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Politik

27. Juli 2016 | 11:36 Uhr

Kommentar : Torsten Albigs absurder Vorschlag gegen die Pressefreiheit

vom
Aus der Onlineredaktion

Ministerpräsident Albig schreibt in der „Zeit“ über Google. Dabei kommt er zu seltsamen Schlüssen, kommentiert Joachim Dreykluft.

Ministerpräsident Torsten Albig setzt sich in einem Namensbeitrag in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ (Seite 29) mit Google auseinander. Das tut er nicht sehr sachkundig, aber das machen derzeit viele, die glauben, den Mittelstand, die Demokratie, das Abendland oder gleich die ganze Welt vor den bösen Konzernen aus dem Silicon Valley beschützen zu müssen. Das Problem bei Albig: Er zieht daraus Schlüsse, die Meinungs- und Pressefreiheit gefährden.

Der SPD-Politiker vergleicht Google mit dem Katalog einer Bibliothek. Dort, so meint er, suche der Nutzer. Bei Google aber „suchen andere für ihn. Nach deren Maßstäben“.

Das stimmt nicht. Die meisten Suchmaschinen, gerade Google, bieten vielfältige Möglichkeiten, die Suche zu spezifizieren. Wer Informationen über Torsten Albig aus dem Medium seines Vertrauens sucht, googelt: „site:shz.de Torsten Albig“. Wer etwa glaubt, dass offizielle Quellen für ihn besser sind, googelt: „site:schleswig-holstein.de Torsten Albig“. Das ist im Internet und in der Bibliothek genau gleich: Nur wer sich auskennt, findet, was er sucht.

Dass Albig sich offensichtlich nicht auskennt, wäre nicht weiter schlimm, würde er aus seinem Unwissen keine demokratiegefährdenden Schlüsse ziehen.

Torsten Albig, unterwegs im Internet.
Torsten Albig, unterwegs im Internet. Foto: Carsten Rehder/dpa

Zunächst führt Albig einen seltsamen Gedanken ein. Er behauptet, „Google, Facebook und andere“ würden versprechen, „dass die gelieferten Informationen unverfälscht und objektiv, nach Relevanz sortiert, wiedergegeben werden.” Doch: Keiner der genannten behauptet, er wüsste, was richtig ist und was falsch, was objektiv oder subjektiv, was relevant oder irrelevant. Sie versprechen lediglich ihren Nutzern ein größtmögliches Nutzungserlebnis. Und ihren Werbekunden kleinstmögliche Streuverluste.

Albig schlägt dann aus seiner Fehlinterpretation der Mission der Silicon-Valley-Konzerne eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrags vor mit folgendem Inhalt: „Suchmaschinen würden verpflichtet, immer auch ein öffentliches Informationsangebot unter den obersten Suchergebnissen anzuzeigen. Nur so stellen wir sicher, nicht in die Falle privater medialer Manipulation zu laufen.”

Der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins fordert also allen Ernstes, die öffentliche, also staatliche, Sicht der Dinge in Suchmaschinen höher zu gewichten als die Nachrichten und Meinungen privater Anbieter, die ausdrücklich durch die Pressefreiheit des Grundgesetzes geschützt sind.

Pressemitteilungen der Staatskanzlei sollen ins Blickfeld des Volkes gerückt werden, weil private Medienanbieter manipulieren? Das kann nicht Ihr Ernst sein, Herr Albig.



Die Zeit“-Vorabmeldung „Albig will Google und Faceboook in Medienregulierung einbeziehen

 

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erstellt am 05.Mär.2015 | 13:38 Uhr

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