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Politik

29. August 2016 | 19:59 Uhr

Umstrittene Unterrichtsmaterialien : Broschüre zu „Regenbogenfamilien“ kein Thema mehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die schleswig-holsteinische Landesregierung stoppt die Schul-Broschüre „Echte Vielfalt unterm Regenbogen“.

Kiel | Die Landesregierung hat die Pläne zur Einführung umstrittener Unterrichtsmaterialien über „Regenbogenfamilien“ auf Eis gelegt. Das dazu präsentierte Papier sei „in der vorliegenden Form“ nicht geeignet für die Schulen in Schleswig-Holstein, erklärte ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage.

Adressat des Lehrmaterials waren Schüler im Alter bis zehn Jahre. Die Überlegungen sind Teil eines unter Federführung des Lesben- und Schwulenverbandes Schleswig-Holstein laufenden Aktionsplans „für Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten – Echte Vielfalt“.

Das Land unterstützte die Aktion mit angeblich 20.000 Euro. Grundlage war ein Landtagsbeschluss mit dem Titel „Miteinander stärken, Homophobie und Diskriminierung bekämpfen“.

Doch bereits der erste Entwurf des „Methodenschatzes“ war zu Jahresbeginn durchgefallen. In dem Papier mit dem Titel „Echte Vielfalt unterm Regenbogen“ geht es um Homosexualität ebenso wie um Leihmutterschaft, Geschlechtsumwandlung oder Polygamie. In einer Passage waren Familien aus Vater, Mutter und Kind gleichsam als Randerscheinung dargestellt worden. „Hin und wieder gibt es einen Papa und eine Mama“, heißt es in dem Diktattext.

Kritik an dem Papier war auch vom Schwulen- und Lesbenverband gekommen. Der hatte den Auftrag zur Ausarbeitung eines Broschürentextes an das Kieler Petze-Institut für Gewaltprävention weitergereicht. Zum Frühjahr sollte eine neue Fassung vorliegen. Die aber verzögerte sich immer wieder mit dem Hinweis auf eine Prüfung des Materials durch Experten aus dem Sozial- und dem Bildungsministerium.

Was aus dem Parlamentsauftrag von Anfang 2014 wird, ist offen. „Das Bildungsministerium wird in Abstimmung mit dem Sozialministerium erarbeiten, in welcher Form das Thema an den Schulen behandelt wird“, hieß es dazu von der Landesregierung. Details dazu sind noch nicht bekannt.


Realsatire

Ein Kommentar von Annette Schnoor

Keine Frage – wollen wir künftigen Herausforderungen erfolgreich begegnen, brauchen wir eine tolerante Gesellschaft. Wir brauchen Menschen, die mutig auf Fremde und Fremdes zugehen, Männer und Frauen, denen die Integration von Flüchtlingen keine Angst macht, die weniger Hindernisse als viel mehr Potenziale sehen und sich nicht darum scheren, wie andere leben und lieben, solange es dabei allen gut geht.

Wir können mit Überalterung, Fachkräftemangel und Flüchtlingsintegration fertig werden, wenn wir so mutig sind, auch ungewöhnliche Lösungswege zu gehen.

Und: Früh übt sich, wer mutig und tolerant werden will. Insofern mag es ein gut gemeinter Gedanke gewesen sein, mit speziellen Lehrmaterialien schon bei Grundschülern den Grundstein zu Toleranz gegenüber jeglicher sexueller Ausrichtung wecken zu wollen. Doch Diktat-Sätze wie „Manchmal gibt es einen Papa oder eine Mama. Manchmal gibt es zwei Mamas oder zwei Papas. Gelegentlich gibt es einen Papa, der früher einmal eine Frau war oder eine Mama, die früher einmal ein Mann war“, eignen sich allenfalls als Realsatire.

Nein, es gibt keine zwei Mamas und es gibt auch keine zwei Papas. Das sollte wissen, wer Kinder zu Mut und Toleranz erziehen will. Kinder brauchen Sicherheit und Identität. Sie brauchen das Wissen um ihre Wurzeln, also ihre biologischen Eltern. Und sie brauchen zuverlässige Bindungen. Das gilt unabhängig davon, ob die Jungs und Mädchen bei gleichgeschlechtlichen Partnern aufwachsen oder in einer traditionellen Familie. Wer so – wo und wie auch immer – gelernt hat, sicher auf dem Boden der Realität zu stehen, kann es sich leisten, mutig und tolerant zu sein. Alle anderen brauchen ihre Angst, um sich dahinter verstecken zu können.

Familien wie staatliche Bildungseinrichtungen – Kindergärten und Schulen – tragen eine große Verantwortung, wollen sie die ihnen anvertrauten Kinder wirklich zur Toleranz ermutigen. Für eine auf ihre Weise  Angst besetzte Klientelpolitik ist da kein Platz.

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