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Panorama

25. März 2017 | 14:42 Uhr

Glätte und Blitzeis : Über 500 Unfälle in SH und Hamburg – A7 wieder frei

vom
Aus der Onlineredaktion

Eisregen verwandelt Straßen und Wege im Norden in Eisbahnen: Fußgänger stürzen, Fahrradfahrer schieben ihre Räder, Autofahrer bleiben vorsichtshalber zuhause.

Eine Niederschlagsfront, die von Norden her über das Land zog, ließ Böses erahnen – und die Vorhersagen sollten Recht behalten. Aufgrund der gestiegenen Temperaturen setzte Nieselregen ein, der am Samstag auf dem gefrorenen Boden sofort zu einer Eisfläche gefror. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab eine Unwetterwarnung für Schleswig-Holstein, Hamburg, das nordwestliche Niedersachsen und Bremen heraus. Aufgrund gefrierenden Regens oder Sprühregens müsse verbreitet mit Glatteis gerechnet werden. Der DWD warnte vor Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr und vor Autofahrten. Die Warnung wurde für die Mitte, den Süden und den Osten Schleswig-Holsteins bis 18 Uhr verlängert.

Aktuelle Verkehrsinformationen gibt es auf shz.de/verkehr.

 

Im gesamten Land gab es laut den zuständigen Regionalleitstellen bis 16.40 Uhr mehr als 200 glättebedingte Unfälle. Allein in und um Lübeck krachte es bis zum Nachmittag knapp 90 Mal. In den allermeisten Fällen sei es bei Blechschäden und kleineren Verletzungen geblieben, sagten die Polizeisprecher.

Die Autobahn 1 wurde am Samstagmittag zwischen Barsbüttel und Stapelfeld in Richtung Lübeck für mehrere Stunden gesperrt. Grund war auch hier enorme Glätte. Nachdem sich innerhalb kürzester Zeit fünf Unfälle ereigneten, entschied die Polizei, den Abschnitt komplett zu sperren. Drei extra Streufahrzeuge wurden in Bad Oldesloe mit Salz gefüllt. Sie fuhren nebeneinander mit Polizei-Eskorte erst nach Süden Richtung Stapelfeld und dann wieder in Richtung Norden. Im Anschluss wurde die Autobahn wieder freigegeben. Die Polizei warnt aber weiterhin vor glatten Straßen.

<p>Die Polizei hat die A1 bei Stapelfeld gesperrt.</p>

Die Polizei hat die A1 bei Stapelfeld gesperrt.

Foto: Peter Wüst

Die Autofahrer, die während der Sperrung auf der A1 im Stau standen, rief die Polizei dazu auf, ihre Autos nicht zu verlassen. Ein Mann war bereits ausgestiegen, ausgerutscht und musste behandelt werden. Rettungswagen fuhren in Schrittgeschwindigkeit, um Verletzte ins Krankenhaus zu bringen.

<p>Bei Stapelfeld ereigneten sich innerhalb kurzer Zeit fünf Unfälle. </p>

Bei Stapelfeld ereigneten sich innerhalb kurzer Zeit fünf Unfälle.

Foto: Peter Wüst

Bei Harrislee kam ein 40 Tonnen schwerer Lastwagen auf der A7 ins Schleudern und kippte um. Die Autobahn war fast elf Stunden in Richtung Süden gesperrt. Zunächst hieß es, der Fahrer sei eingeklemmt, die Feuerwehr rückte aus. Doch auch diese musste aufgrund der Eisglätte sehr vorsichtig anfahren. „Es war sehr glatt, auch wir mussten aufpassen“, erklärt Einsatzleiter Peter Walter Johannsen von der Feuerwehr Handewitt. Vor Ort hatte sich der LKW-Fahrer dann schon selbst befreien können. Er wurde mit einem Rettungswagen in die Notaufnahme gebracht. Die Feuerwehr musste jedoch noch auslaufenden Kraftstoff auffangen und vor allem die Einsatzstelle abstreuen, um Stürze der Einsatzkräfte zu vermeiden.

<p>Der Lastwagen hatte Schweinehälften geladen.</p>

Der Lastwagen hatte Schweinehälften geladen.

