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Panorama

08. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Vandalismus in den Landesforsten : Wut auf Jäger – 50 Hochsitze zerstört

vom

Seit dem Frühjahr verüben Tierschützer immer wieder Anschläge auf Ansitze in den Landesforsten. Mehr als 20.000 Euro Schaden sind bereits entstanden. Meist liegt ein Zettel dabei: „Bürger wehren sich gegen den Abschuss von Hunden und Katzen.“

Heidmühlen | Sie kommen nachts und sind vermutlich mit Akku-Sägen am Werk – selbsternannte Tierschützer zerstören seit Monaten Hochsitze von Jägern. „In meinem Revier wurden zuletzt vier abgesägt und völlig zerkleinert, die taugen nur noch als Brennholz“, berichtet Helmut Mielke (63), Förster von Heidmühlen (Kreis Segeberg). Es ist bereits die dritte Serie in seinem Revier: Im Frühjahr wurden sechs der zwei Meter hohen Ansitze zertrümmert, einige Zeit später ein Hochsitz nur angesägt. „Das ist gefährlich, wenn da ein Jäger in der Dunkelheit hinaufsteigt.“ Insgesamt wurden im Bereich der Försterei Heidmühlen elf Hochsitze unbrauchbar gemacht, der Schaden beläuft sich auf 5500 Euro. Mielke glaubt, dass mehrere Täter am Werk gewesen sein müssen. Die jüngsten Taten geschahen am vorletzten Wochenende. Am Sonntag waren die Hochsitze noch in Ordnung, berichteten Jäger, am Montag meldete ein Jogger dann den ersten umgesägten Hochstand.

Die Anschläge dort und in anderen schleswig-holsteinischen Wäldern haben offenbar Katzen- und Hundeliebhaber verübt. „Bürger wehren sich! Gegen den Abschuss von Katzen und Hunden durch Jäger“, steht in großen Lettern gedruckt auf einem DIN-A4-Blatt, das Mielke an einem zersägten Hochsitz fand. „Doch da sind wir die falschen Ansprechpartner, bei uns gibt es nicht viele wilde Katzen und streunende Hunde“, berichtet der Förster, der seit 35 Jahren in Heidmühlen arbeitet und für eine Waldfläche von 2300 Hektar verantwortlich ist. Und noch nie habe er selbst in diesen Jahren eine Katze oder einen Hund erlegt. Im Gegenteil: „Wir versuchen immer, die Eigentümer ausfindig zu machen und haben auch schon selbst Kätzchen aufgezogen oder ins Tierheim gebracht.“ Mit Unverständnis blickt er auf die vermeintlichen Tierschützer auch deshalb, weil es sich bei den Hunden und Katzen in freier Wildbahn ja um ausgesetzte Tiere handelt.

In den schleswig-holsteinischen Landesforsten wurden von April bis September dieses Jahres rund 50Ansitze zerstört, der Schaden beträgt mehr als 20.000 Euro. „In der überwiegenden Zahl der Fälle lagen Protest-Zettel daneben“, sagt Steffen Ahnert von den Landesforsten. Bei den komplett zersägten Hochsitzen in den Kreisen Segeberg, Plön und Rendsburg-Eckernförde hat sich die Kieler Kriminalpolizei eingeschaltet, in 23 Fällen wird wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Ahnert sagt: „Die Landesforste sind wirklich der falsche Adressat für diesen Aktionismus. Wir haben entschieden, keine Hunde oder Katzen zu schießen. Das wissen die Verursacher wohl aber nicht.“ Zudem stellten die Landesforste nur drei Prozent der Jagdfläche in Schleswig-Holstein. Was wird jetzt getan? „Gegen diesen Fanatismus können wir wenig ausrichten“, klagt Ahnert. „Nur unsere Jäger für Beobachtungen sensibilisieren.“ Der Experte geht davon aus, dass jeweils mindestens zwei Personen in der Nacht ausrückten, um die Hochsitze mit großem Zeitaufwand so zu zerstören, dass sie nicht mehr repariert werden können.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 00:37 Uhr

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