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Politik

31. August 2016 | 16:16 Uhr

Facebook, Twitter und Co : Tweet statt Flyer: Wie SH-Politiker im Internet aktiv sind

vom

Die Möglichkeit zur digitalen Kommunikation nutzen auch Politiker aus SH. Allerdings nicht immer erfolgreich.

Kiel | Wie funktioniert Politik im Internet - und funktioniert sie überhaupt? Viele Politiker und die meisten Parteien haben einen Teil ihrer Informationsarbeit in die Sozialen Medien verlegt. Dort kann man Menschen direkt erreichen, auf aktuelle Themen schnell reagieren - und vielleicht auch den einen oder anderen Wähler überzeugen. „Wir wollen prinzipiell da sein, wo wir mit Menschen ins Gespräch über gerechte Politik kommen können. Zurzeit sind das vor allem Twitter und Facebook“, sagt Ralf Stegner (SPD), der für seine teils launigen Tweets bundesweit bekannt ist. Auch sein beliebter Sparringspartner im Wortgefecht, Wolfgang Kubicki (FDP), sieht im Internet Potenziale: „Wir erreichen mit diesen Beiträgen auch diejenigen Menschen, die den klassischen politischen Info-Stand oder die klassischen Informationsmaterialien, Flyer, Broschüren etc., meiden.“ Ist Facebook ein guter Ersatz für den vom Regen aufgeweichten Flyer am Klapptisch in der Fußgängerzone? Twitter eine Plattform für den tagesaktuellen Ad-Hoc-Diskurs?

Einen direkten Hinweis auf das Wahlverhalten geben die Fanzahlen der Politiker nicht. Dennoch gelten Soziale Medien als Hinweis für Trends und Stimmungen. Das Jahr 2016 ist auch ein Wahlkampfjahr: mehrere Landtagswahlen stehen auf dem Zettel, zuerst sind Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt dran. Die Ergebnisse wirken sich nicht nur direkt auf den Bundesrat aus, sondern sind auch ein Stimmungsbarometer für die Bundestagswahl 2017.

„Für mich ist Twitter interessant, weil ich dort zwischendurch reinschauen und mitdiskutieren kann. Die 140 Zeichen zwingen uns, Aussagen auf den Punkt zu bringen. Das fehlt der Politik manchmal“, sagt Stegner. „Für längere Diskussionen, zum Beispiel auf Facebook, fehlt mir oft die Zeit.“ Kubicki liest Stegners Tweets aber „nicht, wenn es nicht sein muss“.

Martin Fuchs, Blogger und Politikberater aus Hamburg, ist überzeugt: Als Politiker kann man es sich aktuell nicht mehr erlauben, nicht im Internet präsent zu sein. In seinem Onlineprojekt „Pluragraph“ wertet er die Aktivitäten in den verschiedenen Portalen aus. Etwa 4000 Politiker mit ihren verschiedenen Internetpräsenzen hat der Hamburger dort zusammengetragen – und jede Nacht „fährt“ die Software einmal über die eingetragenen Profile und erstellt so tagesaktuelle Rankings, wer zahlenmäßig die meisten Fans und Follower  erreicht – und wessen Profile am meisten Zuwachs haben.

Bilder vom traurigsten Tag meiner Amtszeit. Und heute haben wir noch zwei Wale entdeckt.

Ein von Robert Habeck (@robert.habeck) gepostetes Foto am

Die im Netz erfolgreichsten Politiker aus SH
Rang Name Addierte Fanzahlen Wachstum (prozentueller Zuwachs der letzten 7 Tage)
1. Ralf Stegner 30.522 1,55%
2. Jan Philipp Albrecht 27.620 1,31%
3. Konstantin von Notz 26.226 0,61%
4. Wolfgang Kubicki 18.211 2,83%
5. Robert Habeck 9177 0,86%
Stand: 5. Februar

