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Politik

11. Dezember 2016 | 05:16 Uhr

CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl : Mit Kommentar: Liebing muss liefern

vom
Aus der Onlineredaktion

Ingbert Liebing gilt bei Beobachtern als blass und unscheinbar. Die Nord-CDU steht aber hinter ihm: Mit fast 92 Prozent wird er zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gewählt.

Neumünster | Ingbert Liebing ist auf dem CDU-Parteitag in Neumünster zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2017 gewählt worden. 91,86 Prozent stimmten für den Sylter - es gab 18 Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Für einige ist Liebing jedoch nur die zweitbeste Alternative.

Der Applaus für Ingbert Liebing ist lang. Demonstrativ lang? Der künftige Spitzenkandidat atmet mehrmals tief durch. Auf dem CDU-Parteitag hat Ingbert Liebing zu Geschlossenheit und Entschlossenheit aufgerufen - auch eine Mahnung an all jene Kritiker innerhalb der CDU, die ihm zu wenig Kontur vorwerfen. Sein Problem: In der Bevölkerung ist der Bundestagsabgeordnete weitestgehend unbekannt. Nur etwa neun Prozent der Schleswig-Holsteiner sehen in ihm den besseren Ministerpräsidenten als Torsten Albig (SPD).

Ein lauter Polterer ist er nicht. Und möchte es auch nicht werden. "Nicht laut brüllen, sondern ernsthaft kümmern. Das ist mein Anspruch. Mein Anspruch ist eine neue Ernsthaftigkeit der Politik."  Dennoch findet er markige Sprüche: "Schleswig-Holstein wird unter Wert regiert." Und: "Die Regierung fährt das Land auf Verschleiß." Liebing beklagt zu wenig Investitionen und den lahmenden Ausbau der Infrastruktur und stellt sich vor, wie er selbst als künftiger Ministerpräsident die Baustellen im Lande besucht.

In seiner Rede entwarf Liebing ein Schleswig-Holstein, wie er es im Jahr 2022 sieht. Kein Unterrichtsausfall, optimistische Landwirte und erfolgreiche Spitzenforschung wünscht er sich. Den Weg dahin beschreibt er noch nicht.

Liebing sitzt seit 2005 für die CDU im Bundestag und vertritt den Wahlkreis Nordfriesland Nord und trat schon 1977 in die Junge Union ein - damals noch in Neumünster. Heute lebt 53-Jährige auf Sylt -  betonte aber, dass er und seine Familie schon dabei sind, eine Wohnung in Kiel einzurichten.

Laut Umfragewerten sind die CDU und die SPD gleichauf - jeweils 28 Prozent würden die großen Parteien bei Landtagswahlen bekommen, sagt die aktuellste Forsa-Umfrage von Mitte April.

Frauen, Jugend, Städte - das sind die offenen Flanken der CDU. Liebing betont daher eigens, dass sich unter den ersten fünf Listenplätzen zwei Frauen finden und auch sonst jeder dritte Platz für eine Frau vorgesehen ist.

Auf die ersten fünf Listenplätze wurden gewählt:

1. Ingbert Liebing Nordfriesland Nord
2. Daniel Günther Eckernförde
3. Katja Rathje-Hoffmann Norderstedt
4. Klaus Schlie Lauenburg-Nord
5. Barbara Ostmeier Pinneberg-Elbmarschen

Die kommenden elf Monate bis zur Wahl möchte Liebing nutzen, um das Programm „rund zu machen“. "Da liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns mit interessanten und spannenden Diskussionen.“

Liebing muss liefern - ein Kommentar von Peter Höver

<p>Ingbert Liebing freut sich: Er wurde von seiner Partei zum Spitzenkandidaten gewählt.</p>

Ingbert Liebing freut sich: Er wurde von seiner Partei zum Spitzenkandidaten gewählt.

Foto: Michael Staudt

Fast 92 Prozent! Ingbert Liebing ist nun also CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Mai 2017, und damit Herausforderer von Ministerpräsident Torsten Albig. 92 Prozent – das ist – jedenfalls numerisch – eine Demonstration der Geschlossenheit. 

Die allerdings steht im auffälligen Gegensatz zu der politischen Null-Performance, die der Kandidat inhaltlich bisher abgeliefert hat. Die Chance, dieses Bild zu korrigieren, hätte er beim Parteitag in Neumünster gehabt. Doch seine 45 Minuten lange Rede war nicht mehr als der altbekannte Katalog wohlfeiler Forderungen und Ankündigungen. Darüber kann auch der minutenlange Beifall der Delegierten nicht hinwegtäuschen.

Will Liebing die Wahl im Mai nächsten Jahres erfolgreich bestehen, dann wird er mehr liefern müssen als Kritik an der Küstenkoalition und eine Beschreibung der Wirklichkeit. Dann wird er erklären müssen, wie und mit welchen Instrumenten er diese Wirklichkeit verändern will. Dann wird sich der Mann, der Ministerpräsident werden will, endlich festlegen müssen. In Neumünster war davon nichts zu hören oder zu spüren. Schon gar nicht war es Aufbruchstimmung. 

Und dann noch dies. Die Spitze der Landtagsfraktion um den profilierten Oppositionsführer Daniel Günther haben die Delegierten bei der Wahl zur Landesliste mit Ergebnissen von unter 80 Prozent nach Hause geschickt. Das ist schon eine kräftige Watsche, die Liebings 92 Prozent wie eine Inszenierung erscheinen lassen.

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erstellt am 12.Jun.2016 | 12:47 Uhr

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