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Vogelgrippe : Wut über Keulungen: Habeck bekommt tote Vögel nach Hause geschickt

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Tausende Vögel werden wegen der Vogelgrippe getötet. Die Wut darüber trifft den Umweltminister – und dessen Familie.

Kiel  | Umweltminister Robert Habeck (Grüne) erreichen aggressive Protestaktionen von Gegnern der Geflügelkeulung.  „Ich erhalte Briefe, in denen die Keulung infizierter Bestände mit dem Holocaust verglichen wird“, sagt er. Außerdem leide inzwischen auch seine Familie unter den Protesten. „Uns wurden Tierkadaver nach Hause geschickt.“ Er betonte erneut, dass in alle Richtungen ermittelt werde, wie das gefährliche Virus sich im Bundesland verbreitet habe. „Alternative Fakten helfen uns dabei nicht weiter.“

Zuletzt war ein Hof im Kreis Steinburg von der Vogelgrippe betroffen. Obwohl 18.400 Tiere getötet worden sind, breitet sich die Geflügelpest auf dem Putenbetrieb weiter aus. Im Kreis wurde Katastrophenalarm ausgelöst.

 

Der Minister hat Geflügelhaltern eine Entschädigung von bis zu 15.000 Euro pro Betrieb in Aussicht gestellt. Das gilt für die Betriebe, die wegen der Vogelgrippe und der damit verbundenen Stallpflicht ihre Eier nicht mehr als Freilandeier vermarkten können. Das könne bis zu 56 Betriebe im Norden betreffen.

Vogelgrippe in SH – Fragen und Antworten

Im Kreis Steinburg war die Geflügelpest nicht bei einem Wildvogel, sondern in einem Geflügelbetrieb festgestellt worden.

Im Kreis Steinburg war die Geflügelpest nicht bei einem Wildvogel, sondern in einem Geflügelbetrieb festgestellt worden.

Foto: dpa
 
Ist die Vogelgrippe für den Menschen gefährlich?

Das hängt vom Erreger ab. Zudem hatten die meisten der an Influenza erkrankten Menschen engen Kontakt zu krankem oder verendetem Geflügel. Mediziner gehen davon aus, dass Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen müssen, um sich zu infizieren.

Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation seit 2003 weltweit rund 850 Menschen, etwa 450 starben. Für den hochpathogenen Erreger H5N8 sind bislang weltweit keine Erkrankungsfälle bekannt. Augenmerk richten die Forscher auf H7N9. Als niedrigpathogene Variante bleibt er im Geflügel lange unauffällig, kann aber beim Menschen zu Erkrankungen und Todesfällen führen. Seit 2013 wurden weltweit knapp 800 erkrankte Menschen registriert, mehr als 300 starben an H7N9.

Kann ich jetzt noch Fleisch und Eier essen?

Bislang ist nach Angaben des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Ostsee-Insel Riems kein Fall bekannt, bei dem H5N8 auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch könne eine Empfänglichkeit des Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“.

Angst vor dem Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern muss der Verbraucher nicht haben. Das Virus ist hitzeempfindlich und hält Temperaturen von mindestens 70 Grad nicht stand. Durchgegartes Fleisch und hartgekochte Eier können also bedenkenlos genossen werden. Wer ganz sichergehen will, sollte auf Produkte mit rohen Eiern wie etwa Tiramisu vorerst verzichten.

Worin unterscheidet sich der jetzige Ausbruch von der Geflügelpest 2006?

Anfang 2006 war die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, schon einmal in aller Munde. Damals hatte sich der aus Asien stammende Erreger H5N1 rasant über Sibirien bis nach Deutschland ausgebreitet. Auch Schleswig-Holstein war 2006 betroffen. Im Kreis Ostholstein wurden damals zwei tote Enten gefunden, die mit einer Variante des Erregers infiziert waren. Auf der Insel Rügen, wo 2006 die ersten deutschen Fälle der Vogelgrippe auftauchen, wurde nach kurzer Zeit der Notstand ausgerufen. Dort wurden immer wieder infizierte Wildvögel gefunden. Auf der Insel wurden massenweise Nutzvögel vorsorglich getötet. Nachdem das Virus in einem sächsischen Mastbetrieb ausgebrochen war, werden auch dort Zehntausende Tiere gekeult. 

In Deutschland infiziert sich 2006 kein Mensch mit dem H5N1-Virus.

Ist die Vogelgrippe immer gleich gefährlich?

