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Tote Jenny Böken : Wahrheitssuche an Bord der Gorch Fock

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Vor sechs Jahren stürzte die Kadettin Jenny Böken von der Gorch Fock und starb. Die Ermittlungen sind lange abgeschlossen, doch die Eltern suchen weiter nach Antworten. Nun gibt es einen Gerichtstermin an Bord.

Rostock | Fünf Tage nach der feierlichen Vereidigung der 245 neuen Kadetten in Flensburg wird am Mittwoch eines der tragischsten Kapitel der Gorch Fock neu aufgeschlagen. In Rostock hat das Verwaltungsgericht Aachen einen Ortstermin auf dem prestigeträchtigen Segelschulschiff der Deutschen Marine angesetzt: Es geht um das tragische Unglück vor sechs Jahren.

Am 3. September 2008 starb die „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken. Was passierte genau auf dem Schiff und wie kam die 18-jährige Sanitäts-Offiziersanwärterin ums Leben? Die Umstände sind ungeklärt – jedenfalls aus Sicht der Eltern. Die Bökens können das Untersuchungsergebnis „Tragisches Unglück“ so nicht akzeptieren.

Die 18 Jahre alte Jenny Böken aus Nordrhein-Westfalen war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Kiel während ihrer Nachtwache in jener Septembernacht gegen 23.43 Uhr 15 Kilometer vor Norderney aus ungeklärten Umständen über die Reling gestürzt und ertrunken. Sie wurde zwei Wochen später tot aus der Nordsee geborgen. Das Verwaltungsgericht Aachen will die Gegebenheiten an Bord in Augenschein nehmen. Geprüft werden soll, ob bei der Dienstausübung eine besondere Lebensgefahr bestand. In dem Fall hätten die Eltern laut Soldatenversorgungsgesetz Entschädigungsansprüche.

Den Eltern geht es um weit mehr als um die Klagesumme von 40.000 Euro. Sie ringen seit Jahren vehement um die Aufklärung der Umstände, die zum Tod ihrer Tochter führten. Mit Klageerzwingungsverfahren, Anträgen auf Wiederaufnahme der Ermittlungen und Beschwerden gegen die Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel und Strafanzeigen wegen fahrlässiger Tötung sind die Eltern auf juristischer Ebene bereits gescheitert.

Die Kieler Staatsanwaltschaft hatte über 2000 Ermittlungsseiten zusammengetragen und kam zum Abschluss der Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein tragisches Unglück gehandelt habe. „Die Ursache für den Todesfall konnte nicht abschließend festgestellt werden“, hieß es.

Aus Sicht der Eltern, die seit Jahren vergeblich ein juristisches Verfahren nach dem anderen anstrengen, gibt es Ungereimtheiten: So könne ihre Tochter nicht ertrunken sein, da sie laut Obduktionsergebnis kein Wasser in der Lunge hatte. Aus den Akten der Staatsanwaltschaft geht außerdem hervor, dass die Verunglückte ihre Schnürstiefel nicht trug. Zudem gebe es sich widersprechende Zeugenaussagen. Dem früheren Kommandanten werfen die Eltern vor, dass ihre Tochter bei schwerer See auf dem Postenausguck keine Schwimmweste getragen haben und ungesichert gewesen sein soll. Daraus leiten sie die Frage ab: Hat Jenny Dienst unter besonderer Lebensgefahr getan?

Die „Gorch Fock“ wird am Dienstagabend in Rostock erwartet. Sie ist einer der Stars der 24. Hanse Sail, dem weltweit größten Traditionssegler-Treffen. Dazu werden in diesem Jahr mehr als 200 Schiffe erwartet.

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erstellt am 05.Aug.2014 | 12:10 Uhr

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