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Politik

08. Dezember 2016 | 01:20 Uhr

Bildungsmonitor 2016 : Bildungsvergleich der Länder: SH verliert weiter an Boden

vom

Die Studie untersucht Bildungschancen von der Kita bis zur Uni. Die Ergebnisse für SH sind kein Grund zur Freude.

Berlin/Kiel | Schleswig-Holstein hat im Bildungsvergleich der Länder nach einer neuen Studie weiter an Boden verloren. Im neuen Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landet das nördlichste Bundesland auf Platz 13.

Schleswig-Holstein hat als einziges Land gegenüber 2013 Punkte verloren. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Daten erhielt das nördlichste Bundesland auf einer Skala von 0 bis 100 mit 44,4 Punkten 0,2 weniger als drei Jahre zuvor. Die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. Ganz am Ende liegt Berlin mit 41,6.

<p>Das Ranking der 16 Bundesländer.</p>

Das Ranking der 16 Bundesländer.

Foto: Instituts der deutschen Wirtschaft
 
Was ist das genau für eine Studie?

In die Studie Bildungsmonitor 2016 werden 93 Indikatoren einbezogen. Darunter Indikatoren zur Beschreibung der Infrastruktur, beispielsweise die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten sowie die Betreuungsrelationen an Schulen.

Weitere Idikatoren sind der Zugang zu Bildung, Schulabbrecherquoten, Abbrecherquoten von Ausländern und der Anteil der Schüler, die von Bildungsarmut betroffen sind. Außerdem werden Indikatoren einbezogen, welche die Qualität der schulischen Leistung und den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen abbilden.

Damit messen die Indikatoren sowohl Aspekte der Bildungsgerechtigkeit, als auch Impulse des Bildungssystems zur Stärkung der Qualifikationsbasis der Volkswirtschaft. Die zu Grunde liegenden Daten beziehen sich zumeist auf das Jahr 2014 oder 2015: zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine aktuelleren statistischen Daten in Deutschland vor.

Neben einer Bestandsaufnahme zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems werden die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2016 auch mit dem Vorjahr verglichen. So gibt die Studie auch darüber Auskunft, welches Bundesland die größten Verbesserungen in seinem Bildungssystem erreicht hat. Im Bildungsmonitor 2016 wurde als Sonderkapitel die Bildungsintegration von Flüchtlingen näher betrachtet.

 

Gemessen an der Zahl der Studienberechtigten gibt es der Studie zufolge im Norden wenige Hochschulabsolventen. Wenig Bedeutung an den Hochschulen hätten die „MINT“-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). In Kitas und Schulen nutzten eher wenige Kinder Ganztagsangebote. An weiterführenden Schulen und Hochschulen entfallen auf jeweils eine Lehrkraft relativ viele Schüler und Studenten. Unter letzteren sind auch wenige Ausländer.

Stärken ermittelte die Studie für den Norden auch: Nur wenige Kinder werden verspätet eingeschult oder bleiben sitzen. Und viele Teilnehmer der Berufsvorbereitung machen einen erfolgreichen Abschluss. Erstmals erreichten die Länder in dem Bildungsmonitor im Gesamtbild der zwölf untersuchten Handlungsfelder keine Fortschritte zum Vorjahr. Studienleiter Axel Plünnecke forderte die Länder auf, der Bildung in ihren Haushalten einen höheren Stellenwert zu geben.

Hamburg weist besonders Stärken in der Internationalisierung, der Förderinfrastruktur und der Forschungsorientierung auf Nachholbedarf zeige sich im Fach Mathematik; hier erreichten viele Schüler die Mindeststandards nicht. Positiv bewerten die Forscher bei einer erstmaligen Sonderstudie zudem die Bildungsinitiativen für Flüchtlingskinder sowie das Hamburger Modell zur Integration von Flüchtlingen in die Schulen.

Besonders gute und schlechte Ergebnisse gab es in folgenden Bereichen:

Zeiteffizienz (Platz 2 von 16)

Bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses ist das Land relativ weit vorangekommen. Im Jahr 2014 begannen 77,7 Prozent der Studienanfänger in Schleswig-Holstein einen der neuen Bachelorstudiengänge. Im Bundesdurchschnitt belief sich dieser Anteil auf 74,5 Prozent. Auch die Wiederholerquoten waren im Jahr 2014 in Schleswig-Holstein geringer als in den meisten anderen Bundesländern. In den Grundschulen betrug die Wiederholerquote 0,3 Prozent und war die niedrigste aller Bundesländer. Zudem wurden nur sehr wenige Kinder verspätet eingeschult.

