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Politik

27. September 2016 | 02:10 Uhr

Alternative Energien : Windräder: Schluss mit dem Dauer-Rotlicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verkehrsminister Dobrindt lenkt ein: Windräder müssen nachts nicht mehr ständig blinken – sondern nur noch dann, wenn sich ein Flugzeug nähert.

Kiel/Berlin | Für viele Anwohner in der Nähe von Windparks sind sie ein Ärgernis: Rote Dauerblinklichter oben auf den Türmen warnen nachts Flugzeugpiloten vor Anlagen, die 100 Meter oder höher in den Himmel ragen. Doch nun dürfte der Ärger über das ständige Blinken bald ein Ende haben: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will künftig „intelligente“ Warnlichter erlauben, die nur noch dann aufblitzen, wenn sich tatsächlich mal ein Flugzeug nähert. Entsprechende Pläne für eine „bedarfsgerechte Befeuerung von Windkraftanlagen“ seien „kurz vor dem Abschluss“, schreibt Dobrindts Staatssekretärin Katherina Reiche an den nordfriesischen CDU-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing.

Liebing hat für die neue Regelung lange gekämpft – sieht er in ihr doch einen „entscheidenden Fortschritt“ für die Energiewende. Denn nun, so hofft er, werden „Bedenken und Widerstände in der Bevölkerung“ gegen höhere Anlagen „hinfällig“. Auch der grüne Kieler Energieminister Robert Habeck begrüßt die Pläne aus Berlin: „Der Bau hoher Windräder dürfte so erleichtert werden“, sagt seine Sprecherin. Nicht zuletzt das „Repowering“, also das Ersetzen kleiner Anlagen durch größere, könnte einen Schub erhalten. Am Ende würde im Land effektiver Strom produziert: „Jeder Meter in die Höhe bringt ein Prozent mehr Energie-Ertrag“, rechnet Liebing vor. Ein 130 Meter hohes Windrad erzeugt also 30 Prozent mehr Strom als ein 100 Meter hohes.

Dennoch haben viele Gemeinden in Schleswig-Holstein auf Druck der Bürger nur Windräder bis 99,9 Meter Höhe zugelassen. Denn für diese Anlagen ist im Gegensatz zu den höheren auch bisher kein Dauer-Rotlicht in der Nacht vorgeschrieben. Nicht zuletzt wegen dieser Selbstbeschränkung der Kommunen ist das nördlichste Bundesland noch das einzige, in dem die Windräder im Durchschnitt unter 100 Meter hoch sind – nämlich nur 85 Meter.

Mit den neuen, „intelligenten“ Blinklichtern soll sich das ändern. Die Leuchten funktionieren mithilfe eines Radars und sind inzwischen so ausgereift, dass Dobrindt die Sicherheitsbedenken seines Vorgängers Peter Ramsauer für ausgeräumt hält. Es gibt sogar schon ein Pilotprojekt in einem Windpark im nordfriesischen Langenhorn. Sobald das Radar dort ein Flugzeug im weiteren Umkreis der Windräder erfasst, schaltet es automatisch die Warnlichter ein. Auch bei einer Störung am Radar gehen die Leuchten an.

Nicht erlauben will Dobrindt dagegen die billigeren Erkennungssysteme, deren Sensoren auf die sogenannten Transponder an Bord von Flugzeugen reagieren. Da es keine Pflicht zum Einschalten oder Installieren von Transpondern gibt, sei diese Technik „aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen“, sagt ein Sprecher von Dobrindt: „Systeme zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung müssen unabhängig von der Ausstattung der Luftfahrzeuge arbeiten.“

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erstellt am 25.Apr.2014 | 18:19 Uhr

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