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Schleswig-Holstein

06. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Pendeln von Nord nach Süd

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Durch die neue Initiative „Job over grænsen“ sollen dänische Langzeitarbeitslose an Arbeitsplätze in Deutschland vermittelt werden

96 Prozent der 14.000 Grenzpendler kommen aus Deutschland und arbeiten in Dänemark.

Warum eigentlich nicht einmal in die andere Richtung pendeln? Diese Frage haben sich die Jobcenter der vier nordschleswigschen Kommunen gestellt und wollen nun eine neue Jobinitiative starten, mit der dänische Langzeitarbeitslose an freie Arbeitsplätze südlich der Grenze vermittelt werden sollen. Das Ziel ist, 30 Menschen pro Jahr zu einem neuen Job zu verhelfen.

„Das Projekt ist unsere Reaktion auf die neue Deutschland-Strategie der Regierung. Wir wollen nun sehen, ob auch etwas dahintersteckt“, so Nikolay Jensen, Leiter des Jobcenters in Apenrade, gegenüber Flensborg Avis.

Als erste Maßnahme sollen nun die 500.000 Kronen beim staatlichen Strukturfonds beantragt werden, mit denen im ersten Jahr ein neuer Jobkonsulent eingestellt werden kann, der einen Überblick über Jobmöglichkeiten im ganzen Grenzland erstellen soll – sowohl nördlich als auch südlich der Grenze. Jensen glaubt, dass dort durchaus viel Potenzial vorhanden ist. „Wir haben bereits viele nach Deutschland vermittelt, wie zum Beispiel zum TDC Callcenter in Flensburg oder an Arbeitsplätze in die dänische Minderheit nach Südschleswig“, so Jensen.

Einer der Gründe, warum die Grenzpendler derzeit fast nur von Deutschland nach Dänemark pendeln, sind die Löhne, die in Dänemark höher sind. Trotzdem glaubt der Jobcenterleiter, dass es möglich ist, den Pendlerstrom auch in die andere Richtung zu lenken. „Wenn wir auf die Nettolöhne gucken, sehen wir, dass sich das Lohnniveau in vielen Branchen nicht großartig unterscheidet.“ Peter Hansen, Leiter des Regionskontors, steht als Hauptinitator hinter der gesamten Idee. Er sieht noch andere Hürden – die sich vor allem in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben. „Es gibt viele Ressentiments über die Arbeit in Deutschland. Bei vielen hat sich in den Köpfen festgesetzt, dass in Deutschland der Chef mit der Peitsche hinter einem steht und die Löhne überall niedrig sind – ohne dass es irgendwelche Zahlen oder Analysen gibt, die diese Behauptungen stützen“, so Hansen.

Um diese Vorurteile aus den Köpfen der Leute herauszubekommen, gibt es seiner Meinung nach nur eine Methode: „Informieren, informieren informieren. Wir werden versuchen, das Gespräch zu suchen und Aufklärung zu leisten.“

Gezwungen werden, einen Job auf der anderen Seite der Grenze anzunehmen, soll allerdings niemand. Mit jedem einzelnen Arbeitslosen wird über die Option gesprochen und die Möglichkeit dazu ausgelotet. Seinen Sitz soll der neue Jobkonsulent der Initiative „Job over grænsen“ nach Möglichkeit im Regionskontor in Pattburg haben. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik, erst einmal sollen die finanziellen Fragen geklärt werden.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 10:22 Uhr

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