Bildungsarmut (Platz 6 von 16)

In verschiedenen Kompetenzerhebungen (IQB) ist sowohl bei den Kindern aus der 4. Klasse als auch bei denen aus der 9. Klasse nur ein unterdurchschnittlicher Anteil zur Risikogruppe zu zählen. Die Absolventenquote des Berufsvorbereitungsjahrs fiel mit 61,5 Prozent im Jahr 2014 höher aus als im gesamtdeutschen Durchschnitt (56,7 Prozent). Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss fiel jedoch mit 7,7 Prozent in Schleswig-Holstein schlechter aus als im bundesdeutschen Durchschnitt (5,5 Prozent).

Hochschule und MINT (Platz 16 von 16)

Im Jahr 2014 verließen mehr Studienanfänger Schleswig-Holstein als von anderen Ländern zuwanderten. Daher war der Anteil der Studienabsolventen an der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2014 der zweitgeringste in ganz Deutschland. Die Akademikerersatzquote betrug 4,4 Prozent (Bundesdurchschnitt: 5,0 Prozent).

Der MINT-Anteil am wissenschaftlich-künstlerischen Personal an den Hochschulen fiel im Jahr 2014 mit 30,2 Prozent nur noch in Mecklenburg-Vorpommern schlechter aus als in Schleswig-Holstein (Bundesdurchschnitt: 37,4 Prozent).

Förderinfrastruktur (Platz 15 von 16)

Bei den 3- bis 6-jährigen Kindern lag die Ganztagsquote in Schleswig-Holstein im Jahr 2015 mit 29,6 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts von 43,7 Prozent. Unterdurchschnittlich ist auch die Ganztagsquote bei den Grundschülern und den Schülern aus der Sekundarstufe I. Im Jahr 2014 betrug der Anteil 19,8 Prozent bzw. 30,0 Prozent (Bundesdurchschnitt: 32,9 bzw. 39,6 Prozent).

Betreuungsbedingungen (Platz 15 von 16)

Die Schüler-Lehrer-Relation fiel insbesondere in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium), in der Sekundarstufe II und an den Ganztags-Berufsschulen ungünstig aus. In der Sekundarstufe II kamen im Jahr 2014 rechnerisch auf 1 Lehrkraft 14,9 Schüler. Dies ist die schlechteste Relation aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 12,3).

Eine unterdurchschnittliche Betreuungsrelation besteht weiterhin an den Hochschulen. Auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen im Jahr 2014 19,4 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,1).

Internationalisierung (Platz 15 von 16)

Nur wenige Bildungsausländer studierten im Jahr 2014 in Schleswig-Holstein. Der Anteil an allen Studierenden war mit 6,1 Prozent der zweitniedrigste nach Mecklenburg-Vorpommern (Bundesdurchschnitt: 9,1 Prozent).

Weiterhin fiel in Schleswig-Holstein im Jahr 2014 der Anteil der Grundschüler mit Fremdsprachenunterricht mit 49,2 Prozent unterdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 67,5 Prozent).

Beim Anteil der Berufsschüler mit Fremdsprachenunterricht konnte Schleswig-Holstein einen leicht überdurchschnittlichen Wert erzielen. Die Englischkompetenzen der Schüler im Hör- und im Leseverständnis fielen jedoch wiederum unterdurchschnittlich aus.

Alle Ergebnisse der zwölf Handlungsfelder im Überblick:

Foto: Instituts der deutschen Wirtschaft
 

Ergebnisse für Hamburg und alle anderen Länder gibt es hier.

Neben den zwölf Handlungsfeldern untersucht der Bildungsmonitor 2016 in einer Sonderstudie zusätzlich erstmals die Herausforderung der Flüchtlingsmigration für die Bildungspolitik der Bundesländer. Bundesweit sind nach Berechnungen des IW für den zu erwartenden Bestand an Geflüchteten für das Jahr 2017 zusätzliche öffentliche Bildungsausgaben in Höhe von rund 3,5 Mrd. Euro notwendig – der entsprechende Anteil für Schleswig-Holstein beläuft sich auf rund 117 Mio. Euro. Vor allem zusätzliche Lehrkräfte an Schulen sowie Kapazitäten in der Ausbildungsvorbereitung werden benötigt. Positiv zu bewerten sind die vielen Initiativen, die den Übergang in eine Ausbildung und Beschäftigung fördern.

Aus bildungspolitischer Sicht bietet die beschlossene Wohnsitzauflage für Flüchtlinge die Perspektive, ein besseres Matching zwischen Bildungschancen und Wohnort zu erreichen. So leben pro 10.000 Einwohner bisher in den städtischen Kreisen Kiel und Flensburg sowie im Landkreis Steinburg vergleichsweise viele arbeitssuchende Flüchtlinge, während in Flensburg und Lübeck sowie im Landkreis Ostholstein gemessen an der Bevölkerung viele Ausbildungsstellen unbesetzt sind.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 15:14 Uhr

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