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Politik

10. Dezember 2016 | 04:06 Uhr

Schleswig : „An Hässlichkeit kaum zu überbieten“: Kritik an Umbauplänen für Schloss Gottorf

vom

Das Landesmuseum Schloss Gottorf hat über den 30 Millionen-Euro-Umbau informiert. Er ist umstritten.

Schleswig | Das Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig hat am Donnerstag über den rund 30 Millionen Euro teuren geplanten Umbau informiert. Das Herzstück des Projekts sei ein neun Millionen Euro teurer Anbau aus Glas an den Ostflügel des Schlosses, sagte Philip-Norman Peterson von Holzer-Kobler-Architekturen, die das Projekt betreuen. „Erstmals wird dadurch ein Rundgang durch die Obergeschosse möglich“, sagte er. 2018 soll Baubeginn sein.

Das Schloss Gottorf ist in ganz Schleswig-Holstein bekannt. Geplante, moderne Umbauten lösen meistens große Diskussionen aus . Mit einer neuen „Inszenierung“ will man jedoch gleichzeitig ein größeres Publikum locken.

Claus von Carnap-Bornheim ergänzte mit Blick auf Friedrich IV., der als Schlossherr im 17. Jahrhundert mehrere Umbauten in Auftrag gegeben hatte: „Der Anbau vollendet eine 300 Jahre alte Bauidee.“ Schließlich sei dieser Teil des Schlosses damals unvollendet geblieben. Der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen weiß aber auch: „So ein Eingriff provoziert immer eine kulturpolitische Debatte.“

Und der Anbau ist umstritten. Die an den Ostflügel grenzende Fläche wird derzeit zwar nur als Parkplatz genutzt. Wer frontal auf das Schloss blickt, bekommt sie nicht zu sehen - und die laut Architekt Peterson „ikonenhafte Fassade“ soll auch nach dem Umbau so bleiben.

Dennoch häufen sich etwa in den „Schleswiger Nachrichten“ in den vergangenen Tagen die Leserbriefe. „Eine an Hässlichkeit kaum zu überbietende Glas-Metallkonstruktion“, schreibt einer. In einem anderen dort erschienenen Brief heißt es: „Welcher Kulturbanause denkt sich im Zusammenhang mit einem historischen Bauwerk eine derartige Verunstaltung aus?“ Die Debatte entfachte, nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestags vergangene Woche 15,6 Millionen Euro für die Modernisierung des Schlosses bewilligt hatte.

Mit dieser Entscheidung hatten die Verantwortlichen des Museums eigenen Angaben zufolge erst in drei Jahren gerechnet - und daher erst nun begonnen, die Pläne einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Land Schleswig-Holstein hatte bereits zuvor angedeutet, die andere Hälfte der Kosten übernehmen zu wollen. Das Schloss soll mit dem Umbau unter anderem auch ein neues Eingangs- und Veranstaltungsgebäude erhalten und barrierefreier werden.

Und so verteidigte Carnap-Bornheim den geplanten Umbau gegen die Kritik. „Wir sind bewusst in die moderne Architektursprache gegangen“, sagte er. Etwas Historisierendes passe nicht dorthin. „Ich kann aber verstehen, dass die Leute aufgeregt sind“, sagte er. „Das ist Teil des Prozesses und kann für uns nur bedeuten, die Kommunikation voranzubringen und das Projekt zu erklären.“ Dem Projekt waren nach Angaben des Museums eine Besucherbefragung und ein Ideenwettbewerb zwischen verschiedenen Architekten vorangegangen.

Auch der Denkmalschutz sei eingebunden gewesen. „Das ist eine der wertvollsten Immobilien, die wir in Schleswig-Holstein haben“, sagte von Carnap-Bornheim. Der Umbau „weg vom starren Vitrinen-Museum“ zur Inszenierung sei nötig, um auch künftig Besucher anzulocken.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 18:33 Uhr

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