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Politik

26. Juli 2016 | 19:53 Uhr

#Schweinefleischoffensive : CDU will ständiges Schweinefleisch in Kantinen

vom
Aus der Onlineredaktion

Obligatorisches Schweinefleisch in öffentlichen Kantinen – die Landes-CDU kommt mit einem „dänischen“ Thema im Picknickkorb zur kommenden Landtagssitzung.

Kiel | In den Kantinen der Kitas und Schulen der dänischen Kommune Randers ist es bereits Realität: Schweinefleisch gehört nach dem Vorstoß der nationalkonservativen Dansk Folkeparti als „Teil der dänischen Essenskultur“ obligatorisch ins Angebot. Diesem umstrittenen Streben nach der Wahrung der Kost will die Landes-CDU nun folgen: Angesichts einer zunehmenden Zahl von Institutionen ohne Schnitzel, Wurst und Co sieht sie den Rettungsanker in der Schweinefleisch-Vorschrift.


Den betreffenden Antrag für die kommende Landtagssitzung zitieren die „Lübecker Nachrichten“ wie folgt: „Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass insbesondere Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt“. Man wolle damit für eine „gesunde und ausgewogene Ernährung“ sorgen.

In der CDU herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass der kulturelle Grundkonsens auch auf dem Teller liegt. Mehrheiten dürfen sich demnach nicht „aus falsch verstandener Rücksichtnahme“ überstimmen lassen, so der Kellinghusener CDU-Agrarpolitiker und Landwirt Heiner Rickers, der maßgelblich an dem Antrag beteiligt ist. Er macht darin seine Haltung deutlich, dass sich die Essenspläne keineswegs an „neuen“ Befindlichkeiten orientieren sollten: „Toleranz bedeutet in einer pluralistischen Gesellschaft auch die Anerkennung und Duldung anderer Esskulturen und Lebensweisen“. Das Berufsschulzentrum in Itzehoe habe inzwischen zum Groll vieler Schüler sogar Mettwurst-Brötchen verbannt. Das Sozial- und des Bildungsministerium solle zunächst eine Empfehlung für Schulen und Kitas aussprechen, Schweinefleisch auf dem Speiseplan zu belassen.

„Schweinefleisch gehört zu unserem Kulturkreis, es gibt keinen Grund, darauf zu verzichten“, hatte auch Hans-Jörn Arp, Landtagsabgeordneter der CDU in der vorletzten Woche betont. Er habe „null Verständnis, dass hier in vorauseilendem Gehorsam deutschen Kindern Verzicht auferlegt wird“. Fraktionschef Daniel Günther sagte nun überdies, dass er aus jedem Wahlkreis von mindestens einer Kita gehört habe, die das Schweinefleisch aus Rücksicht auf muslimische Kinder aus dem Programm nehme. Er betonte, dass kein Moslem gezwungen werden sollte, Schwein zu essen.

Die Bundesparteien von Grünen und FDP unterstellten der Landes-CDU, eine Schweinefleischpflicht anzustreben - was der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Hundertmark, entschieden zurückwies. „Immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen nehmen Schweinefleisch aus ihrem Angebot, um auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen“, sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther. Die CDU halte das für falsch.

Für die Landesregierung nahm Landwirtschaftsminister Robert Habeck Stellung: „Staatlichen Handlungsbedarf kann ich nicht erkennen. Und schon gar nicht teile ich die Verkürzung unserer grundgesetzlichen Werte auf die Pflicht, Kotelett oder Hack zu essen. SPD-Chef Ralf Stegener sagte: „Wenn die CDU jetzt schon im Landtag eine Debatte über Ideologie am Beispiel eines “Pork-Day„ in öffentlichen Kantinen führen möchte, dann zeigt das deutlich, dass die innerparteiliche Krise der Christdemokraten im Norden doch größer ist, als ich dachte.“

FDP-Parteichef Christian Lindner betonte seine liberale Haltung zu dem Thema: „Erst #Veggieday, jetzt #Schweinefleischpflicht. Verrückte Idee: wie wäre es, wenn einfach jeder selbst entscheidet was er isst?“ Sein Partei-Vize und Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki meinte launig zur neuen „Hackordnung“ der CDU-Fraktion: „Ich habe "Schwein gehabt" bisher immer anders verstanden. Gleiches Recht für alle: Keine Diskriminierung von Rindfleisch.“

CDU-Fraktionssprecher Hundertmark erklärte auf Nachfrage, die CDU wolle niemanden zwingen, Schweinefleisch zu essen. Wenn etwa ein Caterer lediglich ein einziges Mittagessen in eine Schule liefere, könne es zum Beispiel einen Gemüseauflauf geben und wer wolle, könne dazu ein Stück Fleisch extra bekommen. Es sei auch in Ordnung, wenn eine Elternversammlung einer Kita einmütig aus gesundheitlichen Gründen auf Schweinefleisch für die Kinder verzichten wolle. Es dürfe aber nicht eine Minderheit der Mehrheit Essvorgaben aufzwingen.

Schlagzeilen hatten 2013 vor der Bundestagswahl bereits die Grünen ausgelöst mit der Forderung nach einem Veggie Day, einem fleischfreien Tages pro Woche in Kantinen. Es sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, sagte die damalige Spitzenkandidatin Göring-Eckardt. „Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen“, sagte die Grünen-Politikerin und sah sich damals auch von der CDU dem Vorwurf der Bevormundung ausgesetzt.

Liegt das Schicksal des Abendlandes auf dem Kantinen-Teller? Die sozialen Medien haben den Braten gleich gerochen.

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Der Grüne Konstantin von Notz musste auf den Kalender gucken.

 

Ein Thema zum Ausschlachten.

 

Ralf Stegner zeigt keinerlei Redebereitschaft.

 

Dann grunzt der SPD-Chef den Hashtag #Schweinefleischoffensive raus.

 

Karikaturist Ruthe sieht sich inspiriert von dem Vorstoß der Konservativen.

 

Volker Beck von den Grünen hat da mal eine fachliche Frage.

 

Viel Futter im Trog für Web-Satire.

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von
erstellt am 01.Mär.2016 | 15:25 Uhr

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