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Politik

27. März 2017 | 18:35 Uhr

Weniger Referendare : Im Lehrerzimmer droht Nachwuchs-Mangel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Reform der Lehrerausbildung bringt 2015 weniger Referendare in die Praxis. Dadurch leidet auch der Unterricht.

Kiel | An den Schulen im Land wird der Lehrer-Nachwuchs knapp. 2015 werden nur 867 Referendare eingestellt, im Vorjahr waren es 1111 – ein Rückgang um 22 Prozent. Das ergibt sich aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Schulexpertin der CDU-Landtagsfraktion, Heike Franzen. An drei Schularten fällt der Einbruch besonders eklatant aus: An den Grundschulen sinkt die Zahl der Einstellungen von 295 auf 170, an Gemeinschaftsschulen von 244 auf 160. Auch die Sonderschulen sind stark betroffen: Sie erhalten 2015 nur 75 Referendare statt 121.

„Das macht sich bei den Ressourcen für den Unterricht durchaus bemerkbar“, kritisiert der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Bernd Schauer. Zwar befindet sich ein Referendar in erster Linie zur Ausbildung in der Schule – aber er unterrichtet durchschnittlich auch zehn Stunden pro Woche. „Angesichts der schlechten Unterrichtsversorgung, die wir in Schleswig-Holstein haben, ist das total spürbar“, sagt Schauer. „Außerdem ist es unter fachlichen Gesichtspunkten ein Verlust, wenn weniger Referendare eingestellt werden – die Kollegien merken immer wieder, dass sie von den frischen Hochschul-Absolventen neue Anregungen bekommen.“

Ähnlich sieht es Franzen: „Die Schulen profitieren inhaltlich von möglichst vielen Referendaren, und die Schulen haben dadurch mehr Stunden zur Verfügung.“ Ganz abgesehen davon, müsse sich das Land angesichts des Lehrermangels zügig um fertig ausgebildeten Nachwuchs bemühen.  

Das Bildungsministerium erklärt die geringere Zahl der Einstellungen mit einer Reform an der Flensburger Universität, die Lehrer für Grundschulen und Realschulen ausbildet: Dort sind die Master-Studiengänge 2013 von einem auf zwei Jahre verlängert worden. Daher fehlten zur Zeit Bewerbungen für die beiden Lehrer-Laufbahnen, heißt es aus dem Bildungsministerium. Es rechnet damit, dass die Delle durch die Verlängerung des Masterstudiengangs größtenteils zum kommenden Februar überwunden ist. Ministeriumssprecher Thomas Schunck betont, dass Referendare zwar de facto ein Plus für das Unterrichtsangebot einer Schule seien – in den Personalbedarf einer Schule würden sie aber nicht eingerechnet. 

Das Land will die Einstellungen der Referendare bis mindestens 2018 auf dem Niveau von 2015 belassen. Dennoch würden künftig genau so viele Referendare fertig wie in den vergangenen Jahren, erklärt Schunck. Grund: Das Referendariat wird von zwei auf anderthalb Jahre verkürzt. Franzen moniert dennoch, dass die Einstellungen eingefroren werden: „Die Zahl der Lehrer, die ausscheiden und ersetzt werden müssen, ist doch auch nicht jedes Jahr gleich.“

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erstellt am 03.Mär.2015 | 19:10 Uhr

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