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Schleswig-Holstein

25. Februar 2017 | 16:49 Uhr

Kommentar : Permanent an der Belastungsgrenze: Die Bahn ist auf falschem Kurs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Norden ist für die Deutsche Bahn wirtschaftlich uninteressant - Pendler in SH bekommen das zu spüren. Ein Kommentar.

Bedauerliche Einzelfälle – aus Sicht der Deutschen Bahn sind Zugausfälle und Verspätungen in Schleswig-Holstein kaum mehr als das. Nur: So einfach ist das nicht. Natürlich hat ein Bagger, der ein Kabel an einem Stellwerk beschädigt, erst einmal herzlich wenig mit einem Lastwagen zu tun, der eine Oberleitung rammt. Die Bahn trifft natürlich weder für den fahrlässigen Lkw-Fahrer noch für den Fehler eines Bagger-Fahrers die Schuld. Doch es sind eben solche Fälle, die ein System regelmäßig kollabieren lassen, das schon im normalen Alltag permanent an der Belastungsgrenze fährt – und sie dabei oft genug auch überschreitet.

Gerade Bahn-Reisende in Schleswig-Holstein können davon besonders oft ein Liedchen singen. Selbst der Fahrgast-Verband Pro-Bahn geht davon aus, dass Norddeutschland benachteiligt wird. Überraschen sollte das nicht: Wirtschaftlich ist der Norden für die Bahn uninteressant. Hier verdient sie kein Geld. Lieber lässt sie dafür rote Doppeldecker-Busse durch London rollen, baut Schienen-Verbindungen für Ölscheichs irgendwo in der Wüste oder schickt die Frachtladungen per Lkw (!) über das internationale Straßennetz.

Wirtschaftlich mögen viele dieser internationalen Tätigkeiten der Deutschen Bahn sogar sinnvoll sein. Doch genau darin liegt die Krux: Soll die Bahn ein hocheffizientes Unternehmen sein, das seinem Eigentümer – dem Bund – fette Gewinne beschert? Oder soll die Deutsche Bahn nicht vielmehr ein intaktes, gut funktionierendes und dichtes Schienennetz bereitstellen, um so Mobilität quer durch die Republik zu gewährleisten? Sie kann nicht beides sein. Das beweist sie regelmäßig.

Die Monopolkommission mahnt seit Jahren eine Trennung von Netz- und Bahn-Betrieb an. Der Wettbewerb auf der Schiene würde damit steigen, und eine staatliche Netzgesellschaft könnte sich unabhängig aller Konzern-Interessen um Ausbau und Erhalt der Schiene kümmern. Die Politik ignoriert diese Rufe regelmäßig – und schützt so einen zu großen, zu trägen Konzern. Dabei wäre es durchaus im Sinne von Berlin, Deutschlands Bahnverkehr in eine andere Richtung zu steuern. Nur so könnte eine Energiewende im Verkehr gelingen. Doch daran zeigt Berlin kein Interesse.

Am Bahnübergang Heisterender Chaussee in Horst im Kreis Steinburg hingen am Freitagmorgen die Stromkabel der Oberleitungen in einer Höhe von 2,50 Meter herab. Schuld ist nach Polizeiangaben ein Lkw, der an dieser Stelle die Bahn-Oberleitung gegen 6.30 Uhr beschädigte. Der Fahrer sei geflüchtet. „Ein später die Stelle passierender Lkw verfing sich in den Leitungen, vergrößerte den Schaden und blieb selbst nicht unversehrt“, teilte Merle Neufeld, Sprecherin der Polizeidirektion Itzehoe, am Freitag mit. Die Polizei sucht nun nach dem Fahrzeug, das den Unfall – und damit das gesamte Bahnchaos am Freitag – verursacht hat. Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit der  Polizeistation Horst, Telefon 04126-38404, in Verbindung zu setzen. Merle Neufeld: „Dies gilt natürlich auch für den Betroffenen selbst.“
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erstellt am 19.Nov.2016 | 09:05 Uhr

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