zur Navigation springen

Politik

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

Sekundäre Migration : Flüchtlinge fliehen in die Städte

vom

Flüchtlinge ziehen zu ihren Landsleuten nach Hamburg, Kiel, Lübeck und Flensburg. Das macht den Kommunen Probleme.

Kiel | Bayern schafft Fakten: Dort müssen Flüchtlinge, die keinen Job haben, zunächst in der ihnen zugewiesenen Kommune wohnen bleiben. In Schleswig-Holstein schiebt die Landesregierung die Entscheidung für oder gegen eine Residenzpflicht weiter auf die lange Bank. Mit bedenklichen Folgen: „Wir haben derzeit eine starke sekundäre Migration. Flüchtlinge verlassen die für sie bereitgestellten Wohnungen und ziehen zu ihren Landsleuten nach Hamburg, Kiel, Lübeck und auch Flensburg“, berichtet Andreas Breitner vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen.  

Nicht nur für Bürgermeister auf dem flachen Land, die plötzlich vor verlassenen Wohnungen stehen, sei das ein Problem. In großen Städten sei Wohnraum ohnehin knapp. Breitner fürchtet dort nicht nur eine Verschärfung des Verdrängungswettbewerbs durch die zusätzlichen Flüchtlinge, sondern auch Ghettobildungen und jede Menge soziale Probleme: „Die Willkommenskultur wird untergraben und die Nachbarschaft überfordert, wenn die Gruppe, die integriert werden soll, in einem Stadtteil zu groß wird“. Kitagruppen ohne ein einziges muttersprachlich deutsches Kind und Schulen mit mehr als 70 Prozent Migrationsanteil sind laut Bildungsministerium auch in Schleswig-Holstein schon Realität.

Breitner fordert deshalb eine Wohnsitzauflage für arbeitslose Asylberechtigte, die Sozialhilfe beziehen. Damit könnten zwar nicht alle Probleme gelöst werden. „Aber sie ist ein Baustein für eine humanitäre und integrative Flüchtlingspolitik, auf den wir nicht verzichten sollten“ Integration klappe „in  Leck, Kropp und Meldorf mindestens genauso gut wie in den Städten“. Schulen und Volkshochschulen gebe es auch auf dem flachen Land. „Das sind doch keine Bildungswüsten“, sagt Breitner. Wichtig sei, den Menschen Zeit zu geben, Wurzeln zu schlagen und die Sprache zu lernen. Das sei in Ghettos, wo Flüchtlinge kaum Kontakt zu Deutschen haben, schwieriger.

Allein steht er mit dieser Einschätzung nicht. Selbst SPD-Chef Sigmar Gabriel ist für die Wohnsitzauflage, weil sich sonst in den großen Städten die Schwierigkeiten ballen. Auch die Nord-CDU drückt aufs Tempo. „Indem die Landesregierung hier wieder einmal die Hände in den Schoß legt, gefährdet sie die Integration. Das ist verantwortungslos“, sagt CDU-Frau Astrid Damerow.

Doch die Albig-Regierung geht in Deckung. Das Kabinett hat in den letzten sechs Wochen kein einziges Mal getagt. Noch sei alles offen, teilt das Innenministerium mit. Nötig sei eine Abstimmung mit den Kommunen – mit denen wolle man demnächst darüber reden. Erstaunlich, denn sowohl der schleswig-holsteinische Landkreistag als auch der Gemeindetag hatten sich in den  letzten Wochen eindeutig für eine Wohnsitzauflage ausgesprochen.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Sep.2016 | 18:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen