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Politik

08. Dezember 2016 | 15:31 Uhr

Parteitag in Sonnabend aus Neumünster : Nach der Wahl zum Landesvorsitzenden: Daniel Günther im Video-Interview

vom

Das Votum für den 43-Jährigen war eindeutig: 44 stimmten mit Nein, 209 mit Ja.

Neumünster | Nun soll es Daniel Günther richten. Der Fraktionschef im Landtag führt die Nord-CDU als neuer starker Mann in die Schleswig-Holstein-Wahl im Frühjahr 2017. Ein Parteitag in Neumünster wählte den 43-Jährigen zum Landesvorsitzenden. Günther kam auf 81 Prozent. 44 stimmten mit Nein, 209 mit Ja, vier enthielten sich.

Schleswig-Holstein wählt am 7. Mai nächsten Jahres einen neuen Landtag. Eine Woche später findet die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen statt. Eine krachende Niederlage im Norden wäre ein negatives Vorzeichen für den Urnengang zwischen Rhein und Weser.

Mit einer kämpferischen Rede hatte sich der neue Frontmann der Union den Delegierten zur Wahl empfohlen. Günther machte deutlich, wie er sich die Nord-CDU der Zukunft vorstellt: Mehr Diskussionskultur statt Geschlossenheitsappelle, mehr Frauen in Führungspositionen, die Partei soll moderner und urbaner werden, um auch in den Städten zwischen Nord- und Ostsee – traditionell Hochburgen der SPD – politisch punkten zu können.

Was sagt er zu seiner Wahl? Peter Höver hat ihn kurz darauf gefragt:

Günther löst Ingbert Liebing (53) ab. Der bisherige Parteichef und Spitzenkandidat hatte kurz vor Ablauf seiner ersten zweijährigen Amtszeit vor drei Wochen überraschend seinen Rückzug angekündigt. Auslöser waren dramatisch niedrige Umfragewerte. In der Sonntagsfrage rangierte die Nord-Union fünf Prozentpunkte hinter der SPD. Im Bund dagegen liegt die CDU nach Umfragen um zehn bis zwölf Prozent vor der SPD.

Als Oppositionsführer im Landtag hatte sich Daniel Günther in den letzten zwei Jahren profiliert. Vielen in der CDU galt Günther seit Längerem schon als aussichtsreicherer Spitzenkandidat. Vor zwei Jahren war er zum CDU-Fraktionschef im Landtag gewählt worden. In der Rolle hat sich der Mann mit Studien der Politikwissenschaftlen, Psychologie und Volkswirtschaft schnell profilieren können. Liebing dagegen hat es nach parteiinterner Einschätzung in den zwei Jahren seiner Amtszeit nicht geschafft, Aufbruchstimmung in der Union zu erzeugen. Gerade jeder dritte, der nach Umfragen CDU wählen würde, wollte Liebing auch als Ministerpräsidenten.

Hintergrund: Daniel Günther im Porträt

Der neue Hoffnungsträger der Nord-CDU ist konfliktfähig und polarisiert gern. Dass die Attacke ihm liegt, zeigt Daniel Günther im Kieler Landtag, wenn es der Fraktionsvorsitzende mit Ministerpräsident Torsten Albig oder SPD-Fraktionschef Ralf Stegner aufnimmt. Pointiert bringt der 43-Jährige seine Positionen auf den Punkt. Er scheut sich auch nicht vor Forderungen, die andere populistisch nennen - etwa die nach Schweinefleisch-Angeboten in Kantinen und einer Residenzpflicht für Landesminister. Kommt dann kräftiger Gegenwind auf, hält der auch zur Selbstironie fähige Günther das aus.

Als neuer Landesvorsitzender und Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2017 will er die Nord-CDU moderner und lebendiger machen.

Günther hat sein Berufsleben fast nur in der Politik verbracht. Nach dem Studium der Politik arbeitete der gebürtige Kieler zwei Jahre bei einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Von 2005 bis 2012 war er als Landesgeschäftsführer für die Organisation der Partei zuständig, Wahlkämpfe inklusive.

Seit 2009 ist Günther im Landtag, zunächst war er Hochschulpolitiker. Die Fraktion führt er seit zwei Jahren. Als Oppositionsführer hat Günther sich im Landtag profiliert, wobei er im Plenum zuweilen übereifrig wirkt. Im Job gilt er als organisierter und strukturierter Arbeiter. In seiner Freizeit macht der in Eckernförde lebende verheiratete Katholik gern ausgedehnte Spaziergänge am Meer.

Besonders stolz ist er auf seine in diesem Jahr geborene Tochter.

 

Im September nächsten Jahres wird ein neuer Bundestag gewählt. Offiziell wird bestritten, dass sich die Bundesvorsitzende Angela Merkel in die Personalpolitik ihrer „Nordlichter“ eingeschaltet haben soll. Ausgeschlossen wird das aber nicht.

Trotz der schlechten Umfragewerte zeigte sich Günther auf dem Parteitag entschlossen, 2017 mit der CDU wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen und Ministerpräsident zu werden. Er setzt dabei auf ein Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP. Es gebe „in vielen Bereichen Schnittmengen“ mit den Grünen, so Günther im Vorfeld des Parteitages.

Auch Thomas de Maizière war beim Parteitag in den Holstenhallen zu Gast. Er appellierte an die Nord-CDU, den neuen Vorsitzenden geschlossen zu unterstützen. „Ein guter neuer Trainer ist nichts wert, wenn die Mannschaft nicht mitspielt, und zwar geschlossen und loyal und ab jetzt und alle.“

(Mit dpa)

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erstellt am 19.Nov.2016 | 15:24 Uhr

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