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Model United Nations SH : Jugendliche trainieren im Kieler Landtag für die große Politik

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Weißhelmeinsätze und humanitäre Hilfe gehören zu den Themen, die 430 Jugendliche im Landtag diskutieren.

Kiel | „Der Delegierte des Iraks fordert in seinem Redebeitrag im Plenarsaal des Kieler Landtags, die Nichtregierungsorganisationen finanziell und logistisch zu unterstützen“, erklärt Henrik Volkmann, 18 Jahre alt, der eigentlich nicht aus dem Irak sondern aus Münster kommt. Doch wir sind mitten in einer Diskussion der Generalversammlung der 12. Versammlung der Model United Nations Schleswig-Holstein (MUN-SH), die seit Donnerstag und noch bis Montag im Landtag tagt. 430 Jugendliche sind dort zusammengekommen, um wie die Vereinten Nationen zu diskutieren. Sie kommen aus ganz Deutschland und von deutschen Schulen im Ausland.

Dresscode: Anzug oder Kostüm

Für ihre Reden im UN-Modell haben sie sich fein angezogen. Vorgeschrieben sind Anzug oder Kostüm, für die Herren gilt Krawattenpflicht, die Damen tragen den Rock nicht kürzer als eine Handbreit über dem Knie. Das ist aber nicht nur Show. „Der Dresscode hilft den Jugendlichen, in ihre Rollen zu schlüpfen“, erklärt Johanna Schwarz, die 23-jährige Generalsekretärin der diesjährigen Versammlung. Denn die jungen Politikinteressierten treten als Delegierte von 103 Ländern der Welt an. Sie diskutieren unter anderem über Weißhelm-Einsätze und Hilfen für Nichtregierungsorganisationen. Dabei müssen sie immer die Interessen des Landes, das sie vertreten im Auge behalten. Dabei werden die Regeln, die auch bei den UN-Versammlungen beachtet - wie bei der Versammlung in New York.

Formvollendete Diskussion

<p>Johanna Schwarz ist in diesem Jahr die Generalsekretärin bei den Model UN Schleswig-Holstein. </p>

Johanna Schwarz ist in diesem Jahr die Generalsekretärin bei den Model UN Schleswig-Holstein.

Foto: Ina Reinhart
 

„Bei Model UN lernt man, politisch zu streiten. Dazu gehört es, die Positionen der anderen zur Kenntnis zu nehmen und Kompromisse zu finden“, sagt Johanna Schwarz. Die Studentin, die aus Dänisch-Niendorf stammt, hat 2010 als Delegierte begonnen. Mittlerweile studiert sie in London und arbeitet ehrenamtlich im 45-köpfigen Team der Model UN.

Die jungen Ehrenämtler haben fast alle einmal als Delegierte angefangen. Jetzt stemmen sie das ganze Programm selbstständig. Dazu gehört eine lange Vorbereitungszeit. „Bis zum Herbst konnten sich Jugendliche bewerben – als Delegation eines Landes, als Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGO) oder als Pressevertreter, die Zeitung und Fernsehen für die Veranstaltung machen“, erklärt MUN-SH-Pressesprecherin Susanne Sobottke. Die Teilnehmer bekamen Länder und Themen zugeteilt, haben sich informiert und Positionspapiere erarbeitet, die sie schon im Dezember einreichen mussten. Daraus entstanden wieder Arbeitspapiere, auf deren Grundlage sie nun im Plenum der Generalversammlung und in kleineren Gremien formvollendet diskutieren. Denn bei dem Model der Vereinten Nationen geht es keinesfalls zu wie auf dem Schulhof, auch wenn die meisten Teilnehmer zwischen 15 und 20 Jahre alt sind.

Von der Model UN auf internationale Parkett

Jeder Redebeitrag muss angemeldet werden. Wenn der Jemen in der Diskussion über Weißhelme den Delegierten des Iraks fragt, wie denn die NGOs allein die Probleme im Jemen lösen sollen, wo  sieben Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind, bedankt sich der Irak zunächst für die Nachfrage, bevor er antwortet, dass eine Weißhelmtruppe allenfalls eine Akuthilfe in Krisensituationen sein könne, nicht aber die strukturellen oder wirtschaftlichen Probleme ganzer Länder lösen könne.

„Anfangs muss man sich schon überwinden, wenn man erstmals vor hundert Leuten reden soll“, erinnert sich Johanna Schwarz an ihre ersten Auftritte als Delegierte. Doch durch die Versammlungen hat sie so viel Erfahrung und Selbstbewusstsein gesammelt, dass sie heute problemlos auf dem internationalen Parkett auftreten kann, wenn sie als Vertreterin der deutschen Model United Nations zum Beispiel in Gremien der echten Vereinten Nationen akkreditiert ist.

Lobbyarbeit bis hinter die Toilettentüren

Aber auch für das Engagement  im direkten Umfeld der Jugendlichen haben die Model UN große Auswirkungen. „Man lernt, sicher und klar zu reden. Das hilft mir bei meiner Tätigkeit als Schwimmtrainerin und mit Kindergruppen in der Kirche“, sagt die Abiturientin Annalena Lins (18), die schon zum dritten Mal dabei ist und extra aus Hanau angereist ist.

<p>Annalena Lins ist zum dritten Mal dabei. Ihr nutzen die Erfahrungen bei den Model UN bei ihren ehrenamtlichen Einsätzen. </p>

Annalena Lins ist zum dritten Mal dabei. Ihr nutzen die Erfahrungen bei den Model UN bei ihren ehrenamtlichen Einsätzen.

Foto: Ina Reinhart
 

Diesmal ist Annalena nicht Vertreterin eines Landes sondern der NGO Climate Action Network. „Umweltthemen spielen diesmal nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb machen wir Fotoaktionen, die wir dann in den Gängen  und auf den Toiletten aufhängen. So schaffen wir Aufmerksamkeit für unsere Themen“, weiß die Schülerin aus Hessen.

Dabei mischt sich persönliches Engagement für Themen, die die jungen Menschen bewegen, mit dem Spaß am Mitmischen, dem Gefühl der Macht. Auch wenn die verabschiedeten Resolutionen nur Simulation sind: Wenn die Model UN SH am Montag auseinandergehen, werden sie das mitnehmen.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 19:33 Uhr

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