Nein. Es gibt niedrigpathogene (gering krankmachende) und hochpathogene (stark krankmachende) Varianten und verschiedene Subtypen. Gefährlich können die Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 werden. Geringpathogene Influenzaviren dieser beiden Subtypen verursachen bei Hausgeflügel kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren zu einer hochpathogenen Form der klassischen Geflügelpest (Vogelgrippe) mutieren. Die Krankheit ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Aktuell haben wir es in Deutschland mit einem hochansteckenden Erreger zu tun.

Wie kann die Vogelgrippe nach Deutschland kommen?

Wildlebende Wasservögel sind das natürliche Reservoir für die niedrigpathogenen Vogelgrippe-Erreger. Es ist davon auszugehen, dass Zugvögel das Virus großflächig verbreiten. Der aktuelle Ausbruch steht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, im Zusammenhang mit dem Vogelzug. Der Import von infiziertem Futter oder Eiern spielt demnach bei den aktuellen Fällen im Wildvogelbereich eher keine Rolle.

Bei jedem Ausbruch bei Nutzgeflügel werden laut FLI mögliche Eintragungsquellen wie Futter und Einstreu untersucht. Ist der Erreger in der Wildvogelpopulation vorhanden, kann er direkt und indirekt - etwa über den Kot infizierter Wildvögel - übertragen werden. Daher sollte Futter für Nutzgeflügel nicht frei gelagert werden. Wildvögel sollten keinen Zugang zum Trinkwasser von Nutzgeflügel haben und Menschen über Seuchenmatten Ställe betreten.

Kommt die Vogelgrippe häufiger in Deutschland vor als früher? 

Durch die verbesserte Diagnostik werden heute mehr Fälle bekannt. Nach Einschätzung des FLI hat die Zahl und Schwere der Ausbrüche seit den 1990er Jahren aber auch zugenommen. Eine Ursache könnte die Art der engen Tierhaltung in Südostasien sein.

Wie wird die Geflügelpest übertragen?

Die Geflügelpest ist ein für Hühner, Puten und andere Vogelarten hochansteckendes Virus. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tode führt“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Infizierte Vögel scheiden das Virus über die Atemwege sowie Sekrete und Exkrete aus. Daher breitet sich das Virus schnell aus, wenn ein infiziertes Tier eng mit anderen Tieren in Kontakt steht. Das ist zum Beispiel in der Stallhaltung aber auch beim Transport des Geflügels der Fall.  

Auch indirekt kann das Virus übertragen werden – beispielsweise über ungereinigte Kleidungsstücke, Fahrzeuge, Transportkisten, Mist und Futter.

Wie kann man sich vor dem Virus schützen?

Es wird dringend dazu geraten, Vogelkadaver nicht mit den bloßen Händen zu berühren. In betroffenen Gebieten sollte zudem der direkte Kontakt zu Wildvögeln, etwa zur Fütterung, gemieden werden. Tote Tiere sollten den örtlichen Behörden gemeldet werden.

Betroffenen Tieren sollte sich nur in entsprechender Schutzkleidung genähert werden. Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt zudem Menschen, die in Kontakt zur Geflügelzucht stehen, eine Influenza-Schutzimpfung.

Woran erkennt man infizierte Tiere?

Die Symptome des H5N8-Erregers können vielfältig und von Art zu Art unterschiedlich sein. Bei Hühnervögeln ist auf ein stumpfes, gesträubtes Federkleid zu achten, auch voranschreitende Teilnahmslosigkeit der Tiere ist ein Indiz auf eine Infektion mit dem Virus. Verweigerung von Futter und Wasser sowie Fieber, Atemnot, Niesen, Durchfall und Ausfluss aus Augen und Schnabel deuten ebenfalls auf eine Infektion des Tieres hin. Schließlich sind auch zentralnervöse Auffälligkeiten wie Gleichgewichtsstörungen oder eine ungewöhnliche Kopfhaltung bei den Tieren Anzeichen für die Erkrankung. Bei Enten und Gänsen können sich ähnliche Symptome zeigen, sie erkranken jedoch häufig weniger schwer. Hier führt die Krankheit nicht immer zum Tod des Tieres.

Welche Maßnahmen haben die Kreise erlassen?

In Schleswig-Holstein gilt ein Aufstallungsgebot, Geflügel muss in Ställen untergebracht werden. Nach einem Vogelgrippe-Fund werden rund um den Fundort Sperrzonen (drei Kilometer Umkreis) und Beobachtungsgebiete (zehn Kilometer Umkreis) eingerichtet. In diesen Gebiete darf kein Fleisch und kein Geflügelmist transportiert werden, außerdem dürfen Katze und Hunde nicht frei herumlaufen.

 
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erstellt am 27.Jan.2017 | 13:32 Uhr

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