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Politik

09. Dezember 2016 | 14:42 Uhr

Digitales Lernen auf dem Vormarsch : Schulen in SH bekommen mehr Geld für Whiteboard, Tablet und Co

vom

Der digitale Wandel erfasst zunehmend auch die Schulen im Norden. Moderne Geräte ersetzen Hefte und Füller. Das Land stockt seine Mittel dafür im nächsten Jahr auf.

Kiel | I-Pad statt Schnellhefter, Whiteboard statt Kreidetafel - Schleswig-Holsteins Schulen erobern nach und nach das digitale Zeitalter. Die Ausstattung mit modernen Medien kommt voran. „Wir halten den Umgang mit digitalen Medien für eine Kernkompetenz wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst in Kiel. Deshalb habe sie das Thema zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht.

Dies hat materielle Konsequenzen, denn die Haushaltsmittel werden aufgestockt. Unterstützte das Land digitales Lernen an Schulen 2015/16 noch mit 300.000 Euro, so werden es im nächsten Jahr 500.000 Euro sein. „Wir müssen aufholen, das haben die Schulen und ihre Träger auch verstanden“, sagte Ernst. Die Landesmittel sind zusätzlich für die Schulen, für deren Ausstattung die Träger zuständig sind, also meist die Kommunen.

Das Land unterstützt gezielt auch die 26 Förderzentren für Schüler mit „geistigem Entwicklungsbedarf“. Dort gehe es ganz besonders um Kommunikationsunterstützung und damit um Teilhabe, sagte Ernst. Den Schülern werde so geholfen, sich besser zu orientieren und sich gut auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Sie könnten mit Apps ihren Lernprozess steuern und bestimmte Dinge unabhängig von den Lehrern so oft wie nötig wiederholen.

Der Schwerpunkt digitales Lernen habe sich sehr dynamisch entwickelt, sagte Ernst. 2014 hätten 21 Schulen an einem Medienkonzept gearbeitet, im laufenden Jahr 121. Von 803 Schulen im Land hätten sich 111 als Modellschulen beworben, 20 wurden ausgewählt. Sie nutzen die Landesmittel, um feste WLan-Anschlüsse einzurichten, I-Pad-Sets, Software und Notebooks anzuschaffen. „An den vielen Schulen, die ich besucht habe, ist eine geradezu euphorische Stimmung, weil es den Schülern ohnehin viel Freude macht, mit Tablets zu arbeiten. Aber auch viele Lehrkräfte empfinden das als Erleichterung.“

Eine neuen Erhebung soll feststellen, wie sich die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten entwickelt hat. Vor zwei Jahren hatte zwar mehr als die Hälfte fest installiertes W-Lan, das häufig aber nur für Lehrer freigegeben war. 2012 kam auf 12 Schüler ein Computer. 2014 war das Verhältnis 9:1. Die meisten Geräte standen allerdings im Computerraum. Inzwischen halten immer mehr Tablets Einzug. Schülern, die keine eigenen haben, stellt die Schule welche zur Verfügung.

Ein Teil der Schulen hat Ernst zufolge mithilfe der Landesmittel komplett die Kreidetafeln durch elektronische Tafeln ersetzt, sogenannte Whiteboards. Andere führten sie nach und nach ein. „Noch überwiegen deutlich die Kreidetafeln“, sagte Ernst. Verlässliche Zahlen darüber, wie Schleswig-Holstein bei der Ausstattung im Ländervergleich dasteht, gebe es nicht. Es gehe aber nicht nur um technische Ausstattung, betonte Ernst.

Geräte hätten alle Schüler, aber die Nutzung sei unterschiedlich. „Bei einigen steht nur das Spielen im Vordergrund, und wir sehen hier auch den Auftrag zu sozialer Gerechtigkeit, den Schülern die ganze Bandbreite der Nutzungsmöglichkeiten zu zeigen, speziell auch für das Lernen.“ Auch die Aufklärung über Cyber-Mobbing sei ein Schwerpunkt.

Ab Herbst will das Ministerium die Arbeit der Modellschulen auswerten, um Anfang 2017 Schlussfolgerungen für alle Schulen zu ziehen. Im September möchte Ernst bei einer Tagung mit Städteverband und Gemeindetag das weitere Vorgehen beim digitalen Lernen besprechen. Auch an Kosten sparenden Musterlösungen für Schulen werde gearbeitet.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 10:53 Uhr

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