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Schleswig-Holstein

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Zeit für Wünsche vom 9. bis 13. August : Perseiden in SH: Großer Sternschnuppenstrom am Nachthimmel

vom

Wo und wann sind die Perseiden in SH am besten zu bestaunen? shz.de sprach mit einer Meteorologin und einem Astronomen.

Himmelsgucker dürfen sich wieder freuen: Vom 9. bis 13. August gibt es besonders viele Perseiden am Nachthimmel über Schleswig-Holstein zu bestaunen. Insgesamt seien die Perseiden sogar von Mitte Juli bis Ende August sichtbar. Das Maximum erwartet der Schleswig-Holsteinische Astrophysiker Dr. Erik Wischnewski für die Nacht vom 11. auf den 12. August. Zwischen 22 und 4 Uhr können dann bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sichtbar sein.

Die Perseiden sind schnelle Sternschnuppen. Sie treten mit rund 60 Kilometer pro Sekunde - 216.000 Kilometer pro Stunde - in die Erdatmosphäre ein. Mit dieser Geschwindigkeit dauert ein Flug von der Erde zum Mond nur eineinhalb Stunden. In den Tagen vor und nach dem Maximum ist immer noch mit rund 50 Meteoren pro Stunde zu rechnen. Die Perseiden sind abgelöste Trümmerstücke des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Im Volksmund werden sie auch Laurentius-Tränen genannt. Der Märtyrer Laurentius wurde am 10. August 258 auf glühendem Rost zu Tode gefoltert.

Doch ausgerechnet in der Nacht vom 11. auf den 12. August stehen die Chancen, eine Sternschnuppe zu Gesicht zu bekommen, gar nicht gut. „Das Wetter ist schlecht“, sagt Diplom-Meteorologin Claudia Kahl von der Wetterwelt GmbH.  Es werde in ganz Schleswig-Holstein die Nacht durchregnen. „Ich sehe keine Chance, dass wir die Sternschnuppen zu sehen bekommen.“

Besser sieht es da schon in der heutigen Nacht vom 9. auf den 10. August aus. „Zwischendurch gibt es Schauer, aber der Himmel klart auf. “ Richtung Westküste sei am meisten Regen zu erwarten. „In Angeln, Ostholstein sowie im Kieler und Lübecker Raum wird es am besten.“ Kahl empfiehlt: Auf jeden Fall eine Jacke mitnehmen. Die Temperaturen werden in der Nacht einstellig, bis zu neun Grad.

Ähnlich wird das Wetter auch vom 10. auf den 11. August. Bis auf die Temperaturen, die werden im Landesinneren noch kälter, bis zu sieben Grad. An den Küsten können es bis zu zwölf Grad werden.

In der letzten Nacht des Sternschnuppenstroms besteht Hoffnung, ein paar mehr Himmelskörper zu sehen. In der ersten Hälfte wird es noch wolkig, aber ab Mitternacht lockert es auf, am ehesten in Stormarn, Steinburg und im Lauenburgischen.

Foto: dpa Infografik
 

Die Sternschnuppen erscheinen jedes Jahr im August. Wenn der Himmel bewölkt ist, ist aber leider nichts zu machen. „Sternschnuppen sieht man ausschließlich mit den bloßen Augen. Da hilft bei Wolken auch keine Sternwarte“, sagt Marco Ludwig, Leiter der Sternwarte Neumünster.

Am besten seien die Himmelskörper auf einem freien Feld, weit weg von Lichtquellen zu sehen. Es sei wichtig, die Augen vorab an die Dunkelheit zu gewöhnen. „Das kann bis zu 30 Minuten dauern.“ Wichtig: In der Zeit auf nichts Helles, wie etwa ein Handy-Display, schauen. Denn danach beginne die Eingewöhnungszeit von Neuem.  

So entstehen Sternschnuppen und Meteorströme

Leuchterscheinungen am Himmel werden Meteor oder Sternschnuppe genannt. Das Licht der Sternschnuppen stammt nicht von den verglühenden kosmischen Geschossen selbst, sondern von den Luftmolekülen der Erdatmosphäre: Die schnellen Teilchen aus dem All übertragen einen Teil ihrer Energie auf die Luftmoleküle, die daraufhin Licht aussenden. Besonders helle Objekte werden als Boliden bezeichnet.

Meteorströme treten jeden Jahr auf. Am bekanntesten sind die Quadrantiden im Januar, die Perseiden im Juli und August, die Leoniden im November und die Geminiden im Dezember. Meteorströme entstehen, wenn die Erde in die Flugbahn eines Kometen kommt.

 

So fotografiert man Sternschnuppen am besten

Wer von den Sternschnuppen länger etwas haben möchte und sie fotografiert, sollte ein paar Dinge beachten. Eine Expertin gibt dafür Tipps: Hobbyfotografen greifen am besten zu einem Weitwinkel-Objektiv, wenn sie Sternschnuppen auf dem Speicherchip festhalten wollen. Damit könne ein möglichst großer Himmelsbereich abgelichtet werden, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. „So erhöht man die Wahrscheinlichkeit, keine Sternschnuppe zu verpassen.“ Interessante Perspektiven biete etwa ein extrem weitwinkliges Fischaugen-Objektiv.

Fotografen auf Sternschnuppen-Jagd sollten der Expertin zufolge Spiegelreflex- oder kompakte Systemkameras nutzen. „Prädestiniert für Sternschnuppen-Fotografie sind Kameras, die sich manuell einstellen lassen“, erklärt Clauß. Damit das Bild scharf wird, bleibt der Autofokus aus und wird manuell auf unendlich gestellt - ansonsten versucht die Kamera immer wieder, selbst zu fokussieren. Die Handykamera ist dagegen eher ungeeignet.

Wichtig ist es, lange zu belichten, die Blende möglichst weit zu öffnen und die ISO-Empfindlichkeit gering zu halten. Bei einer langen Belichtungszeit von 30 Sekunden und mehr könne man sehr wahrscheinlich einige Sternschnuppen einfangen, erläutert Clauß.

Warum bringen Sternschnuppen Glück?

Sternschnuppen zaubern einen Lichtstreifen an den Nachthimmel. Dies zu sehen, soll Glück bringen - wenn man niemandem seinen Wunsch verrät und die Sternschnuppe als Einziger sieht.

Woher der Aberglaube kommt, ist unbekannt. Einst sahen Menschen in Sternen göttliche Lichtfunken am dunklen Firmament. Sternschnuppen galten als Dochte, die Engel beim Putzen der Himmelskerzen fallen ließen. Entsprechend hoffte man bei ihrer Erscheinung auf göttlichen Beistand oder zumindest einen Engel an der Seite, wenn es um unerfüllte Wünsche geht.

Allerdings bringen Sternschnuppen nicht überall Gutes. So gelten sie in der Mongolei als Unglückszeichen. Im Volksglauben der Steppenbewohner sind es sichtbar gewordene Seelen Gestorbener auf der Reise ins Jenseits. Auch die Ureinwohner auf den Andamanen-Inseln im Indischen Ozean fürchten sich vor Sternschnuppen. Sie sehen darin Fackeln, mit denen böse Waldgeister Jagd auf Menschen machen, die sich unvorsichtigerweise nachts im Freien aufhalten.

 
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erstellt am 09.Aug.2016 | 12:58 Uhr

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