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Politik

30. Juli 2016 | 13:05 Uhr

Kiel und Lübeck : Uniklinik kündigt 1000 Krankenschwestern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verträge des UKSH mit dem Roten Kreuz werden 2016 nicht verlängert. 770 Pflegekräfte und 220 Auszubildende sind betroffen. Die Vorsitzende der Schwesterschaft gibt jedoch nicht auf.

Es ist eine bittere Nachricht kurz vor Weihnachten für die Angestellten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK): 500 vollzeitbeschäftigte Pflegekräfte sollen ab 2016 nicht mehr für die DRK-Schwesternschaften im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) arbeiten. Das bestätigte gestern UKSH-Sprecher Oliver Grieve: „Wir wollen nicht mehr auf gestellte Arbeitskräfte des DRK angewiesen sein. Zum 31.12.2015 kündigen wir den Vertrag.“

Damit geht eine langjährige Tradition zu Ende. Seit mehr als 100 Jahren arbeiten Pflegekräfte der Rotkreuzschwestern in Kiel und Lübeck für das UKSH. Für sie kam die Entscheidung der Klinik völlig unerwartet. „Zwar wurden die Verträge in der Vergangenheit immer wieder neu geschlossen, aber jetzt hat der Vorstand signalisiert, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt“, sagte Oberin Maria Lüdeke, Vorsitzende der DRK-Heinrich-Schwesternschaft in Kiel.

Insgesamt seien 770 Fachkräfte und 220 Auszubildende betroffen. Das UKSH kündigte an, dass letztere ihre Ausbildung über die gesetzte Frist hinaus im Klinikum beenden können. Die restlichen Pflegekräfte bleiben beim DRK beschäftigt und verteilen sich auf andere Kooperationspartner. „Viele Kliniken in Schleswig-Holstein haben mit den Schwesternschaften Gestellungsverträge“, so Lüdeke. Auch bundesweit gebe es Partner.

Für die vielen betroffenen Mitglieder neue adäquate Plätze zu finden, sei jedoch eine Herausforderung. Aber auch das UKSH stehe in Zeiten des Fachkräftemangels vor dem Problem, die entstandene Personallücke zu füllen. Maria Lüdeke hofft deshalb, dass der Vorstand einlenkt und sich auf einen Kompromiss einlässt. „Bislang haben wir immer einen Weg gefunden.“

Eine Einschätzung, die UKSH-Sprecher Oliver Grieve nicht teilt: „Wir schätzen die DRK-Mitarbeiter sehr. Aber wir bezahlen für sie bisher keine marktüblichen Preise. Verhandlungen blieben hier seit Jahren erfolglos.“ Das Universitätsklinikum entlohne die Rotkreuzschwestern nach Tarif, wie seine anderen Angestellten auch. Hinzu komme jedoch eine jährliche Verwaltungskostenpauschale des DRK in Höhe von 400.000 Euro. Zu hoch für den UKSH-Vorstand. „Wir sind dazu aufgefordert, unsere ökonomische Situation zu verbessern, nicht die des DRK“, begründet Grieve die Entscheidung.

Die finanzielle Schieflage des UKSH sorgt immer wieder für Aufsehen. Für 2014 erwartet das Unternehmen mit etwa 12.440 Angestellten ein Minus von über 30 Millionen Euro. Der Schuldenberg des Klinikums würde damit auf mehr als 250 Millionen Euro anwachsen. Gleichzeitig steht mit der Sanierung der Standorte Kiel und Lübeck ein Großprojekt an.

Der UKSH-Vorstandsvorsitzende Jens Scholz sei bei den Sparbemühungen jetzt über das Ziel hinausgeschossen, kritisierte der Fraktionsvorsitzende der Piraten Torge Schmidt. „Wie der UKSH-Vorstand nach der Kündigung des Gestellungsvertrags mit dem DRK den Wegfall von Pflegekräften kompensieren will, ohne dass es zu einer weiteren Arbeitsverdichtung für das verbleibende Personal kommt, muss Herr Scholz erklären.“

Diese Kritik weist Oliver Grieve vehement zurück: „Die Stellen werden eins zu eins neu besetzt – nur nicht über die teuren DRK-Verträge. Wir freuen uns über motivierte Bewerber.“ Entsprechende Stellenausschreibungen seien in Vorbereitung.

Zwar sei die Mitgliedschaft bei den DRK-Schwesternschaften freiwillig, Oberin Maria Lüdeke will davon jedoch nicht sprechen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kooperation beendet wird“, sagt sie. Die Oberin will sich deshalb heute noch einmal mit dem Vorstand des UKSH treffen.

 

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erstellt am 05.Dez.2014 | 07:08 Uhr

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