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Politik

08. Dezember 2016 | 05:12 Uhr

Homo-Ehe : Nordkirche will homosexuelle Paare „segnen“ - also trauen

vom

Die Segnung von Menschen in eingetragenen Partnerschaften steht auf Augenhöhe mit der Trauung von Mann und Frau.

Hamburg | Gleichgeschlechtliche Paare sollen in Zukunft in der evangelisch-lutherischen Nordkirche mit einer neuen Trau-Zeremonie den Bund fürs Leben schließen können. Die „Segnung von Menschen in eingetragenen (gleichgeschlechtlichen) Partnerschaften“ sei auf Augenhöhe mit der Trauung von Mann und Frau, sagte der Präses der Nordkirche, Andreas Tietze, am Mittwoch in Kiel. In der Zeremonie in Form eines Gottesdienstes gebe es keinen Unterschied bis auf den Begriff Segnung statt Trauung, ergänzte Landesbischof Gerhard Ulrich.

Die Nordkirche ist nach eigenen Angaben die fünfte Landeskirche, die eine solche der Trauung angeglichene Segnung einführt. Das könnte Vorbild auch für weitere Länder sein.

Diese Segnungen würden auch wie Trauungen in den Kirchenbüchern eingetragen. Die Neuregelung soll auf der nächsten Synodentagung am 29. September beschlossen werden. Das Kirchenparlament kommt vom 29. September bis zum 1. Oktober in Lübeck-Travemünde zusammen.

Entsprechende Beschlüsse gibt es bereits in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der rheinischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Baden.

Die Nordkirche entstand 2012 aus dem Zusammenschluss der drei Landeskirchen Nordelbien, Pommern und Mecklenburg. Anders als in Nordelbien gab es in der pommerschen Kirche keine Segnungen und in der mecklenburgischen nur nichtöffentliche Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare.

Das Lebenspartnerschaftsgesetz und die Rechte homosexueller Paare

Homosexuelle Paare in Deutschland können ihre Lebenspartnerschaft seit 2001 offiziell eintragen lassen. Das Lebenspartnerschaftsgesetz hat eine Gleichstellung in vielen Bereichen bewirkt - bei Unterhaltspflicht, im Erbrecht oder beim Ehegattensplitting zum Beispiel. In mehreren Urteilen hat das Bundesverfassungsgericht die Rechte homosexueller Paare gestärkt.

Anders als in Dänemark oder den Niederlanden gibt es im Vergleich zur heterosexuellen Ehe aber noch immer noch Benachteiligungen, etwa beim Adoptionsrecht. Nach einer Entscheidung der Bundesverfassungsrichter von 2013 dürfen Homosexuelle in einer Lebenspartnerschaft zwar auch Adoptivkinder des Partners adoptieren. Die gemeinsame Adoption eines Kindes ist jedoch nach wie vor nicht möglich.

 

Jetzt hat die Nordkirche nach mehrjährigen Diskussionen den neuen Entwurf vorgelegt. Er sieht die Segnung im Rahmen eines Gottesdienstes vor. Dazu gehören Gebete, Lesungen aus der Bibel, eine Predigt sowie das gegenseitige Bekenntnis der Partner einschließlich der Formel „solange wir leben“ oder alternativ „bis der Tod uns scheidet“. Auch ein Ringwechsel ist möglich. Der Pastor sagt: „Was Gott zusammen gefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“

Ulrich betonte, die Nordkirche vermeide aus Rücksicht auf Menschen, denen es schwer falle, diese Zeremonie zu akzeptieren, auf den Begriff „Trauung“. Die innerkirchliche Debatte sei mit großem Respekt und theologischer Tiefe geführt worden.

Wie die Nordkirche auf ihrer Website mitteilt, waren in der ehemaligen nordelbischen Kirche (Hamburg und Schleswig-Holstein) schon lange vor der Nordkirchen-Gründung Segnungen homosexueller Paare in einem gottesdienstlichen Rahmen möglich. Dafür habe aber in jedem Einzelfall erst von Kirchengemeinderat und Propst die Zustimmung eingeholt werden müssen. Offizielle Zahlen gebe es nicht. „Schätzungen gehen von etwa 100 gleichgeschlechtlichen Paaren seit dem Jahr 2000 aus, die sich haben kirchlich segnen lassen“, heißt es weiter.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 13:40 Uhr

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