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Panorama

11. Dezember 2016 | 03:23 Uhr

Ausgrabungen in Gross-Pampau : Wal-Knochen entdeckt: „Das ist hier einfach einmalig“

vom
Aus der Onlineredaktion

In einer Grube in Groß Pampau finden Spurensucher die Knochen eines Wales. Es ist der elfte in dem Ort.

Groß Pampau | Es klingt etwas dumpf, als Wolfgang Höpfner den feinen Stahlstab in den schwarzen Glimmerton drückt. Sofort weiß er mit geschultem Ohr, dass da etwas verborgen ist, was sonst nicht unbedingt im Ton zu finden ist. Vorsichtig legt er die Stelle mit einem kleinen Spachtel frei – ein Knochen kommt zum Vorschein. Mit dem Stahlstab und einem Pinsel wird das Fundstück ganz vorsichtig vom umgebenden Ton entfernt. „Nicht so kratzen“, ruft Andreas Malchow von hinten. Mehr im Scherz, denn Wolfgang Höpfner weiß, was er tut: Gerade hat er einen weiteren Wal in der Groß Pampauer Kiesgrube der Firma Ohle & Lau entdeckt. Es ist der elfte Fund in Groß Pampau seit 1984.

„Das ist hier einfach einmalig, so einen Ort gibt es in Deutschland nicht noch einmal und selbst auf der Welt muss man schon sehr genau hinsehen, um etwas Vergleichbares zu finden“, erklärt Grabungsleiter Gerhard Höpfner. Mit einigen Mitstreitern – darunter seinem Bruder Wolfgang, Malchow aus Hamburg, Uwe Havekost aus Bremen sowie Svenja Warnke und Martin Kupsch aus Uetersen – ist der Lübecker Lehrer seit Jahren auf Spurensuche in Groß Pampau. Spuren aus der Zeit vor elf Millionen Jahren, als hier noch die Ur-Nordsee war. Havekost hatte erst im Januar die Knochen einer Robbe entdeckt, die mittlerweile fast vollständig freigelegt werden konnte. 2013 wurde der mit 15 Meter bisher größte Bartenwal geborgen. Noch fehlt von dem Tier der Schädel.

<p>Mit feinen Stahlstäben, die sie in den Ton drücken, sind die Grabungsteilnehmer dem Wal auf der Spur.</p>

Mit feinen Stahlstäben, die sie in den Ton drücken, sind die Grabungsteilnehmer dem Wal auf der Spur.

Foto: Jann

„Das ist hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Fund-Grube“, berichtet Gerhard Höpfner. Der geologischen Struktur ist diese Häufung zu verdanken. Ein Salzstock drückt die Bodenschichten darüber an die Erdoberfläche. So können die Skelette oberflächennah entdeckt werden. Außerdem sind Grubenbesitzer Wolfgang Ohle und seine Partner begeisterte Fans der Maßnahme. Wenn – wie jetzt ausgerechnet unter einer provisorischen Fahrbahn – neue Knochen gefunden werden, wird zunächst anderenorts weiter Ton abgebaut. „Das Grabungsteam ist herzlich willkommen, aber Leute, die hier einfach nur einem Hobby nachgehen, begeben sich in große Gefahr, deshalb dürfen die nicht mehr auf das Gelände“, berichtet Ohle. Wer in der Tongrube abrutscht und in eines der Wasserlöcher, die sich durch Regen bilden, fällt, bleibt dort stecken.

Die Höpfner-Brüder und ihre Mitstreiter kennen die Grube unterdessen schon seit Jahren, wissen um die Gefahr. Und um das, was sich im Glimmerton verbirgt und woher es kommt. Vor elf Millionen Jahren bedeckte die Ur-Nordsee weite Teile Norddeutschlands, in Groß Pampau – heute immerhin etwa 140 Kilometer von der Küste entfernt –  stand das Wasser etwa 40 Meter hoch. „Eine Schicht von einem Meter Sedimenten am Boden ist innerhalb von tausenden Jahren entstanden“, weiß Gerhard Höpfner. So wurden verendete und auf den Meeresgrund gesunkene Meerestiere nach und nach bedeckt. Wie nirgendwo sonst werden sie jetzt behutsam wieder freigelegt. „Groß Pampau kommt aus den Schlagzeilen zurzeit ja kaum heraus“, meint der Grabungsleiter. So oft wie zuletzt waren die Paläontologen, wie die Experten heißen, noch nie erfolgreich. Höpfner: „Wir können wohl davon ausgehen, dass das hier nicht der letzte Fund ist.“ Ohle schätzt, dass der Abbau von etwa 1,9 Millionen Tonnen Glimmerton etwa 15 Jahre dauern wird.

<p>Der Beweis für den nächsten Wal aus der der Ur-Nordsee: Ein Wirbelknochen mit dem typischen Loch, das deutet auf einen Schwanzwirbel hin.</p>

Der Beweis für den nächsten Wal aus der der Ur-Nordsee: Ein Wirbelknochen mit dem typischen Loch, das deutet auf einen Schwanzwirbel hin.

Foto: Jann

„Der Baggerfahrer ist schon sehr sensibilisiert, er hat uns manchmal schon wichtige Hinweise gegeben, wenn er etwas knochenartiges entdeckt hat“, berichtet Malchow. So entdeckte der Architekt 2013 einen Knochensplitter auf der Fahrspur des Baggers – die Basis für den Fund des 15-Meter-Wals. Im kommenden Jahr treffen sich Paläontologen aus der ganzen Welt zu einem Kongress in Berlin. Eine Exkursion wird die Fachleute dann auch nach Groß Pampau führen.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 14:57 Uhr

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