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Politik

25. Februar 2017 | 15:07 Uhr

Studium in SH : Arme Studenten – teurer Wohnraum: Die Situation ist nochmal schlimmer geworden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Junge Menschen in SH haben immer mehr Probleme, eine Unterkunft zu finden. Es gibt kaum noch Plätze in Wohnheimen.

Sie sind verzweifelt. Für so manchen geht es in diesen Tagen nicht einmal mehr um einen Platz in einer Wohngemeinschaft. Geschweige denn um die eigene Wohnung. Mancher sucht nur noch einen Platz für die Nacht. Die Szenen, die Mitglieder aus Schleswig-Holsteins Allgemeinen Studierendenausschüssen (Asta) berichten, schildern, sind zum Teil dramatisch. „Insgesamt sehen wir die Lage als prekär an“, sagt Timo Pawlytsch vom hochschulpolitischen Referat des Asta der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel.

Zu teuer, zu viele Mitbewerber, zu schlechte Lage - in vielen deutschen Städten hat sich die Wohnsituation für Studierende im Vergleich zum Vorjahr drastisch verschlechtert. Doppelte Abiturjahrgänge und der Wegfall von Wehrpflicht bzw. Zivildienst haben in der Vergangenheit für deutliche Zuwächse an den Universitäten gesorgt und die Lage auf dem Wohnungsmarkt zusätzlich verschärft.

Immer häufiger würden Studenten Rat beim Asta suchen, weil sie auf dem Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt nicht fündig geworden seien. Besonders betroffen seien internationale Studierende und auch jene, die im Nachrück-Verfahren ihre Plätze erhalten. „Das entscheidet sich so spät, dass man eigentlich gar keine realistische Chance mehr hat, etwas zu finden“, so Pawlytsch.

Zuwachsraten an Hochschulen treiben Preise in die Höhe

Es ist nicht nur sein Eindruck. Es sind nicht nur bedauerliche Einzelfälle. Eine aktuelle Studie, die das Moses-Mendelssohn-Institut im Auftrag des Immobilienentwicklers GBI erarbeitet hat, zeigt das. Ihr zufolge hat sich die Wohnsituation der Studenten in vielen Hochschulstädten der Republik verschärft. Untersucht wurden alle Hochschulstädte mit mehr als 5000 Studenten. In 19 Städten schätzen die Forscher die Wohnsituation als besonders kritisch ein. Allen voran stehen auf den ersten drei Plätzen München, Frankfurt und Köln. Hamburg folgt auf dem vierten Platz. Kiel kommt auf Platz 25 – vier Plätze höher als ein Jahr zuvor.

„Während München in Sachen des schwierigen Wohnungsmarktes für Studierende lange Zeit eine absolute Sonderstellung hatte, machen diese jetzt auch in anderen Städten fast ähnliche Erfahrungen“, sagt Instituts-Leiter Stefan Brauckmann. Dem Ranking liegt ein Index zugrunde, der mit einem Zahlenwert zwischen 0 und 100 die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt für Studenten wiedergibt. „Seit 2013 stieg der Anspannungs-Index deutschlandweit kontinuierlich an“, sagt Brauckmann.

Mit mehr als 6000 neuen Studenten rechnet die Kieler Christian-Albrechts-Universität in diesem Jahr insgesamt – 1000 bis 1500 Studenten mehr als noch im Wintersemester des Vorjahres werden wohl ihr Studium aufnehmen. Und auf absehbare Zeit soll es nach Einschätzungen aus der Hochschulverwaltung auch in den kommenden Jahren bei diesen Zuwachsraten bleiben. An den anderen Hochschulstandorten im Land sieht es kaum anders aus. Das treibt die Preise in die Höhe.

Zahlen des Portals WG-gesucht.de zufolge, das mit dem Moses-Mendelssohn-Institut kooperiert, kostet ein durchschnittliches WG-Zimmer zum Semesterstart 349 Euro – 19 Euro mehr als noch ein Jahr zuvor. Als Mieter sind die Studenten vielen Eigentümern dabei durchaus willkommen, wie Heidrun Clausen vom Mieterbund Schleswig-Holstein erklärt. Wenigstens in der Hinsicht haben Studenten bei der Wohnungssuche somit kein Problem.

1200 Studierende warten in SH auf Wohnheimplätze

Beim Studentenwerk in Schleswig-Holstein kann man indes nicht sehen, dass sich die Situation so verschärft hat, wie in der Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts geschildert. „Die Wohnsituation für Studierende in Schleswig-Holstein ist zum Beginn dieses Wintersemesters erwartungsgemäß angespannt“, sagt zwar Sprecherin Kerstin Klostermann. Aktuell würden sich zirka 1200 Studierende auf der Warteliste für einen der Wohnheimplätze befinden, sagt sie. „Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen wir jedoch keinen Anstieg der Nachfrage.“

Klar ist aber, dass Schleswig-Holstein gerade beim Thema Wohnheimplätze Nachholbedarf hat. Zwar wurden in den vergangenen Jahren neue Wohnheime in Flensburg, Kiel, Lübeck und Heide errichtet und bestehende Einrichtungen erweitert. Doch der Bedarf wuchs schneller. Die Unterbringungsquote – also das Verhältnis der Wohnheimplätze zur Zahl der Studierenden – sinkt. Lag die Quote nach Angaben des Deutschen Studentenwerks im vergangenen Jahr noch bei 6,72 Prozent, so sind es nach aktuellen Zahlen der Dachorganisation in diesem Jahr sogar nur noch 6,36 Prozent – nur Berlin und Bremen schneiden bei der Unterbringungsquote noch schlechter ab.

In Hamburg hingegen liegt die Unterbringungsquote bei 7,73 Prozent – gegenüber dem Vorjahr steht aber auch in der Hansestadt ein Minus. Die Hochschulen werden überrannt – und lassen den Bedarf nach neuen Wohnungen und Wohnheimplätzen steigen. Immer weiter und weiter. Ein Ende der Entwicklung ist bislang nicht in Sicht.

Ranking: In diesen Städten ist die Wohnungssuche schwer:

Im Ranking wurden 91 Hochschulstädte erfasst. Der zugehörige Index gibt die Anspannung auf dem jeweiligen Wohnungsmarkt wieder. Je höher die Punktzahl, desto schwerer ist die Wohnungssuche. Maximal können 100 Punkte erreicht werden. (Quelle: MMI)

Rang Stadt Punkte
1. (1.) München 79,0 (79,0)
2. (2.) Frankfurt 77,5 (73,5)
3. (5.) Köln 76,0 (67,0)
4. (3.) Hamburg 74,0 (70,0)
5. (4.) Stuttgart 73,0 (69,0)
...    
26. (29.) Kiel 45,0 (41,0)
...    
57. (56.) Flensburg 32,0 (29,0)
...    
63. (63.) Lübeck 29,5 (27,5)
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erstellt am 26.Sep.2016 | 18:41 Uhr

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