 den Grund des Anrufs hinterfragen. Nie Angaben über Vermögenswerte machen. Und: Einen Betrug immer anzeigen. Keller: „Falsche Scham spielt den Tätern in die Tasche.“

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erstellt am 12.Aug.2016 | 20:00 Uhr

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