zur Navigation springen

Politik

09. Dezember 2016 | 22:24 Uhr

Sozialhilfe in Schleswig-Holstein : Viele Flüchtlinge in SH landen in Hartz IV

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

8600 Syrer in Schleswig-Holstein beziehen Sozialhilfe – nur 410 haben einen sozialversicherungspflichtigen Job.

Kiel | Mit der Flüchtlingswelle ist auch die Zahl der ausländischen Hartz-IV-Bezieher spürbar gestiegen. Ende April waren 1,54 Millionen Menschen mit ausländischem Pass auf Grundsicherungsleistungen der Jobcenter angewiesen – 12,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Damit stammte jeder vierte Hartz-IV-Bezieher aus dem Ausland.

Es ist klar, dass Flüchtlinge nicht sofort arbeiten können - allein, weil sie die Sprache nicht sprechen. Wichtig ist, dass sie überhaupt auf die Jobcenter zugehen, damit man ihnen dort helfen kann.

Die Zunahme ist laut BA vor allem auf die wachsende Zahl syrischer und eritreischer Flüchtlinge zurückzuführen. Während die Zahl der syrischen Hartz-IV-Bezieher binnen Jahresfrist um 195 Prozent auf mehr als 242.000 anstieg, wuchs die Zahl der von Jobcentern versorgten Eritreer um 229 Prozent auf 16.700. Zeitgleich ging die Zahl deutscher Hartz-IV-Bezieher zurückzuführen – um fast 240.000 oder 5,2 Prozent auf 4,36 Millionen.

Ein Trend, der sich auch im Norden bestätigt , wie die BA-Regionaldirektion Nord gestern in Kiel mitteilte. Demnach sank die Zahl der deutschen Hartz-IV-Bezieher in Schleswig-Holstein binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf jetzt 174.000, die Zahl leistungsberechtigter Ausländer stieg um 14 Prozent auf 41.000. Darunter ist die Gruppe der Syrer mit rund 8600 am stärksten vertreten. Sie legte um 183 Prozent auf 8599 zu. Zum Vergleich: 410 Syrer haben einen sozialversicherungspflichtigen Job.

Bundesweit spielt die Ost-Zuwanderung eine gewisse Rolle: Die Zahl der Hartz IV beziehenden Bulgaren wuchs binnen Jahresfrist um 35 Prozent auf mehr als 73.000, die der Rumänen um 36 Prozent auf gut 60.000 (Schleswig-Holstein: Bulgaren plus 58 Prozent, Rumänen plus 60 Prozent).

Gesunken ist dagegen auf Bundesebene die Zahl der russischen (minus 8,9) und der ukrainischen Sozialhilfebezieher (minus 10 Prozent). In Schleswig-Holstein nahm zudem die Zahl der arbeitslosen Türken um 16 Prozent ab, während die der Polen um fünf Prozent anstieg.

Die Bundesagentur sieht die stärkere Zunahme ausländischer Hartz-IV-Bezieher gelassen. „Es ist gut, dass sich anerkannte Flüchtling ohne Stelle umgehend bei den Jobcentern melden“, hatte erst in der Vorwoche das BA-Vorstandsmitglied Detlef Scheele betont. Dadurch sei man in der Lage, Flüchtlinge frühzeitig zu betreuen und mit Sprachkursen und beruflichen Fortbildungsprogrammen rasch auf das Arbeitsleben in Deutschland vorzubereiten.

Spannend bleibt die Finanzierungsfrage. Schon jetzt fließen aus den Pflichtbeiträgen der Arbeitnehmer Mittel im dreistelligen Millionenhöhe in die Betreuung der Jobsucher aus den Krisenländern, obwohl das eigentlich einen steuerfinanzierte Bundesaufgabe ist – an der sich also auch Beamte und Selbstständige beteiligen müssten, die nicht in die zur Arbeitslosenversicherung einzahlen. Bereits vor Monaten hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) von bis zu 460.000 zusätzlichen Leistungsempfängern in diesem Jahr aufgrund der Flüchtlingskrise gesprochen. Bis 2019 könnte diese Zahl auf eine Million ansteigen. Zum Vergleich: Derzeit erhalten 4,3 Millionen erwerbsfähige Menschen Hartz-IV. Bestätigen sich die Prognosen von Nahles, wäre das ein Anstieg von 25 Prozent innerhalb der nächsten vier Jahre.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Aug.2016 | 19:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen