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Panorama

30. Juli 2016 | 20:47 Uhr

Traditionsschiffe vorerst gerettet: Ramsauer gibt zwei Jahre Bestandsschutz

vom

Kiel/Berlin | Aufatmen bei Traditionsschiffern und Museumshäfen: In ihrem Kampf gegen das drohende Aus für viele alte Segler oder Kutter haben sie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) weitreichende Zugeständnisse abringen können. So sagten Ramsauers Spitzenbeamte bei einem Gespräch mit Branchenvertretern einen zweijährigen Bestandsschutz für alle Traditionsschiffe zu. Außerdem einigten sich Verband und Ministerium in Berlin darauf, dass künftig nicht mehr allein die von der Branche stark kritisierte Seeberufsgenossenschaft über neue Zulassungen entscheiden soll, sondern ein externes Expertengremium beteiligt wird. "Damit hört das Schiffeversenken erst mal auf", freute sich Volker Pesch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen.

Von den 105 Traditionsschiffen in Deutschland wären laut Pesch etwa 25 Gefahr gelaufen, noch dieses Jahr ihre Zulassung zu verlieren - darunter mehrere Schiffe in Lübeck wie etwa der Gaffelschoner "Krik Vig". Aber auch Schiffe in Kiel und Eckernförde hätte es getroffen. Bei der "Lovis" in Greifswald wäre es sogar schon morgen so weit gewesen. Der Grund für das drohende Aus: Die Seeberufsgenossenschaft legt die Zulassungsrichtlinien nach Auffassung der Branche immer strenger aus und verweigert immer öfter die Genehmigung. Rund 100 Schiffe sind daher in den letzten Jahren aus der Traditionsflotte verschwunden. Grund für die Ablehnung war meist, dass die Fahrzeuge nicht mehr dem Originalzustand entsprachen. Das aber sei auch gar nicht möglich, wendet Pesch ein: "Ein Schiff aus den 20er Jahren im Originalzustand dürfte heute überhaupt nicht mehr fahren."

Die Zulassung der Seeberufsgenossenschaft ist für die Traditionsschiffer wichtig, weil sie dann Gäste an Bord nehmen und Deckungsbeiträge erheben können, die sie allerdings nur zum Erhalt des Schiffs verwenden dürfen. Fehlt den Schiffen dagegen das Etikett "Tradition", bleibt den Besitzern zwar die Möglichkeit, sie als Berufsschiffe zu führen - doch das würde nicht nur einen Kapitän mit Patent am Steuer erfordern, sondern auch Beiträge zur Berufsgenossenschaft. Der Betrieb lohnt sich dann meist nicht mehr.

Dass es nun erst mal zwei Jahre Bestandsschutz für die Traditionsschiffe gibt, stößt auch bei den Politikern im Land auf Zustimmung. "Die Traditionsschifffahrt ist ein wichtiger Faktor für die touristische Attraktivität der Häfen an Nord- und Ostsee", sagt der Kieler FDP-Bundestagsabgeordnete Sebastian Blumenthal, der sich mit ein paar weiteren Koalitionsparlamentariern aus dem Norden in einem Brief an Ramsauer für die jetzt gefundene Vereinbarung stark gemacht. Blumenthal freute sich daher "sehr, dass es mit vereinten Kräften gelungen ist, eine Neuregelung zu vereinbaren." Und das noch bevor die "Kieler Woche" morgen zu Ende geht.

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erstellt am 29.Jun.2013 | 03:59 Uhr

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