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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 22:23 Uhr

Netzausbau : Phantom-Strom aus SH kostet Verbraucher Millionen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Zahlen zeigen: In SH wird viel Energie erzeugt, die keiner abnehmen kann. Schuld ist der schleppende Netzausbau.

Kiel | Der nur schleppend vorangehende Netzausbau wird für die Stromverbraucher immer teurer. 295 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr als Entschädigungszahlungen für Strom aus Schleswig-Holstein fällig, der von den Netzbetreibern nicht abgenommen werden konnte. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Energiewendeministeriums in Kiel sowie des Netzbetreibers Tennet und der Schleswig-Holstein Netz AG hervor. Zum Vergleich: 2014 waren es noch 109 Millionen Euro, die in Schleswig-Holstein als Entschädigungszahlungen fällig wurden.

Insgesamt geht es um knapp 3000 Gigawattstunden aus Ökostrom – vor allem aus Windkraft –, die im vergangenen Jahr nicht produziert wurden, weil sonst die Stromleitungen überlastet gewesen wären. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch rund 1100 Gigawattstunden Strom, die abgeregelt werden mussten. „Der Anstieg ist ärgerlich“, sagte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). „Strom aus Erneuerbaren Energien abzuschalten, statt ihn zu nutzen, ist absurd“, so der Minister weiter. „Zumal wenn Kohle- und Atomstrom weiter fließen und die Netze verstopfen.“

Alles hängt dabei am Übertragungsnetzbetreiber Tennet, auf dessen Leitungen sich ein Großteil der Abregelungen im vergangenen Jahr zurückführen lässt. Tennet-Chef Urban Keussen zufolge ist Besserung jedoch in Sicht. „Mit der schrittweisen Inbetriebnahme der Westküstenleitung werden wichtige Meilensteine des Netzausbaus in Schleswig-Holstein erreicht“, sagte er. Zusammen mit dem geplanten Netzausbau in anderen Bundesländern sowie der Suedlink-Verbindung könnte die Abregelung von Windstrom ihm zufolge dann weitgehend vermieden werden. Allerdings verzögert sich die Fertigstellung der Suedlink-Verbindung bereits jetzt voraussichtlich um drei Jahre gegenüber den ursprünglichen Planungen.

Die Kosten für den Wegwerf-Strom teilen sich Stromverbraucher in Schleswig-Holstein mit jenen aus dem übrigen Netzgebiet von Tennet – also den Menschen in Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens. „Das ist gut für die schleswig-holsteinischen Stromkunden“, sagte Habeck. Zugleich plädierte er dafür, dass die gesamten Netzkosten der Energiewende bundesweit gewälzt werden müssten. Denn während das nördlichste Bundesland die Kosten für „Wegwerf“-Strom zwar nicht ganz alleine tragen muss, sieht dies doch beispielsweise bei den „vermiedenen Netzentgelten“ schon anders aus – diese machten allein in 2014 laut Schleswig-Holstein Netz AG rund 48 Millionen Euro aus.

Die Netzentgelte sind indes wohl nicht der einzige Kostenblock des Strompreises, der im kommenden Jahr nochmals zulegen könnte. Die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende hat kürzlich erst ausgerechnet, dass die EEG-Umlage im kommenden Jahr auf 7,1 bis 7,3 Cent pro Kilowattstunde Strom steigen könnte. Derzeit liegt die Umlage bei 6,35 Cent. Ob sich dies auf der Stromrechnung der Kunden bemerkbar macht, hängt aus Sicht der Organisation allerdings vom Stromversorger ab. „Die Kosten für die Stromverbraucher bleiben weitgehend konstant, wenn die Stromvertriebe ehrlich rechnen und ihre gesunkenen Einkaufspreise weitergeben“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 11:41 Uhr

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