zur Navigation springen

Hans-Werner Rogge : Anti-Korruptionsbeauftragter gab neun Fälle an Staatsanwaltschaft

vom

Ein Ex-Kripobeamter kämpft gegen die Korruption in Schleswig-Holstein. Im Zweifel schaltet er die Staatsanwaltschaft ein.

Kiel | Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Hans-Werner Rogge, hat im zweiten Halbjahr 2016 insgesamt neun Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. „Ich versuche, das Dunkelfeld ein bisschen zu reduzieren“, sagte Rogge am Mittwoch. 64 Hinweisen ging der pensionierte Kriminalbeamte im vergangenen Jahr nach. Davon landeten 22 bei der Staatsanwaltschaft, „oftmals auch im Zweifel“. „Mein Filter ist eher grob als fein“, sagte Rogge. Ihn wundere deshalb nicht, dass die Anklagebehörde viele Verfahren letztlich einstelle. In einigen Fällen dauere es ein bis zwei Jahre, bis Anklage erhoben wird. Seine Aufgabe sei es, „eine Reihe dieser Fälle aus dem Dunkelfeld zu holen“. Er schätzt, dass nur ein Zehntel der Fälle ans Licht gelangt.

„Bei Korruptionsdelikten gibt es immer nur Täter“, sagte Rogge. Einer, der jemanden besteche, und ein anderer, der sich von diesem bestechen lasse. Entsprechend groß sei das Dunkelfeld in diesem Bereich der Kriminalität. Informanten können sich bei ihm deshalb persönlich oder auch anonym melden. „Ich bin nur das große Ohr“, erklärte Rogge. Er prüfe alle Hinweise.

Seit Einrichtung des Amtes im Jahr 2007 gab es insgesamt 592 Hinweise an den Korruptionsbeauftragten, der nach seiner Prüfung in 176 Fällen die Staatsanwaltschaft einschaltete.

Zu den Erfolgen des Landesbeauftragten zählt ein Fall aus dem Jahr 2015. Im September meldete ein Informant den Verdacht auf gewerbsmäßige Bestechung eines Bundeswehr-Mitarbeiters durch den Geschäftsführer eines Sicherheitsunternehmens. Er soll dem Mitarbeiter für verfälschte Dienstpläne in einem Zeitraum von zwei Jahren Bargeld in Höhe von jeweils 4000 bis 5000 Euro gezahlt haben.

Dabei ging es um die Bereitstellung von zivilem Wachpersonal für eine Bundeswehr-Liegenschaft. Die dargestellten Leistungen erbrachte das Unternehmen aber nicht annähernd. Der Bundeswehr soll dadurch ein Schaden in Höhe von knapp einer Million Euro entstanden sein. Gegen den Bundeswehr-Mitarbeiter wird mittlerweile wegen Verdachts der gewerbsmäßigen Bestechlichkeit und des gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt.

Schleswig-Holstein ist laut Rogge bundesweit das einzige Flächenland, das bei der Justiz eine zentrale Staatsanwaltschaft in Kiel für diesen Kriminalitätsbereich hat. Rogge war bis 2013 Leiter des Landeskriminalamts. Seit August 2014 ist er Beauftragter.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 12:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen