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Panorama

04. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Altenholz bei Kiel : Überraschung im Brandstiftungs-Prozess: Zeugin präsentiert neuen Verdächtigen

vom

Neue Wendung: Der Angeklagte ist wohl unschuldig, dafür wird ein Feuerwehrmann verdächtigt.

Kiel | Im Kieler Prozess um einen Großbrand mit Millionenschaden sind erneut Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten aufgetaucht. Ein Polizeibeamter schilderte am Dienstag überraschend vor dem Kieler Amtsgericht, dass eine Zeugin einen anderen Verdächtigen benannt habe. Die Frau habe sich in der vergangenen Woche bei der Polizei gemeldet. Sie habe erklärt, der Mann habe ihr bereits unmittelbar nach dem Feuer am 26. November 2014 in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) die Tat gestanden, sagte der Beamte.

Als die Frau den Mann vor wenigen Tagen wiedergetroffen und sich gewundert habe, dass er in Freiheit sei, soll er sich ihr gegenüber damit gebrüstet haben, dass die Polizei ihn nicht gekriegt habe und ein Unschuldiger vor Gericht stehe, erklärte der Beamte. Bei dem Mann soll es sich um ein damaliges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr eines Nachbarortes handeln. Hinweise auf diesen Mann als mutmaßlichen Täter gab es den Aussagen eines anderen Polizeibeamten zufolge bereits im Februar 2015. Den Hinweisen sei aber nicht nachgegangen worden. Damals saß der Angeklagte zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft, bevor das Gericht seine Freilassung anordnete.

An einem dritten Polizeizeugen, dem der Angeklagte angeblich seine Täterschaft gestanden, sie aber kurz darauf widerrufen haben soll, übten Gericht und Verteidigung heftige Kritik.  Auf Fragen der Vorsitzenden des Schöffengerichts und des Verteidigers verwickelte sich der 49-Jährige in Widersprüche und berief sich auf Erinnerungslücken. Das Gericht setzte allen Beteiligten eine Erklärungsfrist bis zum 14. September. Dann könnte nach den Plädoyers möglicherweise auch das Urteil gesprochen werden.

Das Gericht will die Zeugin gesondert laden. Sie ist derzeit in Urlaub. Die Staatsanwaltschaft wollte keine Angaben dazu machen, ob gegen den neuen Verdächtigen Ermittlungen laufen. Das sei Gegenstand der Hauptverhandlung, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler auf Anfrage. 

In dem Verfahren muss sich ein 23-jähriger Angeklagter verantworten. Er bestreitet die Tat. Sein Verteidiger will Freispruch. Das Großfeuer vernichtete ein Nahversorgungszentrum mit Supermarkt, Restaurant und etlichen Geschäften. Der Schaden wird auf 6,5 Millionen Euro geschätzt. In dem Gerichtsverfahren wurde bereits massive Kritik an den Ermittlungen der Polizei laut, weil sie sich möglicherweise zu schnell und einseitig auf den Angeklagten als Täter festgelegt habe. Ein Gewahrsamsbeamter hatte ausgesagt, der Angeklagte hätte die Tat ihm gegenüber gestanden. Doch mittlerweile gilt der Polizist als unglaubwürdig. Zuvor hatte bereits auch die 14 Jahre alte Ex-Freundin den Angeklagten beschuldigt.

In dem Gerichtsverfahren wurde bereits massive Kritik an den Ermittlungen der Polizei laut, weil sie sich möglicherweise zu schnell und einseitig auf den Angeklagten als Täter festgelegt habe.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 17:22 Uhr

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