Es überrascht kaum, dass Stegner und Kubicki bei den Politikern aus Schleswig-Holstein weit oben stehen in den „Charts“. Der SPD-Politiker und Talkrundenveteran bringt es auf Twitter und Facebook auf mehr als 30.000 Fans – das ist Platz 1 – und Kubicki steht mit mehr als 17.000 Facebook-Fans auf Rang 4. „Es ist eine rein quantitative Analye“, schränkt Fuchs ein. Qualität und Inhalt wertet das Programm nicht. „Doch es ist ein Indiz, ob jemand erfolgreich kommuniziert.“

Und es führt plakativ vor Augen: Die CDU hat in Schleswig-Holstein noch sehr viel Luft nach oben. Denn die Politiker der laut Umfragen stärksten Partei können online nur wenige Interessierte versammeln. Der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul ist da noch am erfolgreichsten, schafft es aber lediglich auf Platz 14 unter den erfassten SH-Politikern. Das liegt noch hinter den Piraten Torge Schmidt und Wolfgang Dudda. Ingbert Liebing, der immerhin am liebsten Ministerpräsident werden möchte, kommt auf Twitter und Facebook nicht einmal auf 2000 Fans (Rang 24). „Die CDU ist offline gut vernetzt“, sagt Wahlbeobachter Fuchs. „Außerdem haben sie recht lange gebraucht, um zu sehen, dass man sich auch digital vernetzten sollte.“ Auch spiele das ältere Wahlklientel, das sich weniger online informiere, eine Rolle.

Der aktuellste Post von Ingbert Liebing stammt vom Oktober. Immerhin 2015.

In den Städten und Gemeinden wird die Lage zunehmend dramatisch. Daher habe ich mich als Bundesvorsitzender der...

Posted by Ingbert Liebing on  Dienstag, 27. Oktober 2015

Das stärkste Wachstum hat die Facebookseite eines AfD-Politikers: Der Landesbeauftragte für Migrations- und Integrationspolitik Achille Demagbo (Platz 22) gewinnt wöchentlich etwa drei bis fünf Prozent an Facebook-Fans. Ralf Stegner erklärt sich den Erfolg mit der Beschaffenheit des Mediums.  „Einfache Botschaften lassen sich dort einfach teilen. Für eine ernstzunehmende Partei ist die Frage der Flüchtlinge eine, die viele Antworten auf vielen Ebenen finden muss“, sagt der SPD-Mann, der selbst angibt, Twitter wegen seiner Knappheit zu schätzen. „Es geht darum, Frieden in der Welt zu organisieren, mit der EU über das Thema Asyl zu reden, wir müssen die Erstaufnahme im Bund regeln, die Verteilung im Land und die Unterbringung in den Städten und Gemeinden. Das ist natürlich komplexer als das ‚Grenzen zu – die Menschen sind uns egal‘ der AfD.“

Ausnahmsweise ist Kubicki hier ähnlicher Meinung. „Ich beschäftige mich nicht mit der AfD in den sozialen Medien. Fakt ist aber, dass es verhältnismäßig einfach ist, mit plakativen Parolen Stimmung zu machen.“ Politikbeobachter Martin Fuchs weist darauf hin, dass sich rechtspopulistische Parteien in den sozialen Medien eine hohe Expertise aufgebaut haben.

Repräsentativ für Wahlen sind die Online-Zahlen allerdings nicht – schließlich kann hier jeder mehrfach klicken und längst nicht alle Wahlberechtigten nutzen die Portale für den politischen Diskurs. Ein Klick ist also keine Wählerstimme. Anders als bei Facebook liegt die CDU in der aktuellsten Sonntagsfrage bundesweit vorn. Ein Vergleich der Zahlen der offiziellen Facebook-Seiten von CDU und AfD zeigt aber: Die Union versammelt an dieser Stelle nur etwa halb so viele Interessierte in dem Portal wie die AfD. Doch auch wenn die Online-Klicks stets mit Vorsicht zu genießen sind: Sie könnten als Seismograph dienen - als Frühwarnsystem.

 

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erstellt am 05.Feb.2016 | 18:15 Uhr

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