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Panorama

25. März 2017 | 14:43 Uhr

Weg für Rehe und Hirsche : Wilde Brücke gegen Unfälle

vom

Immer wieder prallen Autos und Rehe zusammen. Damit die Tiere sicher von einem Biotop ins andere gelangen, haben sie ihre eigene Wildbrücke.

Kiel/Negernbötel | Es geht um Warzenbeißer, um Rothirsche, Rehe und Haselmäuse. Aber auch um Kreuz kröten, Eidechsen und Ringelnattern. Es geht, kurz gesagt, um Naturschutz, um Bewahrung der Schöpfung und um Sicherung der Biodiversität. "Es geht also um uns alle", sagt Dr. Björn Schulz, "da der Erhalt der biologischen Vielfalt in der Natur eine unverzichtbare Grundlage menschlichen Wohlergehens ist." Schulz ist Projektbeauftragter bei der schleswig-holsteinischen Stiftung Naturschutz und verantwortlich für die Lebensraumkorridore": Ein Pilotprojekt, das seit 2008 rund um die Grünbrücke Kiebitzholm dafür sorgt, dass Warzenbeißer und Co. sich wieder verbreiten können.
Die Grünbrücke wurde im Rahmen des Ausbaus der Bundesstraße 404 zur Autobahn 21 nördlich von Bad Segeberg, auf dem Gemeindegebiet von Negernbötel, errichtet. Den Anstoß zum Bau lieferte die hohe Zahl von Wildunfällen und die Notwendigkeit, die sichere Querung der Autobahn für Wildtiere zu ermöglichen. Das teure Bauwerk war umstritten, zumal anfänglich unklar war, ob und in welchem Umfang es von den Tieren überhaupt akzeptiert werden würde.
Querungshilfe von Huftieren
Tatsächlich konnte aber bereits im Jahr 2010 durch ein Monitoring nachgewiesen werden, dass die Querungshilfe von Huftieren hervorragend angenommen wird. Allerdings konnten besonders anspruchsvolle kleinere Waldtierarten, sowie schützenswerte und stark gefährdete Insekten-, Amphibien- und Reptilienarten der umliegenden Heidebiotope nicht nachgewiesen werden. Daher kommen beispielsweise einige Heuschreckenarten wie der Warzenbeißer, Eidechsen oder auch Kreuzottern nur noch sehr reduziert in wenigen Biotopen vor.

Diese Feststellung sorgte für den Startschuss zum Projekt "Lebensraumkorridore" - denn die Ursache für die fehlende Wanderung vieler kleiner Tierarten konnte schnell nachgewiesen werden: Es fehlte an Umfeldgestaltung und Hinterlandanbindung der neuen Querung. Die Brücke steht zwar genau an der richtigen Stelle, nämlich im Übergangsbereich der Haupt-Naturräume Östliches Hügelland und Geest. Aber es gibt keinerlei Vernetzung der Biotope, deren einstige Verbindungsachsen durch Infrastruktur, Besiedlung, Entwässerung und intensive Landwirtschaft zerstört worden waren.
Zusammen mit einigen Projektpartnern (darunter auch die Landesforsten Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) sicherte sich die Stiftung Naturschutz Eigentum oder Nutzungsrechte an den umliegenden Biotopen und möglichen Verbindungsachsen beiderseits der neuen Grünbrücke. Seit 2010 werden Wald- und Heideflächen oder Teiche wieder in ihren ursprünglichen Zustand und Bewuchs umgestaltet. Zudem werden sie über spezielle Wege miteinander verbunden, so dass sich alle typischen Tierarten in der Region ausbreiten können.
"Naturschutz ist Menschenschutz"
Dr. Heinrich Reck, Dozent an der Kieler Universität, begleitet diesen Prozess wissenschaftlich, und stellt fest, dass alle Beteiligten, beispielsweise die Landwirte, in exzellenter Weise mitarbeiten würden. "Naturschutz ist Menschenschutz, das haben hier alle erkannt."
Auch für die Landesforsten stellen die "Lebensraumkorridore" eine Herausforderung dar. "Durch die bewirtschafteten Wälder wird sich bald ein schmales Band von neuem Urwald ziehen, der in lichter Form ausschließlich aus typischem Bewuchs bestehen wird", so Revierförster Thomas Jacobi.
Björn Schulz geht davon aus, dass das Naturschutzprojekt rund um die Grünbrücke von Kiebitzholm im kommenden Jahr abgeschlossen werden kann. "Die nächste Aufgabe wird dann die Vernetzung der Naturschutzflächen in ganz Schleswig-Holstein sein", so Schulz. "Aber dies, und vor allem die geplanten bundesweiten Lebensraum korridore, sind sicher eine generationslange Naturschutzmaßnahme." Unterstützt werden die Kieler Wissenschaftler an der Grünbrücke Kiebitzholm auch von ganz jungen Naturforschern. Etliche Kinder des Negernböteler Kindergarten wurden im Wildpark Eekholt geschult und helfen jetzt gerne und engagiert bei der regelmäßigen Tierzählung.

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erstellt am 15.Mai.2012 | 06:52 Uhr

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