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Politik

05. Dezember 2016 | 09:26 Uhr

Regionalkonferenz : Angela Merkel in Neumünster: „CDU ist keine Mäkelpartei“

vom

Es ist der erste Auftritt vor der Parteibasis nach Merkels Ankündigung, 2017 wieder als Spitzenkandidatin anzutreten.

Neumünster | Auf einmal ist es die Kanzlerin, die Applaus spendet. Der Abend in Neumünster ist für Angela Merkel ein leichter. Sie hat die Holstenhallen am Freitagabend noch nicht betreten, da brandet Applaus auf. Es wird nicht das letzte Mal sein. 25 Minuten spricht sie zu der norddeutschen CDU-Basis, die zur Regionalkonferenz gekommen ist. Dann können Fragen gestellt werden. Ein syrischer Flüchtling steht am Mikrofon. Der Mann aus Aleppo ist seit zwei Jahren in Deutschland, arbeitet als Dolmetscher. „Glauben Sie mir, keiner wollte unser Land verlassen, aber bei den Bomben bleibt einem nichts anderes übrig.“ Dann sagt er: „Deutschland hat uns geholfen. Wir werden das nie vergessen.“ Jetzt ist es die Kanzlerin, die eifrig in die Hände klatscht. Die oftmals unnahbare Kanzlerin wird emotional. „Wie Sie sich einbringen, ist bewegend. Es ist beklemmend für mich, jeden Abend die Bilder aus Aleppo zu sehen. Auch wenn wir noch keine Lösung gefunden haben, wir denken jeden Tag darüber nach, wie wir das ändern können.“

Auch wenn es nur kurz aufflammt, da ist es wieder, das Thema, das Angela Merkel in den vergangenen 12 Monaten umgetrieben hat wie kein zweites: die Flüchtlingsproblematik. Merkel war viel unterwegs. Um wieder Herrin über die Flüchtlingsströme zu werden, jettete sie um die Welt. Nun, so scheint es, will sie wieder das Volk besser kennenlernen. In diesem Fall: die Basis ihrer eigenen Partei. Merkel testet die Stimmung. Vier Regionalkonferenzen finden vor dem Parteitag am 6. und 7. Dezember in Essen statt. Am Freitagabend die erste in Neumünster. Es folgen Heidelberg, Jena und Münster.

Merkel kommt mit Rückenwind in den Norden. Wenige Stunden vor ihrem Auftritt wird bekannt, dass laut aktuellem Politbarometer zwei Drittel der Deutschen eine erneute Kanzlerkandidatur Angela Merkels befürworten. Innerhalb der CDU sind es 90 Prozent. Und auch die norddeutsche Basis aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern steht hinter ihrer Chefin.

Seit einer Woche ist klar, dass Merkel nochmal als Kanzlerkandidatin antritt. Seit einer Woche ist Daniel Günther der Chef der schleswig-holsteinischen CDU und designierter Spitzenkandidat für die Landtagswahl im kommenden Jahr. Merkels Entscheidung wieder zu kandidieren sei „ein wichtiges Signal für Deutschland, aber auch für unseren Wahlkampf in Schleswig-Holstein“, ruft er den Parteimitgliedern zu. Er gibt sich als perfekter Stimmungsmacher. Die Menschen in der Halle applaudieren lautstark. Hinter ihnen steht Ingbert Liebing, Günthers Vorgänger. Auch er klatscht in die Hände – ein Lächeln auf seinem Gesicht sieht man allerdings nicht.

Angela Merkel gibt sich so, wie man sie kennt. Sie spricht über ihr Lieblingsthema, „das, was die CDU ausmacht“, die soziale Marktwirtschaft. Ihre Rede dreht sich unter anderem um die Digitalisierung, die Bildung und das Bekenntnis zu Europa. Zum Schluss wieder typisches Merkel-Vokabular. Sie spricht von Lösungen. „Die Union ist keine Mäkelpartei oder Problem-Auflistungs-Partei“, sagt sie. „Wir sind eine Partei mit Lösungskompetenz. Und wenn wir die Lösungen noch nicht haben, dann müssen wir welche finden.“ Applaus.

In der Fragerunde erklärt Merkel, dass sie bisher einmal mit dem designierten US-Präsidenten telefoniert habe. Einen Besuchstermin gebe es noch nicht. Zudem beteuert sie, dass der türkische Nato-Stützpunkt Incirlik der Standort für die Tornado-Soldaten im Kampf gegen die Terrormiliz bleiben soll. Erkundungen über mögliche Stützpunkte in Jordanien oder auf Zypern dienten dazu, Alternativen für den Notfall zu entwickeln. Hinsichtlich der Situation in der Türkei riet Merkel dazu, „den Gesprächsfaden zu erhalten“, die Situation aber kritisch zu betrachten. Wieder Applaus. Viele der Fragesteller nutzen die Gelegenheit, um der Kanzlerin zu sagen, wie sehr sie sich freuen, dass sie in Neumünster zu Gast ist und dass sie die CDU in den Wahlkampf führt.

Der Leitantrag des CDU-Parteitages in Essen ist  überschrieben: „Orientierung in schwierigen Zeiten – für ein erfolgreiches Deutschland und Europa“. Der Abend in Neumünster war für Merkel hingegen alles andere als schwierig.

Am Rande der Konferenz bedankte sich Hussam Mohamad (Foto) mit einem Blumenstrauß bei Merkel für die Chance in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Der Syrer macht in Horst eine Ausbildung zum Heizungsbauer.

Angela Merkel bekommt einen Blumenstrauß von Mohamad Hussam.
Angela Merkel bekommt einen Blumenstrauß von Hussam Mohamad. Foto: Thomas Nyfeler
 
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erstellt am 25.Nov.2016 | 19:46 Uhr

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