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Politik

24. August 2016 | 15:44 Uhr

Verdoppelte Ausgleichsflächen : Windkraft als Preistreiber für Agrarland

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Konkurrenz um Flächen in Schleswig-Holstein steigt. Ausgleichsflächen für Windräder erfordern mindestens 5000 Hektar.

Kiel | Die ohnehin schon massive Konkurrenz um Flächen in Schleswig-Holstein wird durch die vom Land beschlossene Verdopplung der Windkraftflächen verschärft. Nicht so sehr durch die Rotorenmasten selbst, die nicht viel Platz verbrauchen – wohl aber durch die Ausgleichsflächen für den Naturschutz, die dadurch geschaffen werden müssen. Sie belaufen sich auf 5000 bis 6000 Hektar. Das entspricht ungefähr 7000 Fußballfeldern. Zu dieser Aussage gelangt eine neue Studie des Instituts für Agrarökonomie der Universität Kiel im Auftrag der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein.

Die Autoren um Professor Uwe Latacz-Lohmann gelangen zu dem Ergebnis, dass sich dieser Windkraft-verursachte Flächenverbrauch als zusätzlicher Preistreiber auf den angespannten Bodenmarkt auswirken kann. Der durchschnittliche Kaufwert landwirtschaftlicher Flächen ist seit der Jahrtausendwende schon um über 220 Prozent gewachsen. Hauptursachen: die hohe Vergütung für den Anbau von Energie-Mais und ein Trend zum Boden als Spekulationsobjekt. In windenergie-intensiven Kreisen wie Nordfriesland, Dithmarschen, Ostholstein und Schleswig-Flensburg hält die Studie teils eine Preissteigerung um bis zu neun Prozent für möglich. Im Landesdurchschnitt erwarten die Forscher hingegen allenfalls ein Plus um ein Prozent. Um regionale Preisschübe abzufedern, legt die Studie nahe, die Ausgleichsflächen übers ganze Land zu verteilen. Derzeit finden sie meistens in dem Kreis statt, in dem eine neue Mühle aufgestellt wird.

Schon der Bedarf von 5000 bis 6000 Hektar Ausgleichsfläche an sich ist für Bauernverbands-Geschäftsführer Stephan Gersteuer „alarmierend“. Er moniert: „Tendenziell geht uns diese Fläche verloren.“ Auch wenn auf Teilen der Ausgleichsflächen eine extensive Beweidung mit Robustrindern oder Jungvieh möglich bleibe – „als produktive Fläche für die Milchviehhaltung gehen sie verloren.“ Bei den Bodenpreisen sieht Gersteuer den Durchschnitts-Bauern „schon jetzt am Limit. Alles, was noch dazukommt, stellt die Rentabilität in Frage.“ Überhaupt kritisiert er, „dass „ein horizontaler Ausgleich in der Fläche fällig wird – obwohl die Windkraft doch nur vertikal eingreift“.

Laut Umweltministerium können mehr als zwei Drittel der Kompensations-Flächen extensiv genutzt werden, vor allem als Grünland. Ein Anteil, durch den sich auch für Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski die 6000 Hektar relativieren. So lasse sich etwa der Schutz von Wiesenvögeln mit den Interessen von Bauern verbinden, so Nabu und Ministerium unisono. Andere Ausgleichsmaßnahmen sind Knicks, Teiche oder ein Anheben des Wasserstands. Das Land werde seine flexible Umsetzung der Ausgleichsregeln fortsetzen, insbesondere über Ökokonten, die Landwirte freiwillig einrichten. Die Studie bestätige die Auffassung des Ministeriums, „dass die naturschutzrechtliche Kompensation die Bodenpreissteigerungen nur marginal verursacht“.

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erstellt am 26.Nov.2014 | 12:43 Uhr

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