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Panorama

09. Dezember 2016 | 16:41 Uhr

Kieler Bucht : Tote Schweinswale - Experte vermutet Delfin als Täter

vom

„Freddys“ dunkle Seite? Der Kieler Delfin könnte mehrere Schweinswale getötet haben. Ein Experte nennt drei Gründe.

Kiel | Acht tote Schweinswale sind seit September in der Kieler Bucht gefunden worden – ihr genaues Schicksal wird wohl nie ganz aufgeklärt werden. Doch ein Verdächtiger seht für den Meeresbiologe Boris Culik fest: „Verantwortlich ist vermutlich der in Kiel oft gesichtete Delfin ,Freddy'“, sagt der. Es seien viel mehr Schweinswale betroffen als in früheren Jahren.

Culik nannte drei Gründe, warum Delfine Schweinswale töten können. Der wahrscheinlichste sei zu robustes Spielen. „Stellen Sie sich vor, ein 350 Kilo schwerer Delfin spielt mit einem 50 Kilo schweren Schweinswal - das ist, als würde ein ungezogenes Pferd mit einem Menschen toben“, sagte der Experte. Möglich wäre auch Konkurrenzkampf um Fressen. Das sei hier unwahrscheinlich, denn zurzeit gebe es viel Hering in der Ostsee. In Frage komme aber auch genetische Konkurrenz.

„Delfinbullen töten Jungdelfine, um Weibchen schneller befruchten zu können - Jungtiere sehen Schweinswalen ähnlich.“ Die aufgefundenen Wale haben laut Culik keine offensichtlichen Verletzungen aufgewiesen - oder sie waren schon verwest. Die Kadaver befänden sich inzwischen im Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) in Büsum (Kreis Dithmarschen) zur Obduktion, um die Todesursache zu klären.

Bei den Kielern ist der neugierige Delfin sehr beliebt.
Bei den Kielern ist der neugierige Delfin sehr beliebt. Foto: Facebook-Seite Tauchen und Meer
 

Noch im August waren laut Culik viele Schweinswale in der Kieler Förde gesehen worden. Jetzt sei kaum einer mehr da. Ähnlich sei es im April in der Flensburger Förde gewesen, als sich dort zwei Delfine aufhielten. „Ein Zusammenhang drängt sich auf“, sagte Culik.

Andere Experten vermuten Umwelteinflüsse als größte Schweinswal-Gefahr. Ein Delfin-Angriff wird aber nicht komplett ausgeschlossen. „Feddy“ soll vor einigen Wochen für einen tödlichen Angriff auf einen Schweinswal bei Frederica verantwortlich gewesen sein.

Dr. Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere in Stralsund sagt aber: „Bei einer Tötung durch einen Delfin wären eindeutige Läsionen am Kadaver der Tiere zu erkennen.“  Der Experte hält ein solches Verhalten somit nicht für außergewöhnlich, betont aber auch: „Eine Bedrohung für eine gesunde Population an Schweinswalen stellen Delfine in der Regel nicht dar.“ Ganz im Gegenteil: „Die Ostsee veträgt durchaus große Tiere“, wie der Walforscher klarstellt.

Schweinswale haben ein äußerst empfindliches Gehör.
Schweinswale haben ein äußerst empfindliches Gehör. Foto: dpa/Hofmann
 

Dass Delfine Schweinswale angreifen, ist zwar filmisch dokumentiert, aber äußerst selten. In den vergangenen 15 Jahren wurden lediglich drei konkrete Fälle beobachtet – in Norwegen, Schottland und jetzt in Dänemark. Über den Hintergrund des Angriffs Ende August streiten die Experten.

Während Dähne der Meinung ist, die Tiere wollen sich eines Nahrungskonkurrenten entledigen, glaubt Prof. Boris Culik an ein Verständigungsproblem. „Bei Tieren gibt es soziale Verhaltensregeln. Wenn der Delfin das Gefühl hat, dass der Schweinswal nicht auf Kommunikation reagiert, kann es zu aggressivem Verhalten kommen.“

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erstellt am 10.Nov.2016 | 14:06 Uhr

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