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Politik

09. Dezember 2016 | 10:38 Uhr

Kommentar : Razzien in Schleswig-Holstein: Das gefährliche Spiel mit der Angst vor Terror

vom

Die Terrorangst hat SH erreicht - dabei ist das Land sicherer geworden. Ein Kommentar von Stefan Beuke.

Wenn man es rational betrachtet, hat sich nichts verändert. Schleswig-Holstein ist Schleswig-Holstein geblieben. Es gab keinen Terroranschlag, der unser Leben verändert hat. Dass die Gefahr besteht, dass auch zu uns irgendwann Menschen kommen können, deren Ziel es ist, unserem demokratischen und weltoffenen Leben mit einem Terroranschlag zu schaden, war immer klar. Auch wenn die Gefahr seit den Anschlägen in Paris, Brüssel und Nizza näher gekommen ist, war sie weit weg. Abstrakt. Die terroristischen Einzeltaten mit dem Axtangriff in einem Zug bei Würzburg und dem Selbstmordanschlag bei einem Festival im bayerischen Ansbach im Juli befeuerten die Sorge zwar, doch noch immer war die Gefahr gefühlt nicht direkt vor unserer Haustür. Seit Dienstag ist das anders. Die Terrorangst hat Schleswig-Holstein mit den drei Festnahmen voll erreicht. Das macht es so schwer, die Situation rational zu bewerten.

Die Razzien in Großhansdorf, Ahrensburg und Reinfeld zeigen deutlich, dass auch wir nicht vor der Terrorgefahr gefeit sind. Sie zeigen ebenso, dass unsere Sicherheitsbehörden nicht schlafen. Soweit, so rational. Es gibt aber noch eine weitere Gefahr: Das Spiel mit der Angst.

Die Terrorverdächtigen haben sich unter die Flüchtlinge gemischt. Über kurz oder lang werden Rechtspopulisten dies weiter für sich nutzen wollen. Mit Emotionen lässt sich Wahlkampf machen – und eine stärkere Emotion als Angst gibt es kaum. Doch jetzt alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, wäre fatal. Zu behaupten, ohne Flüchtlinge hätten wir kein Terrorproblem, wäre falsch. Der Islamische Staat ist nicht auf die Flüchtlingsrouten angewiesen, um seine Leute nach Europa zu bringen. Doch die Angst der Menschen vor den Flüchtlingen gibt den Terroristen Macht. Und letztendlich auch rechten Parteien. Das Spiel sollten wir nicht mitspielen. Das Perfide ist, dass mit der Unsicherheit Ängste geschürt werden, obwohl Schleswig-Holstein mit den Festnahmen objektiv sicherer geworden ist.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 11:22 Uhr

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