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Panorama

28. Juli 2016 | 16:29 Uhr

Änderung bei Kirchensteuer : Zahl der Kirchenaustritte in SH stark angestiegen

vom

Exodus aus der Kirche: In SH treten immer mehr Menschen aus. Eine Ursache dürfte eine Änderung beim Einzug von Kirchensteuern auf Kapitalerträge sein.

Kiel | Die Zahl der Kirchenaustritte steuert auf einen neuen Höchststand seit dem Jahr 2000 zu. „Im ersten Halbjahr hat es in der Nordkirche möglicherweise einen Anstieg um 50 Prozent und mehr gegeben“, sagte Kirchensprecher Frank Zabel in Schwerin. So hätten die Kirchenkreise für Hamburg 60 Prozent gemeldet, der Kirchenkreis Altholstein mit Kiel mehr als 50 Prozent. Die Angaben stammten von den Kirchenkreisen, komplette Zahlen für die Nordkirche lägen noch nicht vor.

Auch das katholische Erzbistum Hamburg verzeichne bereits seit Ende 2013 einen hohen Aderlass an Mitgliedern, sagte Pressesprecher Manfred Nielen ohne konkrete Zahlen nennen zu können. „Mit der Debatte um den inzwischen zurückgetretenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst begann die negative Entwicklung.“

Im Jahr 2000 hatte es in den evangelischen Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern 27.529 Kirchenaustritte gegeben, 2013 waren es 23.970. Die drei Landeskirchen bilden seit Pfingsten 2012 die Nordkirche mit 2,2 Millionen Mitgliedern.

„Über die Gründe für die Austritte kann man nur spekulieren, denn nach den Motiven wird beim Austritt nicht gefragt“, sagte Zabel. „Als Hauptgrund ist eine rein bürokratische Änderung zu vermuten, die aber keine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet - es gibt keine neue Steuer und auch keine Erhöhung.“

Was ist neu? Bisher war die Kirchensteuer auf Kapitalerträge bei der Steuererklärung fällig. Ab 2015 wird diese Kirchensteuer direkt von den Banken abgezogen. Die Steuersätze bleiben unverändert. „Wer den automatisierten Erhebungsweg nach staatlichen Vorgaben nicht möchte, kann beim Bundeszentralamt für Steuern widersprechen - dann bleibt alles wie bisher“, sagte Zabel.

Insgesamt seien überhaupt nur wenige Kirchenmitglieder von der Kapitalertragsteuer und damit auch der entsprechenden Kirchensteuer betroffen, sagte Zabel und wies auf die Freibeträge von 801 Euro für Singles und 1602 Euro für Paare hin.

Als ein Beispiel rechnete er vor: Erhält ein Single 901 Euro Zinsen im Jahr, muss er auf 100 Euro die staatliche Kapitalertragsteuer zahlen. Das sind statt 25 Euro für Kirchenmitglieder nur 24,45 Euro, denn die Kirchensteuer ist wiederum abzugsfähig. Hinzu kommen dann etwa 2,20 Euro Kirchensteuer jährlich (sie beträgt in der Nordkirche neun Prozent der Kapitalertragsteuer).

Anlass für die Umstellung sei nicht die „Erwartung etwaiger Mehreinnahmen“ gewesen, sondern der „Wunsch nach einem gerechten und einfachen Besteuerungsverfahren“, sagte der Leiter der Finanzabteilung im EKD-Kirchenamt, Thomas Begrich. Zabel betonte, „einige Informationsschreiben von Banken und Sparkassen sowie Formulierungen auf Kontoauszügen haben unserer Kenntnis nach für Irritationen bei deren Kunden gesorgt“. „Manche haben wohl irrtümlich geglaubt, es würde eine neue Steuer eingeführt.“ Verunsichert seien nicht nur Kirchenmitglieder. „Wir registrieren insgesamt deutlich mehr Anrufe bei unserer kostenfreien Kirchensteuer-Hotline (0800-1181204) seit Beginn des Jahres.“

Anlass zur Sorge vor Indiskretion sieht Zabel nicht. Denn der Datenaustausch zwischen dem Bundeszentralamt für Steuern und den Banken werde anonym verschlüsselt, damit Bankmitarbeitende keine Kenntnis von der Religionszugehörigkeit ihrer Kunden haben.

Das Phänomen Kirchenaustritte hat nach Einschätzung Zabels teils sehr emotionale Ursachen. „Die Diskussion um den katholischen Bischof Tebartz-van Elst hat beispielsweise auch in der evangelischen Nordkirche zu höheren Austrittszahlen geführt.“ Jeder Austritt sei natürlich zu respektieren, aber auch gesamtgesellschaftlich zu bedauern. Denn die Kirche nutze die Kirchensteuereinnahmen auch für viele soziale Aufgaben in der Gesellschaft.

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erstellt am 01.Sep.2014 | 08:20 Uhr

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