Foto: Karsten Sörensen
 

Im Bereich Neumünster, Rendsburg, Kiel und Plön zählte die zuständige Regionalleitstelle Mitte bis zum Mittag mindestens 40 Unfälle, bei denen sieben Menschen leicht verletzt wurden

<p>In Itzehoe wurde der Busverkehr zur Sicherheit eingestellt.</p>

In Itzehoe wurde der Busverkehr zur Sicherheit eingestellt.

Foto: Daniel Friederichs

Im Kreis Nordfriesland ereigneten sich laut Polizei zwei Glätteunfälle.

<p>Am Bordesholmer Dreieck bei Neumünster ist ein Streuwagen auf der A7 unterwegs.</p><p> </p>

Am Bordesholmer Dreieck bei Neumünster ist ein Streuwagen auf der A7 unterwegs.

 

Foto: Daniel Friederichs
<p>In Flensburg waren die Autos von einer Eisschicht bedeckt.</p>

In Flensburg waren die Autos von einer Eisschicht bedeckt.

Foto: Gerrit Hencke
<p>Die Emanuel-Geibel-Straße in Flensburg ist von einer Eisschicht überzogen.</p>

Die Emanuel-Geibel-Straße in Flensburg ist von einer Eisschicht überzogen.

Foto: Gerrit Hencke
<p>Nochmal die Emanuel-Geibel-Straße: „Die Straßen sind wie Seife“, schildert ein Fußgänger.</p>

Nochmal die Emanuel-Geibel-Straße: „Die Straßen sind wie Seife“, schildert ein Fußgänger.

Foto: Gerrit Hencke
 
 

Hamburg

In Hamburg rückten die Feuerwehr und beteiligte Hilfsorganisationen innerhalb von acht Stunden 337 Mal zu wetterbedingten Unfällen aus, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Fußgänger zogen sich bei den Stürzen demnach Knochenbrüche, Platzwunden, Prellungen und Zerrungen zu. Lebensgefährliche Verletzungen seien nicht dabei gewesen. Die Verletzten seien in Krankenhäuser gebracht worden. Es habe bis zu 180 Notrufe pro Stunde gegeben, daher sei die Rettungsleitstelle um weitere fünf Mitarbeiter verstärkt worden. Am Nachmittag habe sich die Lage leicht entspannt, sagte ein Feuerwehrsprecher.

<p>In Hamburg ist es so glatt, dass nur ganz wenige Autos auf den Straßen unterwegs sind.</p>

In Hamburg ist es so glatt, dass nur ganz wenige Autos auf den Straßen unterwegs sind.

Foto: Joachim Dreykluft
 

In der Innenstadt und im Stadtteil Eimsbüttel waren Bürgersteige und Fahrradwege stark vereist. Fußgänger gingen vorsichtig oder sich an den Händen haltend auf den vereisten Wegen entlang. Fahrradfahrer schoben ihre Räder, teils aus schlechter Erfahrung, nachdem sie zuvor schon hingefallen waren. Ein Radler sagte, als er am Morgen aufgebrochen sei, wäre alles noch in Ordnung gewesen. Nun schiebe er lieber zurück.

350 Streufahrzeuge der Stadtreinigung waren ausgerückt. Auf knapp 3300 Kilometer Straßen verteilten sie doppelt so viel Feuchtsalz wie üblich, wie die Stadtreinigung erklärte. Auch mehr als 4000 Bushaltestellen, 655 Kilometer öffentliche Gehwege und 220 Kilometer Radwege gehören demnach zum Einsatzgebiet der Streufahrzeuge. Glätte auf den Bürgersteigen vor Wohnhäusern müssten die Anlieger selbst beseitigen.

Das für Samstag angesetzte Testspiel des FC St. Pauli gegen den Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück wurde auf Sonntag (14 Uhr) verschoben. Grund seien der für Hamburg prognostizierte Eisregen und technische Probleme bei der Rasenheizung im Millerntor-Stadion, die aber inzwischen wieder behoben seien, teilte das Zweitliga-Schlusslicht St. Pauli am Samstagvormittag mit.

 

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erstellt am 07.Jan.2017 | 19:14 Uhr

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