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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Schulen in SH : Plötzlich ist der Lehrplan ganz anders - Bio-Lehrer sind stinksauer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In den Ferien wurde einfach der Lehrplan geändert. Viele Lehrer haben erst jetzt davon erfahren. Was sich ändern soll.

Kiel | Neue Kritik an Bildungsministerin Britta Ernst (SPD): Als „skandalös“ bezeichnet der Vorsitzende des Philologenverbandes Schleswig-Holstein, Helmut Siegmon, einen Erlass des Ministeriums, von dem die meisten Biologielehrer während der Ferien überrascht worden seien und der bereits in Kraft getreten ist. „Die Lehrpläne für das Fach sind völlig umgestellt worden, da können die Lehrer ihre ganze Unterrichtsvorbereitung komplett in die Tonne treten“, schimpft der Chef der Lehrergewerkschaft. Es sei eine Entscheidung über die Köpfe der Pädagogen hinweg getroffen worden, das sorge für Groll. „Die Lehrer werden vor den Kopf gestoßen.“

Evolutionstheorie soll im Mittelpunkt stehen

Hintergrund ist eine Änderung des Lehrplanes für das Fach Biologie, die schon seit Monaten diskutiert wird, und die auch von der anderen Lehrergewerkschaft GEW abgelehnt wird. In einfachen Worten sollen einzelne Teilabschnitte des Unterrichts immer auf den Aspekt der Evolution bezogen werden. „Das Axiom wird total verschoben, weil sich so der Aufbau des Unterrichts vollkommen ändert“, meint Siegmon. So heißt es in den „Fachanforderungen Biologie Sekundarstufe I und II“, dass die Evolution eine in den Naturwissenschaften unbestrittene Theorie bildet, mit der Phänomene in allen Bereichen der Biologie erklärt werden können. Und: „Die Evolutionstheorie ist das vereinigende, übergreifende Organisationsprinzip der modernen Biologie.“ Die Regel gilt jeweils für alle neuen fünften und zehnten Klassen.

Die Änderung habe auch Auswirkungen auf Unterrichtsmaterial und Prüfungen, so Siegmon. Die meisten müssten neu konzipiert werden. „Und das bei einem Erlass, der viel kritisiert worden ist und jetzt einfach so von oben beschlossen wurde. Das ist irrsinnig.“

„Das Vorgehen hat Methode“

Dass so etwas geschieht, habe Methode, meint die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Anita Klahn. „Das hat es schon häufiger gegeben. Ich habe den Eindruck, dass die Ministerin das extra so macht, weil dann die Lehrer nicht mehr reagieren können.“ Klahn teilt die inhaltliche Kritik am neuen Lehrplan. Es sei eine „fundamentale Änderung“, der Schwerpunkt werde komplett anders gesetzt. Klahn hat im Landtag einen Antrag auf ein Moratorium für die neuen Lehrpläne gestellt. Nach der Sommerpause wollen die Abgeordneten darüber debattieren. Da das Schuljahr aber bereits am Montag begonnen hat, schwebten die Lehrer im Ungewissen – offiziell müssen sie sich nach den neuen Anforderungen richten.

Dass Lehrpläne angepasst werden, sei selbstverständlich und nötig, meint Klahn. Doch bei dem Plan für Biologie, der von vielen Fachlehrern inhaltlich arg kritisiert worden sei, störe sie besonders „die Art und Weise, wie Frau Ernst Lehrer vor vollendete Tatsachen stellt. Das zeigt, dass sie von der Lebenswirklichkeit in den Schulen und dem Alltag der Lehrer wenig Ahnung hat“. Ähnlich äußern sich die CDU und die Piraten.

Bildungsministerium weist Vorwürfe zurück

Ernsts Sprecherin weist die Vorwürfe „deutlich zurück“. Eine Lehrplanrevision sei ein lang angelegter Prozess, der viel diskutiert werde, erklärt Beate Hinse. „Die Fachschaften hatten die Möglichkeit, schriftliche Stellungnahmen abzugeben.“ Von den Erlassen könne deshalb niemand überrascht werden. Die seien am 13. Juli im Nachrichtenblatt, das an alle Schulen verteilt wird, veröffentlicht worden. Und in der vergangenen Woche habe es ein Schreiben an alle Schulleiter von Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe gegeben, in dem sie informiert worden seien, dass Fachkommissionen als Unterstützungsangebot für Lehrer Unterrichtsgänge für den fünften Jahrgang und das Einführungsjahr in die Oberstufe entwickelt haben, die als Grundlage für eine Unterrichtsplanung dienen können.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 12:13 Uhr

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