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Politik

27. September 2016 | 03:54 Uhr

Eskorte für israelisches U-Boot „Rahav“ : Warum Israel für einen Einsatz der Feuerwehr Quarnbek zahlt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Feuerwehr Quarnbek befreit eine israelische U-Boot-Eskorte aus dem Matsch – und der Bürgermeister schickt eine Rechnung an die Botschaft in Berlin.

Quarnbek | Auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Quarnbek bei Kiel ist es unter dem Tagesordnungspunkt „Einsatzberichte“ nur eine Meldung unter vielen: eine technische Hilfeleistung am Nord-Ostsee-Kanal. Ein Auto hatte sich festgefahren. Aber der Einsatz im Dezember schlug Wellen. In dem Wagen saßen zwei israelische Wachleute – bewaffnet und mit Diplomatenpässen ausgestattet. Und am vorläufigen Ende der Geschichte steht eine Zahlung von 1263,01 Euro der israelischen Botschaft in Berlin an die Gemeinde Quarnbek im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Das U-Boot „Rahav“ wurde in Kiel bei ThyssenKrupp Marine Systems gebaut.  Sie war bereits 2013 in Anwesenheit israelischer Militärs auf der Werft getauft worden.

Ende Dezember des vergangenen Jahres wurde bei Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel ein U-Boot für die israelische Marine fertiggestellt. Etwa 68 Meter lang, Name: „Rahav“. Um sicherzustellen, dass das zirka 400 Millionen Euro teure High-Tech-U-Boot auch sicher in Haifa ankommt, wurde es bei der Kanal-Passage von zwei Sicherheitskräften auf dem Landweg begleitet. Es waren „Wachleute in Norddeutschland zum Schutz unseres U-Boots“, wie es in einem Brief der israelischen Botschaft an Quarnbeks Bürgermeister Klaus Langer heißt.

Laut Langer waren die Sicherheitskräfte mit einem Ford Focus unterwegs: „Die hätten sich mal lieber ein geländegängiges Fahrzeug ausgesucht, aber sie wollten offenbar unerkannt bleiben“, berichtet der Bürgermeister auf Nachfrage des sh:z. Die falsche Fahrzeug-Wahl rächte sich: Mit dem Kleinwagen setzten sich die Israelis im norddeutschen Dezember-Schlamm fest.

Einer Passantin kamen die beiden Gestalten verdächtig vor. Sie alarmierte den Bürgermeister, dieser wiederum die Polizei. Laut Langer hätten sich die Festgefahrenen gegenüber den deutschen Beamten sofort als israelische Diplomaten ausgewiesen und darauf hingewiesen, dass sie Waffen tragen. Weder Diplomatenstatus noch Schusswaffen aber halfen bei der Lösung ihres akuten Problems.

Um den Karren wortwörtlich aus dem Dreck zu ziehen, mussten die Freiwillige Feuerwehr Quarnbek und ein Landwirt mit seinem Traktor anrücken. Sie befreiten das Auto. „Dann ein kurzer Händedruck und die waren wieder weg“, erzählt Langer. Nach Angaben des Bürgermeisters waren drei Feuerwehrleute mehrere Stunden im Einsatz. Die Gebührensatzung sieht 39 Euro pro Stunde und Mann vor. Hinzu kämen Kosten für Fahrzeuge. In der vergangenen Woche schickte der Bürgermeister – „Ich hatte bis dahin gehofft, dass sie sich mal melden“ – die Rechnung an die Israelische Botschaft in Berlin. Im Fernsehen erzählte Langer die schräge Geschichte.

Gestern brachte die Botschaft ihr Antwortschreiben auf den Weg, das unserer Zeitung vorliegt. Dort bedankt sich der Gesandte der Botschaft, Avraham Nir-Feldklein, bei „den Mitarbeitern der Feuerwehr ihres Ortes“ und verweist darauf, dass der Einsatz „mit den deutschen Behörden koordiniert und gesetzesgemäß war“. Und stellt klar: „Selbstverständlich bezahlen wir unsere Rechnungen.“ Etwas pikiert zeigt sich der Gesandte darüber, dass sich Langer ans Fernsehen gewandt habe, bevor die Rechnung in Berlin eingegangen war.

Quarnbeks Bürgermeister weist diese Kritik von sich: Das Fernsehen habe sich an ihn gewandt, nicht anders herum. Ansonsten ist für ihn die Sache „damit gegessen“: „Ich wollte ja nur, dass unser Einsatz bezahlt wird.“

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erstellt am 09.Mär.2016 | 08:41 Uhr

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