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Politik

03. Dezember 2016 | 10:42 Uhr

Nach Silvester in Köln und Hamburg : „Antänzer“ bleiben ein Problem: Das sind die Tipps der Polizei

vom
Aus der Onlineredaktion

Selbstverteidigungskurse sind nach wie vor gut besucht. Die Polizei gibt Verhaltenshinweise für Großveranstaltungen.

Kiel | Silvester in Köln und Hamburg, Pfingsten in Berlin, demnächst womöglich auf der Kieler Woche oder der Holstenköste? Sexistische Übergriffe gepaart mit Diebstahl verunsichern die Bevölkerung. In Köln will man die Domplatte beim nächsten Jahreswechsel zum Sperrgebiet erklären. In Berlin konnte die im April gegründete Soko „Antänzer“ elf junge Männer noch am Tatort festnehmen. Und auch im Norden ist die Polizei aktiv: „Wir arbeiten an Konzepten, um Großveranstaltungen in Schleswig-Holstein sicher zu machen“, erklärte am Wochenende der Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel.

„Taharrush gamea“ ist anglifiziertes Arabisch und bedeutet in etwa „kollektive Belästigung“. In der Realität verbirgt sich dahinter die gemeinschaftlich begangene sexuelle Belästigung von Frauen. „Die Männer gehen die Frauen an, indem sie sie umkreisen, einzingeln und schließlich belästigen und anfassen“, berichtet BKA-Pressesprecher Markus Koths. In arabischen Ländern kann das im schlimmsten Fall bis hin zur Vergewaltigung gehen.

Hierzulande gibt es laut Polizei seit einigen Jahren ein ähnliches Phänomen – das sogenannte „Antanzen“. Allerdings mit einer unterschiedlichen Absicht: Das eine Mal gehe es um Sexualdelikte, beim klassischen „Antanzen“ jedoch eher um Eigentumskriminalität. „Es gibt jedoch auch Mischformen, sprich, dass Frauen durch Bedrängungen sexuell belästigt werden und es gleichzeitig zu Diebstählen kommt.“ Laut BKA ist es in der Silvesternacht nicht nur in Köln zu sexuellen Übergriffen gekommen, sondern mehrere Bundesländer waren „in sehr unterschiedlichem Ausmaß von dem Phänomen betroffen“.

Den eigenen Gefühlen trauen

Um nicht zum Opfer von solchen Übergriffen in der Öffentlichkeit zu werden, ist es vor allem wichtig, dass betroffene Frauen ihren eigenen Gefühlen trauen. Markus Koths: „Wenn Frauen ein beklemmendes Gefühl dabei haben, wenn sie auf eine Gruppe Männer stoßen oder eine Situation wahrnehmen, von der eine Gefahr ausgehen könnte, sollten sie ihrer Intuition auf jeden Fall vertrauen und vermeiden, in diese Situation hineinzugeraten.“ Dazu müsse man notfalls auch bereit sein, Umwege in Kauf zu nehmen. Außerdem sollte man schauen, ob eventuell Polizisten in der Nähe sind, die man ansprechen kann.

Eine weitere Möglichkeit sei, sich einer Gruppe anzuschließen, auf deren Friedfertigkeit man vertrauen könne. Sollte es trotz allem zu einem Übergriff kommen, sei es ganz wichtig, dass man sich wehrt. „Hierbei dann möglichst mutig und entschlossen vorgehen. Aber auch lautes Schreien ist eine gute Methode Passanten auf sich aufmerksam zu machen“, meint der BKA-Pressesprecher. Dazu gehöre auch, eine Person in der direkten Umgebung ganz konkret anzusprechen, so dass diese sofort weiß, dass nur sie gemeint ist. „Eine direkte Ansprache wie ‚Sie da drüben mit der Brille und dem blauen Anorak, rufen Sie bitte die Polizei!‘ ist verbindlich und erhöht den Druck zu helfen.“

Sollte es vorher keine Möglichkeit geben polizeiliche Hilfe zu holen, sollten Betroffene spätestens nach dem Übergriff den Notruf wählen und die Polizei verständigen. Darüber hinaus können sich weibliche Opfer von sexuellen Übergriffen auf der Webseite „Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen“ des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben weitere Beratung und Unterstützung einholen.

Wichtige Tipps

  • Mindestens zu zweit oder dritt gehen.
  • Turnschuhe statt High Heels tragen, damit man weglaufen kann.
  • Alkohol und Drogen meiden.
  • Am besten nur aus Flaschen trinken und selbst den Flaschendeckel entfernen.
  • Nicht nur auf das Handy schauen, sondern aktiv die Gegend observieren.
  • Im Ernstfall nicht wie ein Opfer, sondern wie ein Gegner handeln: Genitalien, Gelenke, Augen, Nase und Ohren als Verteidigungsziele wählen, weil dort das Schmerzempfinden am stärksten ist.

Hilfreich sind auch Selbstverteidigungskurse. Die sind auch fünf Monate nach Köln noch immer stark nachgefragt. So ist zum Beispiel beim 1. SC Norderstedt, der entsprechende Workshops anbietet, auch der Mai-Kurs bis auf den letzten Platz belegt.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 17:54 Uhr

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