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Übung im Grossraum Kiel : Polizei in SH probt Ernstfall für Terror-Anschlag

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Wir hoffen, Schwachstellen aufzudecken, von denen wir noch nichts wussten“ - am 27. April sind 1300 Beamte im Einsatz.

Kiel | Schleswig-Holstein bereitet sich auf die Möglichkeit eines Terroranschlags vor – mit der bislang größten Übung in der Geschichte der Landespolizei. Sie ist für den 27. April geplant, über 1300 Beamte sollen im Einsatz sein, unterstützt von Feuerwehr und Rettungsdienst.

Es ist nicht die erste Anti-Terror-Übung in SH. Damit wollen die Sicherheitsbehörden für mehr Sicherheit sorgen: Insbesondere für Großveranstaltungen sollen ausgearbeitete Notfall-Pläne getestet werden. 

Als Ort des fiktiven Terrorangriffs hat die Polizeiführung den Großraum Kiel ausgewählt. „Beim Szenario orientieren wir uns an den Anschlägen von Paris, Brüssel und Berlin“, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt. In Paris schlugen Terroristen des „Islamischen Staats“ an fünf Orten mit Sprengstoff und Schusswaffen zu. In Brüssel sprengten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft, und in Berlin raste ein Sattelzug auf einen Weihnachtsmarkt.

Die Übung soll im öffentlichen Raum stattfinden. Gutt: „Unser Ziel ist es, die taktischen Pläne, die wir für diesen Fall erarbeitet haben, auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.“ Vorgesehen ist, dass Streifenpolizisten als erste auf die Attentäter treffen und sie möglichst daran hindern sollen, ihren Anschlag fortzusetzen, bis das Spezialeinsatzkommando eintrifft. Für die Übung werden die Streifenbeamten deshalb vorab mit den neuen ballistischen Helmen und Schutzwesten ausgestattet, die eigentlich erst ab Sommer zu ihrem Equipment gehören.

Nach Planung der Polizei ist die Lage so komplex, dass Spezialkräfte anderer Bundesländer zur Hilfe gerufen werden müssen. „Das gibt uns die Möglichkeit, dass Zusammenspiel der Spezialeinheiten zu trainieren“, so Gutt. Auch für die Abläufe auf der Führungsebene sei die Übung ein wichtiger Praxistest. „Wir hoffen, Schwachstellen aufzudecken, von denen wir noch nichts wussten“, fasst Gutt die Erwartungen an den 27. April zusammen. Außerdem wolle man den Beamten und auch der Bevölkerung vermitteln, dass die Polizei sich auf einen Ernstfall vorbereite. „Es wird eine sehr realistische Darstellung“, betonte Gutt. Dazu gehöre auch die Evakuierung von Gefahrenzonen, das Versorgen von Verletzten und das Bergen von Toten.

Dass Attentäter wegen der leichten Verfügbarkeit zuletzt Fahrzeuge zu Waffen gemacht hatten, dürfte nicht nur bei der Übung eine Rolle spielen, sondern auch bei der Sicherung von Großveranstaltungen im Land. Ein Test der Dekra in Neumünster hat jetzt gezeigt, dass die schwersten zur Sicherung angebotenen Betonblöcke durchbrochen werden können.

 

Die Polizei will nun die wissenschaftliche Expertise des Tests abwarten, um Empfehlungen für Sicherungsmaßnahmen geben zu können. Für die Kieler Woche wird stets ein Konzept erarbeitet, das neuralgische Punkte auflistet. „Die Polizei könnte notfalls mit Sonderfahrzeugen Sperren errichten“, sagt Gutt. „Die Frage ist, ob ein solches bedrohliches Bild öffentlich gewollt ist.“

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erstellt am 12.Apr.2017 | 13:12 Uhr

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