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Politik

24. März 2017 | 15:00 Uhr

Flugzeug ohne Funkkontakt in Jena : Atomkraftwerke in SH mussten geräumt werden – Demo von Aktivisten beendet

vom

Renegade-Voralarm führt zu Evakuierung der AKWs. In Brokdorf lief parallel eine Demo.

Brokdorf | Wegen eines fehlenden Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum mussten die Kernkraftwerke Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) und Brokdorf kurzzeitig geräumt worden. Die Situation sei nach kurzer Zeit wieder unter Kontrolle gewesen, teilte das für die Atomaufsicht zuständige Energiewende-Ministerium in Kiel mit. Eine Räumung des dritten schleswig-holsteinischen Atomkraftwerks Krümmel (Kreis Herzogtum Lauenburg) war demnach nicht nötig gewesen.

Der Funkkontakt zu dem Verkehrsflugzeug war laut Ministerium zwischen 10.27 und 10.49 Uhr 22 Minuten unterbrochen. Danach wurde die Anordnung zur Räumung aufgehoben. Nach unbestätigten Informationen war der Funkkontakt zum Flugzeug über Thüringen abgebrochen.

Es habe sich um einen sogenannten Renegade-Voralarm gehandelt, erläuterte das Ministerium. Renegade-Fälle sind solche, in denen möglicherweise ein Luftfahrzeug aus terroristischen oder anderen Motiven als Waffe verwendet werden könnte.

In Deutschland war 2003 das Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in der Gemeinde Uedem (Nordrhein-Westfalen) eingerichtet worden, um den Luftraum vor solchen Bedrohungen zu schützen. Hintergrund sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

In den Kernkraftwerken Brokdorf und Brunsbüttel blieben nur Notbesetzungen. „Auslöser war, dass der Funkkontakt zu einem Verkehrsflugzeug im Luftraum der Bundesrepublik mit Kurs London abgerissen war“, teilte das Ministerium weiter mit.

Die seit dem frühen Freitagmorgen laufende Demonstration von rund 30 Aktivisten vor dem Kernkraftwerk in Brokdorf (Kreis Steinburg) war am Nachmittag beendet. Gegen 14.30 Uhr haben sich die Demonstranten von den beiden durch sie besetzten Tore entfernt, teilte die Polizei mit.

Rund 30 Demonstranten blockierten seit dem frühen Freitagmorgen die beiden Einfahrten zum Kernkraftwerk an der Elbe. Fußgänger konnten passieren, Fahrzeuge aber nicht, teilte eine Polizeisprecherin mit. „Heute früh haben AktivistInnen von ContrAtom, Robin Wood und der BI Kiel gegen Atomanlagen die Schließung des Atomkraftwerks Brokdorf selbst in die Hand genommen und verhindern die Arbeiten zum Wiederanfahren des Reaktors“, hieß es am Freitagmorgen in einer Presseerklärung der Blockierer. Die Demonstranten stellten Fässer auf, teils ketteten sie sich auch an die Fässer und an den Zaun des AKW-Geländes. Sie fordern die sofortige Schließung aller Atomanlagen weltweit. Anlass ist der Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vom 11. März 2011. Soweit war alles friedlich.

Seit Beginn der planmäßigen Jahresrevision am 4. Februar ist Brokdorf vom Netz. Der Grund: Es war festgestellt worden, dass sich an Brennstäben außergewöhnlich dicke Oxidschichten gebildet hatten.

Die Aktivisten blockierten die Tore.
Die Aktivisten blockierten die Tore. Foto: Volker Mehmel

Der für die Atomaufsicht zuständige Energie- und Umweltminister Robert Habeck Habeck (Grüne) sprach kürzlich von einem ernstzunehmenden Befund. „Besorgniserregend ist vor allem, dass die Prozesse im Reaktorkern offensichtlich anders ablaufen als erwartet“, sagte Habeck. „Eine so starke Oxidierung in kurzer Zeit sprengt alle bisherigen Prognosen.“ Erst wenn die Ursache geklärt sei, könne das Akw wieder anfahren. „Alles andere wäre fahrlässig.“ Eine Ministeriumssprecherin sagte am Freitag, die Ursache sei weiterhin ungeklärt. Daher sei noch nicht absehbar, wann Brokdorf wieder ans Netz gehen könne. Brokdorf ist das letzte verbliebene Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produzieren darf.

Nach Ansicht der Demonstranten hat die Katastrophe von Fukushima gezeigt, „es kann kein sicheres Atomkraftwerk geben!“ Infolge eines Erdbebens und Tsunamis kam es in Fukushima in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze, es trat radioaktive Strahlung aus. Zahlreiche Bürger-Initiativen haben zum sechsten Jahrestag dazu aufgerufen, mit Mahnwachen an das Unglück zu erinnern. Am Samstag ist eine Demonstration von Atomkraftgegnern in Hamburg geplant.

Am 11. März 2011 hatte im japanischen Fukushima eine fatale Flutwelle die Atomkatastrophe ausgelöst: Sie beschädigte unter anderem das Atomkraftwerk an der Ostküste. Etwa 19.000 Menschen kamen ums Leben oder werden bis heute vermisst.

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erstellt am 10.Mär.2017 | 15:49 Uhr

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